Turm in 60 Meter Höhe neu verkleidet

Die Dachdeckermeister Joachim Brauer und Sohn schließen die letzte Falz an der Kupfereindeckung auf dem Turm der St. Georgskirche in Gelsenkirchen. Sturm „Ela „ hatte die Eindeckung weggeblasen.
Die Dachdeckermeister Joachim Brauer und Sohn schließen die letzte Falz an der Kupfereindeckung auf dem Turm der St. Georgskirche in Gelsenkirchen. Sturm „Ela „ hatte die Eindeckung weggeblasen.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Dachdecker verkleideten einen Teil des Turms der St. Georgskirche mit neuem Kupferdach. Ela hatte vor einem Jahr gewütet. Gerüstbauer ebneten den Weg zum Arbeitsplatz im 29. Stockwerk

Gelsenkirchen.. Es glänzt auf dem Dach der St. Georgskirche, wenn ihr die Sonne aufs stolze Haupt scheint, Stolz, weil das Gebäude, Baujahr 1908, sich seit gestern wieder mit komplettem Kupferdach präsentiert. Gestern wurde die letzte Falz in 60 Meter Höhe geschlossen. Das Sturmtief Ela hatte Pfingsten vor einem Jahr mit Windgeschwindigkeiten bis 142 km/h gewütet und auch das Dach am südwestlichen Turm wie Blätter heruntergefegt. Die WAZ begleitetete das Team der Firma Arnold Brauer & Sohn auf den ungewöhnlichen Arbeitsplatz.

Dachdecker können sich nicht den schönsten Tag aussuchen, um ihr Handwerk zu vollenden. Auch wenn die Sonne von Herzen lacht, eine Freundin der Dachdecker ist sie nicht. Sie lieben es kühler bei der Arbeit in Himmelsnähe, ins Schwitzen geraten sie auch ohne wärmende Unterstützung. Unbarmherzig begleitet der Strahlemann am Himmel jeden Tritt. Man fühlt sich ihr näher mit jedem Schritt, mit jeder Stufe. Es werden 300 sein, bis man das goldschimmernde Kupferdach auf Tuchfühlung vor sich hat.

12 Tonnen Gerüstmaterial

Das Vertrauen in den Gerüstbauer ist groß, wenn man sich über Leitern, Alustegen und Holzbrettern immer weiter vom Boden entfernt. Marco Wallbaum vom AIS Gerüstbau ist ein erfahrener Mann, wenn Gebäude eingerüstet werden müssen. Die 25 Mitarbeiter bauen in der regel Arbeits-, Industrie und Schutzgerüste. Doch eine Kirche mit einem 58 Meter hohen Gerüst zu verkleiden, gehört nicht gerade zum Tagesgeschäft. Bei der Bestandsaufnahme muss er Informationen sammeln über das Baumaterial der Kirche und ermitteln, welche Lasten auf Mitte- und Seitenschiff einwirken. Bevor die ersten gitterträger gesetzt werden, muss die komplette Planung des Aufbaus stehen. „wenn wir unten falsch anfangen“, so Wallbaum, können wir später nichts mehr verändern. Auch der Statiker gehört in der Bauphase zum Team. Die Lasten des Gerüstes werden durch Wandhalter abgeleitet, die über Bohrungen im Mauerwerk befestigt worden sind. Als Klammer werden von innen Querträger angebracht, um die Last auf die Fensterbank abzustützen. Das geschieht auf jeder Turmseite zweimal zum Ableiten der Vertikallasten. Am Mauerwerk werden Wandabschlusshalter befestigt, alle vier Meter Gerüstwandanker. 80 mm tief bohren sich die Schrauben ins Mauerwerk. 12 Tonnen misst das Gerüstmaterial, das sich auf 29 Etagen verteilt. Der Weg ist vorgezeichnet bis zum Seitenschiff, dann geht es nach einer Verbindung mit dem Turmgerüst über innenleigende Leitergänge weiter nach oben. Geländer geben Sicherheit, hier und da ist Geschmeidigkewit beim Übergang zur nächsten Leiter gefragt.

Goldgelber Glanz weicht mattem Grün

Der Foto-Kollege hat neben Joachim Brauer und Sohn Jonas am meisten zu schleppen. Eine gute Kameraausrüstung soll schließlich Auf- und Abstieg, den gefährlichen Arbeitzsplatz und die schöne Aussicht auf die Stadt dokumentieren.

Vater und Sohn sind zufrieden mit ihrem Werk. Auf 65 Quadratmetern haben sie den Turm neu verkleidet, Kupfer mit 0,8 mm Stärke auf die Holzschalung verschraubt. Sie haben es geschnitten und gefalzt, 45 cm breite Scharen verlegt, auch die Holzschalung unter dem Kupferdach erneuert.

Joachim Brauer ist sicher, dass die neue Kupferverkleidung so manchen Sturm überleben wird. Doch der goldgelbe Glanz, so weiß er, wird sich schon nach einiger Zeit in eine matten Grünton verwandeln. Matt wie der alte kupferne Nachbar im nördlichen Turmbereich, den Ela verschont hat.