Tierheim Gelsenkirchen sucht Gassigeher und Herrchen

Die Kangal-Hunde im Tierheim in Gelsenkirchen sind schwer zu vermitteln. Vorsitzender Detlef Fohlmeister (im Bild mit Kangal „Baron“) erläutert die Situation.
Die Kangal-Hunde im Tierheim in Gelsenkirchen sind schwer zu vermitteln. Vorsitzender Detlef Fohlmeister (im Bild mit Kangal „Baron“) erläutert die Situation.
Foto: Michael Korte
Tierheim sucht ehrenamtliche Helfer. Eine hohe Zahl von Kangals ist derzeit untergebracht. Gesucht werden Hundehalter, die sich der Tiere annehmen.

Gelsenkirchen/Gladbeck/Herne.. Zwischen zehn und zwölf Gassigeher – mit großem Sachkundenachweis für Hundeführer – sind werktags im Einsatz, an den Wochenenden sogar 30. Das klingt nach viel, doch angesichts der Zahl der Tiere sucht das Tierheim Gelsenkirchen händeringend weitere Ehrenamtliche. Mit diesem Anliegen wird sich das Tierheim demnächst in der Ehrenamtsagentur Gelsenkirchen (Neumarkt) vorstellen. Beste Karten haben Helfer mit Erfahrung.

Aktuell sind auf dem Gelände an der Willy-Brandt-Allee 90 Katzen, 80 Hunde und 60 Kleintiere untergebracht. 2014 wurden 1200 Tiere vermittelt. Manche sind nur 14 Tage dort, bis sie wieder ein neues Zuhause finden. Manche aber werden richtige Tierheim-Veteranen, weil sich für sie partout kein Interessent findet. Das betrifft ältere Tiere – und Kangals.

Neun Tiere in Einzelzwingern

Neun Tiere der anatolischen Hirtenhundrasse leben zurzeit in Einzelzwingern. Dass weitere hinzukommen, ist nicht ausgeschlossen. Das Geschäft mit dem Welpen-Verkauf übers Internet boomt. Zwischen 400 und 500 Euro kostet ein Kangal-Welpe. „deine-tierwelt.de“ ist solch ein Forum, auf dem auch junge Kangals aus Gelsenkirchen angeboten werden.

Die Kangals bellen wütend vor lauter Aufregung, als Detlef Fohlmeister, Vorsitzender des Tierschutzvereins, den Trakt aufschließt. Jeder Besucher bedeutet Stress für die großen Tiere, deshalb ist der Trakt auch nicht für jeden zugänglich. Der Kangal „Baron“ wird lammfromm, als Detlef Fohlmeister beruhigend auf ihn einspricht, seine Pfoten streichelt.

Doch Kangals sind keine Hunde für die Etagenwohnung, sie brauchen viel Auslauf und Platz. In einigen Bundesländern wird die Rasse als gefährlich eingestuft. Entsprechend genau schaut sich das Tierheim potenzielle Herrchen und Frauchen an und weist auch darauf hin, dass diese Hunderasse nichts für Laien ist, sondern eher für Menschen, die bereits Erfahrung im Umgang mit Hunden haben. „Am liebsten vermitteln wir Kangals als Haus- und Hofhunde für große Firmengelände“, sagt Frohmeister.

Kangals kommen aus Herne

Die Kangals im Tierheim Gelsenkirchen kommen größtenteils aus Herne. „Die Stadt hat noch nie Tiere von einem Gelsenkirchener Züchter (in Ückendorf züchtet ein Händler Kangals, Anm. d. Red.) ins Tierheim gebracht“, heißt es bei der Stadt. Gelsenkirchen ist Aufnahmestelle für Fundtiere aus Herne und Gladbeck.

Das Tierheim brauchte im Jahr 2014 830.000 Euro, um den Betrieb zu gewährleisten. Gelsenkirchen gibt 215.000 Euro, Herne 100.000 Euro, Gladbeck 50.000 Euro. Die „Restsumme“ muss aus Spenden, Mitgliedsbeiträgen (1300 Mitglieder) und Erbschaften erwirtschaftet werden.

Der Verein zahlt Miete und Pacht für Gebäude und Grund an die Stadt GE. Im Tierheim sind 24 Festangestellte beschäftigt.