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WAZ-Medizinforum

Therapie muss auf die Frau zugeschnitten sein

17.01.2013 | 18:32 Uhr
Therapie muss auf die Frau zugeschnitten sein
Das WAZ Medizinforum zum Thema Brustkrebs Therapiestrategien findet am Mittwoch, 16. Januar 2013, in einem Seminarraum der ev. Kliniken an der Munckelstrasse in Gelsenkirchen statt. Foto: Thomas Goedde

Gelsenkirchen.   Beim WAZ-Medizinforum in den evangelischen Kliniken stellten Professor Dr. Claus Doberauer, Privatdozent Dr. Razvan Galalae und Chefarzt Dr. Abdallah Abdallah die neuesten Therapiestrategien im Bereich der Brustkrebstherapie vor.

Am Anfang des WAZ-Medizinforums zum Thema „Therapiestrategien bei Brustkrebs“ übten die Gäste erstmal das tiefe Durchatmen. Der Chefarzt der Klinik für Senologie, Dr. Abdallah Abdallah, hatte in seinem hochinformativen Vortrag über operative Möglichkeiten bei Brustkrebs umfangreiches Bildmaterial zu (gelinde gesagt) problematischen (von anderen operierten) wie auch zu sehr gelungenen Operationen mitgebracht. Dass Betroffene durch die gesellschaftliche Norm der idealen Brust, die in der Natur alles andere als die Regel ist, unter Druck geraten, sei völlig nachvollziehbar, betonte der Chirurg. Das Selbstwertgefühl spiele eine große Rolle, auch in der Entscheidung für Therapien und Operationsmethoden, versicherte Dr. Abdallah.

Ob Haut- und Gewebeersatz aus dem eigenen Rücken, Muskelversetzung aus der Bauchdecke (eine sehr schwere OP) oder Prothese (oft Probleme nach acht bis zehn Jahren), Rekonstruierung der Brustwarze oder nicht: Die Entscheidung für eine Methode sei immer individuell. Abhängig von der Notwendigkeit, wie viel entfernt werden muss, vom sonstigen körperlichen Status der Frau, aber vor allem auch von ihrer persönlichen Situation, ihren Bedürfnissen. Es gehe nicht nur um die Bekämpfung des Karzinoms , sondern auch um langfristige Lebensqualität. Eine Leitlinie, der sich das ganze Brustzentrum an allen Stationen verschrieben habe.

Strahlung direkt am Tumor ansetzen

Der Leiter der Strahlentherapie , Privatdozent Dr. Razvan Galalae, stellte Neuerungen in seinem Gebiet vor. Dank modernster Geräte sei es immer besser möglich, punktgenau mit variabler Energie die Strahlung zu modellieren und so nur den Tumor und immer weniger bis gar kein gesundes Gewebe oder Organe zu treffen. Dank Brachytherapie ist es zum Teil gar möglich, die Strahlung im Körper, am Tumor anzusetzen. Er erläuterte Vorteile von Strahlentherapie vor einer Operation (Tumorverkleinerung), während der OP (größte Treffsicherheit) und danach (deutlich geringere Rückfallquote und Sterblichkeit). Aber auch hier gelte: Die Lebensqualität muss im Blick bleiben.

Der Chefarzt der Inneren Klinik und Ärztliche Direktor der Ev. Kliniken, Prof. Dr. Doberauer, erklärte den – oft auch Zytostatika ergänzenden – Einsatz von Antikörpern bei Tumoren mit Wachstumsrezeptoren bzw. von „small molecules“, sehr kleinen Teilen, die in die Tumorzelle eindringen und von innen wirken sowie der Anti-Hormontherapie, die bei einigen Tumoren Jahre nach der Zytostatika-Therapie fortgesetzt wird, um Rückfälle zu verhindern. Seine gute Nachricht: Es gibt eine neue, bei Brustkrebs wirksame Zytostatika-Substanz.

VFragen zum Mammografie-Screening

Eigentlich war das Forum längst ausgebucht, angesichts der widrigen Straßenverhältnisse blieben dennoch einzelne Plätze frei. Vor allem Fragen zum Mammografie-Screening bewegten die Besucher. Das allerdings wird in festgelegten Praxen durchgeführt und auch eine „normale“ Mammografie darf die Klinik nicht als Kassenleistung anbieten. „Aber die niedergelassenen Radiologen sind gut“, versicherte Dr. Abdallah Abdallah. Eine durch einen Screening-Befund verunsicherte Besucherin allerdings lud er zur Untersuchung, da Mammografien allein keine 100-prozentige Aussagekraft besäßen.

Dr. Abdallah bietet auch regelmäßig Fortbildungen für niedergelassene Gynäkologen zum Thema Brustkrebs an, was sehr gut angenommen werde.

Fragen gab es aus dem Publikum auch zu Dauer und Alternativen bei der Anti-Hormontherapie – eine Frage allerdings, die nur individuell beantwortet werden kann, weil sie im Detail unter anderem vom Krankheitsverlauf und dem Tumortyp abhängt.

Bei Klagen über nicht mehr verschriebene Original-Medikamente konnte Prof. Dr. Claus Doberauer die Zuhörer jedoch beruhigen: Auch die günstigeren Nachfolgepräparate, die Originale mit abgelaufenem Patentschutz ersetzen, wirken ebenso gut. Vorausgesetzt natürlich, Wirkstoff und Zusammensetzung sind identisch.

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Tendenz steigend
Tendenz steigend

Die Zahl der Brustkrebserkrankungen steigt. 1989 erkrankte jede 13. bis 14. Frau daran, derzeit trifft es fast jede achte Frau im Laufe ihres Lebens.

Ein Promille der Männer erkranken ebenfalls an Brustkrebs. Für sie ist es besonders schwer, die Krankheit zu erkennen.

Termine am Brustzentrum unter 160-3111.

 

Sibylle Raudies



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