Therapie mit Elektroschock
20.02.2010 | 10:00 Uhr 2010-02-20T10:00:00+0100Gelsenkirchen. Elektrokrampftherapie, kurz EKT. Die Einen halten sie für die ultimative Lösung gegen Depression, die Anderen für reinste Folter. „Weder das Eine, noch das Andere stimmt“, sagt Dr. Heiko Ullrich, Oberarzt in der psychatrischen Klinik der evangelischen Kliniken. Die Methode zur Behandlung von Depressionen ist seit vielen Jahren sehr umstritten und nur wenig anerkannt. Denn schon der Name allein klingt im ersten Moment wenig gesund: elektrische Schocks, die Krämpfe auslösen. Wie hilft sowas?
Die EKT- Arbeitsgruppe in den evangelischen Kliniken traf sich zu einem Workshop. Umgang und Weiterentwicklung dieser Behandlungsmethode waren das Thema, das renommierte Ärzte aus Deutschland, Ungarn und Österreich diskutierten.
Sie müssen jedoch nicht nur die Forschung mit ihren Ideen vorantreiben, sondern auch gegen Vorurteile in den Köpfen der Menschen kämpfen. Noch immer existiert die Vorstellungen, dass wenn ein Mensch an Strom angeschlossen wird, er heftig zuckt und am Ende Schmerzen leidet bzw. völlig willenlos ist.
Doch die Methode ist längst ausgereifter. „Der Patient bekommt ein Narkose- und ein muskelentspannendes Mittel gespritzt. Der Stromstoß dauert 300 Millisekunden, der dadurch erzeugte Krampf eine halbe Minute. Danach erwacht der Patient langsam aus der Narkose“, erläutert Ullrich.
Theo Wolf (65) ist einer von Ullrichs Patienten. Er lässt sich seit über drei Jahren mit EKT behandeln. „Seit 1990 leide ich an schwerer Depression“, sagt Wolf, „ich habe sie lange mit Medikamenten behandelt, doch die halfen irgendwann nicht mehr. Dann wurde mir diese Methode vorgeschlagen und seitdem geht es mir besser.“ Zweimal hat sich Wolf schon stationär behandeln lassen und setzt die Behandlung fort. Er habe nur noch ab und an sporadische Depressionsschübe, könne sogar wieder arbeiten. Das war lange nicht möglich.
Doch auch wenn Wolf ein positives Beispiel ist, mahnt Ullrich vor extremen Standpunkten: „Natürlich gibt es auch Nebenwirkungen“, sagt er. „Es kann zu Gedächtnisstörungen und Kopfschmerzen kommen.“
0mitdiskutieren