Tauschzelle lädt zum Geben und Nehmen ein

Die Gelsenkirchener pottfiction-Gruppe weihte im Tossehof eine Tauschzelle ein.
Die Gelsenkirchener pottfiction-Gruppe weihte im Tossehof eine Tauschzelle ein.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Jugendliche des Theaterprojektes Pottfiction zimmerten eine Geschenkebude für den Tossehof.

Gelsenkirchen.. Eigentlich wollte Sigrid Schleucher das gar nicht glauben. Dass man sich ganz umsonst etwas mitnehmen darf: „Nachbarn hatten mir erzählt, dass da ein Kasten steht, aus dem man sich einfach bedienen kann“, erzählt die 75-jährige Anwohnerin des Tossehofes in Bulmke-Hüllen. Und staunte gestern Nachmittag nicht schlecht: „Das stimmt ja wirklich, toll!“

Direkt vor dem Quartiersladen am Ravenbusch 2 nämlich steht eine leuchtend weiße, hölzerne Box in der Größe einer Telefonzelle, die dazu einlädt: „Alles für alle!“ Jeder kann zugreifen und einem der vier Fächer das entnehmen, was er gebrauchen kann. Oder er öffnet eine der gläsernen Klappen und legt etwas hinein in die Box, was er nicht mehr benötigt, was aber noch völlig in Ordnung ist. Eine Mülldeponie ist die Box natürlich nicht.

Das Konzept der Give-Box, eine Art Geschenkebude, entstand einst in Berlin, wurde inzwischen in vielen anderen Städten kopiert. Jetzt gibt es die erste Give-Box auch in Gelsenkirchen und lädt jeden ein zum Nehmen und Geben.

15 Jugendliche haben die Idee realisiert

„Eine Tauschzelle für den Tossehof“: Diese Idee realisierten rund 15 Gelsenkirchener Jugendliche, die an einem Workshop des ruhrgebietsweiten Jugendtheaterprojektes Pottfiction im Consol Theater teilnahmen. Thema des diesjährigen Projektes, das seit dem Kulturhauptstadtjahr 2010 von sechs Jugendtheatern im Ruhrgebiet und den Urbanen Künsten Ruhr mit Unterstützung des Landes NRW getragen wird, war Konsum und Wirtschaft. Zusammen mit der Theaterpädagogin Ludmilla Ebert und einem Essener Schreiner zimmerten die Jugendlichen die Tauschzelle zusammen, strichen sie hübsch bunt an und stellten sie vor wenigen Tagen endgültig im Tossehof auf.

Ein paar Buchspenden kamen hinein, ab dann lief das Projekt förmlich von selbst. Projektteilnehmerin Astrid Meier (25) freut sich über den Erfolg: „Ich habe zwei Stofftiere und einen Dino hineingelegt, alles ist schon weg.“ Dafür brachte die Menschen viele Bücher, ein paar Jacken, einen Schal.

Rund um die Uhr geöffnet

Die Tauschzelle ist rund um die Uhr geöffnet. Einer wirft täglich ein wachsames Auge auf sie: Quartiersmanager Detlev Czackowski. „Von Vandalismus gibt’s bislang keine Spur, die Menschen gehen sehr pfleglich mit der Box um.“ Vor allem Bücher seien der Renner beim Tauschgeschäft.

Sigrid Schleucher übrigens fand auf Anhieb was Passendes für sich. Sie legt den Roman „Sommerträume“ von Nora Roberts in ihr Fahrradkörbchen: „Und zu Hause gucke ich, welches Buch ich hier hinein legen kann.“