Tatort in Gelsenkirchen sichern und Spuren suchen

Kriminalhauptkommissar Gerhard Borowski (55, inzwischen Leiter des KK 22) erläutert in seinem Dienstzimmer am Wildenbruchplatz die Arbeit der Kriminalwache.
Kriminalhauptkommissar Gerhard Borowski (55, inzwischen Leiter des KK 22) erläutert in seinem Dienstzimmer am Wildenbruchplatz die Arbeit der Kriminalwache.
Foto: Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Männer der Kriminalwache müssen auch nachts hellwach sein. Einbrecher konnten nach zweistündiger Flucht gefasst werden. Verstärkung durch Kollegen.

Gelsenkirchen.. Im dritten Teil unserer Serie geht es um die Kriminalwache. In Gelsenkirchen ist diese wichtige Einheit an der Wildenbruchstraße beheimatet. Die Kriminalwache übernimmt außerhalb der Bürozeiten alles, was zum Zuständigkeitsbereich der Kriminalpolizei gehört. Alle Einsätze, die nach 14.30 und bis 7.30 Uhr hier anfallen, gehen über den Schreibtisch der Teams von Kriminalhauptkommissar Gerhard Borowski. Der 55-Jährige leitet die Kriminalwache.

„Wir bilden die gesamte Palette der kriminalpolizeilichen Arbeit ab“, erklärt Gerhard Borowski. Das Spektrum reicht vom Einbruch bis zum Mord. Auch Vermisste, Umweltdelikte und Festnahmen gehören ebenso zum Alltag wie die Aussage vor Gericht. Oftmals sind die Beamten als Erste vor Ort, ihre Schilderungen und Erkenntnisse ergänzen die Aussagen von Zeugen und Beteiligten. Sie tragen so dazu bei, ein vollständigeres Bild vom Geschehen zu zeichnen. Auf die Tatortarbeit der Kriminalwache stützen sich die angeschlossenen Fachkommissariate, etwa der Erkennungsdienst, der im selben Haus angesiedelt ist.

„Der Tatort wird aufgenommen“

In unserem Fall sind die Beamten nach dem Notruf über 110 nach einem Wohnungseinbruch an den Einsatzort geeilt. Im Fachjargon heißt das: „Der Tatort wird aufgenommen“, erklärt Gerhard Borowski. Dies bedeutet unter anderem Tatortsicherung, Fahndung, Festnahme, Zeugensuche/-befragung, Spurensuche und Hausbefragungen. „Wir haben mit dem Anrufer gesprochen, den Tatort, also die Umgebung, nach Spuren abgesucht und gesichert, um uns ein Bild vom Ein- und Ausstieg zu machen, respektive eine genaue Vorstellung vom Verlauf des Einbruchs und der Flucht zu verschaffen.“, erklärt Borowski den Ablauf. „Zeugen wurden vernommen und auch eine detaillierte Wohnungsbeschreibung angefertigt, um festzuhalten, was tatsächlich passiert ist. Nur jetzt kann man einen unverfälschten Eindruck vom Tatort und den Geschehnissen dort bekommen. Andernfalls könnten Staatsanwaltschaft und Gericht sich in der späteren Verhandlung gar kein Bild von alldem machen. Auch für Versicherungen sei es beispielsweise wichtig, „denn es kommt auch immer mal wieder vor, dass Dinge als gestohlen gemeldet werden, die gar nicht weg sind.“

Natürlich wurde auch umgehend dafür gesorgt, dass in der so genannten „Nacheile“ ein Tatverdächtiger verfolgt und festgenommen wurde. Günstig in dem Fall: Schuhabdrücke im Schnee.

Lücken für Fliehenden wurden immer kleiner

Vor Ort sah das dann so aus: Nach Befragungen von Passanten und Spurensuche im frischen Schnee hatten die Beamten eine Fährte. Die Flucht des ersten Täters endete bereits nach 500 Metern. Bei dem zweiten dehnte sich die Verfolgung bis zum Emscherbruch, zur Mülldeponie, aus. Aufgrund der Nähe zu den Stadtgrenzen wurde auch die Polizei in Recklinghausen und Bochum hinzugezogen. Ein zusätzlich angeforderter Hubschrauber für das recht unübersichtliche Areal dort vor Ort erweiterte den Suchkreis der Polizei. Im Gegenzug wurden die Lücken, durch die der Täter vielleicht noch hätte schlüpfen und entwischen können, immer kleiner.

Täter Nummer zwei (männlich, 23 Jahre) konnte schließlich nach über zwei Stunden Flucht und über mehrere Kilometer Strecke in Resse beim Versuch, klammheimlich die Autobahn 2 zu überqueren, gestellt und gefasst werden.

Überstunden gehören für Polizeibeamte zum Alltag

Wenn Einbruchswerkzeug sichergestellt wird, läuft später auch noch ein Abgleich über eine landesweite Datenbank, um mögliche Verbindungen zu anderen Straftaten zu prüfen und festzustellen. Die Werkzeuge werden sichergestellt und an den Erkennungsdienst weitergeleitet, der diese Arbeit übernimmt. Selbstverständlich wird auch die Staatsanwaltschaft informiert. Die entscheidet darüber, ob ein Festgenommener in Untersuchungshaft kommt – etwa wenn Wiederholungs- und Fluchtgefahr besteht oder das Risiko zu hoch ist, dass er eventuell Zeugen beeinflussen könnte.

Im Nachgang ist dann noch jede Menge an Schreibarbeit zu erledigen, denn jeder Fall wird aktenkundig. Dies bedeutet im Schnitt: zwischen sieben und zehn Seiten für die Anzeige, die Zeugenaussagen, die Einlassungen des mutmaßlichen Täters (wenn er denn was sagt), den Bericht der Spurensicherung, und so fort. Ziel sei es schließlich, den Zusammenhang zwischen Täter und Tatort unzweifelhaft herzustellen, die Tat also lückenlos nachzuweisen. „Überstunden fallen da genug an“, schildert Gerhard Borowski den Alltag.

Neun Polizeibeamte zählen in der Kriminalwache zum Stammpersonal. In drei Schichten (Touren) arbeiten jeweils drei Beamte zusammen, im überlappenden Dienst zwischen 16 und 22.30 Uhr sind es vier Kräfte, verantwortlich für ganz Gelsenkirchen. „Man fragt sich da manchmal schon, wie man das alles schafft“, stellt der Leiter nüchtern fest. In seinen 22 Dienstjahren im Kriminalkommissariat elf hat er sicher 1500 Leichen gesehen. Mehrere Einbrüche und vielleicht noch ein Sexualdelikt bildeten hier eher die Regel als die Ausnahme. „Dennoch ist unsere Kriminalwache mit ihrem Personal noch vergleichsweise gut aufgestellt“, meint Borowski. „Die Kollegen arbeiten professionell und schauen eben nicht auf die Uhr. Gegangen wird erst, wenn alles so weit fertig ist, die Fachkommissariate müssen dann weiter daran arbeiten.“ Er sagt das wertfrei. Obwohl man daraus schließen kann, dass mehr „Man-Power“ förderlich für eine erfolgreiche Polizeiarbeit, sprich Aufklärungsquote, wäre.