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Talenten in Gelsenkirchen fehlt es oft nur an Mut

10.11.2015 | 07:00 Uhr
Talenten in Gelsenkirchen fehlt es oft nur an Mut
Den ersten Kooperationsvertrag zwischen der Westfälischen Hochschule und der Gesamtschule Berger Feld unterzeichneten am Montag der Leiter des Talentscouting an der Westfälischen Hochschule, Suat Yilmaz (links sitzend) und der kommissarische Leiter der Gesamtschule Berger Feld, Jochen Herrmann. Laura da Silva Carvalho (links) wird die Gesamtschule fortan regelmäßig besuchen. Der Koordinator der Berufs-und Studienorientierung Carsten Bongers, Oberstufenkoordinatorin Angela Wendt-Taschbach und die Schülerinnen Elena-Marie Hartel (l.) und Valentina Blakaj.Foto: Thomas Schmidtke

Gelsenkirchen.   Talente gibt es in Gelsenkirchen genauso viele wie anderswo. Die Gesamtschule Berger Feld und die Talentscouts der Westfälischen Hochschule wollen sie unterstützen.

Formal festgezurrt haben die Westfälische Hochschule und die Gesamtschule Berger Feld am Montag ihre Zusammenarbeit. Dabei sind die Talentsucher der WH gerade an der Gesamtschule Berger Feld bereits seit zwei Jahren aktiv. 25 Jungen und Mädchen wurden in dem Rahmen bereits betreut. Jetzt, wo aus dem Einzelkämpfer als Talent-Scout, Suat Yilmaz, ein vom Land unterstütztes Talentförderungsprogramm mit sieben Partner-Hochschulen und 17 Mitarbeitern geworden ist, wurde die Kooperation vertraglich fixiert und ausgebaut. Talentscout Laura da Silva Carvalho ist fortan alle drei Wochen vor Ort in der Schule, um Talente zu betreuen.

Bei dem Programm geht es nicht darum, jene mit den besten Noten zu fördern, sondern Talente im Verborgenen zu entdecken und fördern. Heranwachsenden, denen es eher an Selbstbewusstsein, Mut und vielleicht auch Unterstützung von daheim mangelt denn an Talent. „Ein Studium kommt jungen Menschen, in deren Familie noch nie jemand studiert hat, oft gar nicht in den Sinn. Das hat auch mit Emotionen, Angst vor dem Unbekannten zu tun, das dort auf einen zukommt“, erklärt Suat Yilmaz.

Als Gasthörer die Angst vor der Uni verlieren

„Emotionale Information statt Broschüren“, darauf schwört Yilmaz. Deshalb vermittele man Schülern auch die Möglichkeit, vor der Entscheidung für ein Studium als Gasthörer an Universitäten reinzuhören. Wie bei Elena-Marie Hartl, die „etwas mit Sport“ machen will, vor Hörsälen mit hunderten Studenten aber enormen Respekt hat. Sie erfährt nun, wie Sportwissenschaften aufgebaut sind, welche Möglichkeiten es gibt: und kann am eigenen Leib erfahren, wie es an einer Uni zugeht, was für sie besonders wichtig ist. Es gilt, die Hemmschwelle zu überwinden. Da ist sie keine Ausnahme.

Aus Steuermitteln finanzierte Stipendien auch für Kinder hier nutzen

Auch zu finanzieller Unterstützung durch ein Stipendium oder über Bafög gibt es Hilfestellung. „Nicht selten raten Eltern, die Arbeitslosengeld 2 beziehen, ihren Kindern davon ab, mit Hilfe von Bafög ihr Studium zu finanzieren, weil sie die Verschuldung fürchten. In solchen Fällen beraten und unterstützen wir.“, erklärt Yilmaz. Zumal gar nicht einsehbar sei, dass die aus Steuermitteln finanzierten Deutschland-Stipendien nur in andere Regionen fließen, weil im Ruhrgebiet zu wenige Schüler und Studenten dafür vorgeschlagen würden. Obwohl es auch hier Talente genug gebe, lediglich das Selbstbewusstsein sei oft unterentwickelt.

Lokales
Der erste Vertrag in Gelsenkirchen

In Gelsenkirchen ist die Gesamtschule Berger Feld die erste Schule, mit der die Talentförderer die Zusammenarbeit vertraglich geregelt haben. Revierweit ist sie die fünfte Schule mit Kooperationsvertrag.

Mit 17 weiteren Schulen sind revierweit Verträge vorbereitet, fünf weitere sind angepeilt. Vor Ort sind die Talentförderer „informell“ bereits an der Gesamtschule Horst und dem Berufskolleg Technik und Gestaltung aktiv.

Der kommissarische Leiter der Gesamtschule Berger Feld , Jochen Herrmann, ergänzt: „Es geht aber nicht darum, den Schülern alles abzunehmen. Wir informieren, geben Anstöße. Aber auch die Selbstständigkeit wird gefördert. Handeln müssen sie selbst.“ Bis zu acht Jahre werden die Talente begleitet: drei Jahre an der Schule, fünf an der Hochschule. Es geht nicht nur um den Übergang, sondern auch um den guten Start und das Durchhalten.

Sibylle Raudies

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2015-11-10 07:00
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