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Tagung „Gib mir ein bisschen Tod“ bricht Tabus

15.11.2015 | 18:53 Uhr
Tagung „Gib mir ein bisschen Tod“ bricht Tabus
„Verleih deiner Trauer Flügel“ hieß einer der Workshops bei der Tagung zum Thema Sterben, Tod und Trauer.Foto: Martin Möller

Gelsenkirchen.   Jeder trauert anders und Trauerkultur verändert sich. Zwei von vielen Erkenntnisse bei der Tagung zum Thema Sterben und Trauern im Bildungszentrum in Gelsenkirchen.

Die Tagung „Gib mir ein bisschen Tod“ im Bildungszentrum Gelsenkirchen hat gezeigt, dass ein gesellschaftliches Tabu aufzubrechen beginnt: Viele Menschen wollen über Tod und Trauer sprechen, über die Begleitung von Sterbenden und Trauernden. Sie machen sich Gedanken über ihre eigene Beisetzung, wollen sie planen und Informationen darüber, was machbar ist.

Persönlich, emotional, fachlich -sachlich und auch humorvoll

Es war ein buntes Spektrum des Lebens, zu dem der Tod immer mit dazugehört. Schriftsteller haben das erkannt, wie die Gruppe „Die Bucheckern“ deutlich vermittelte: Die Lesung von Mitgliedern des Consol Theaters zeigte, wie niederschmetternd schwer, aber auch komisch und spannend Autoren wie Rainer Maria Rilke, Robert Gernhardt, Johann Wolfgang von Goethe, Heinrich Heine und Wilhelm Busch den Tod betrachten.

Die Workshops und Podiumsgespräche waren einerseits sehr persönlich und höchst emotional, anderseits auch fachlich-sachlich und zugleich humorvoll.

Jeder Mensch trauert anders – und das verdienst Respekt

Auch im Gesprächskreis „Männer trauern anders“ saßen vorwiegend Frauen. Foto: Martin Möller

Beispiele: Es wurde in dem (am besten besuchten) Workshop „Trauern Männer anders?“ viel gelacht. Schon zu Beginn, weil es neben dem Leiter unter 15 Frauen nur noch einen einzigen „Quotenmann“ gab.

Zugleich war es bewegend, denn alle Teilnehmer hatten bereits Erfahrungen mit dem Verlust geliebter Menschen. Unter den Frauen berichteten einige, dass ihre Söhne – obwohl doch gar nicht im Sinne von „Jungs weinen nicht“ erzogen – doch anders nach dem Tod des Vaters zu trauern scheinen, nichts aus sich raus ließen.

Kritik am früher unwürdigen Umgang mit Sterbenden

Eine Ausstellung zeigte bei der Tagung Bilder von Sterben und Tod. Hier die Arbeit "Schweizer Sterbehilfe" von Daniela Westphal. Foto: Martin Möller

Nach zwei Stunden Gruppensitzung gab es einen Konsens: Jeder Mensch trauert anders, und das verdient Respekt. Es gibt Männer, die weinen, und Frauen, die sich von Trauer nicht lähmen lassen: „Ich bin stark, weil ich es sein muss.“

Ein Arzt kritisierte auf dem Podium mit deutlichen Worten, wie klinisch-unwürdig früher Sterbende behandelt wurden: „Manche Menschen wurden einfach ins Bad geschoben, sie blieben beim Sterben sich selbst überlassen.“

Teilnehmer wünschen sich Fortsetzung der Veranstaltung

Heute dagegen gibt es mehr Verständnis und auch segensreiche Einrichtungen wie Hospize und Palliativstationen, deren Zahl wächst. Es gibt die klassische kirchliche oder auch nicht religionsfreie Beisetzung, auf jeden Fall eine Bestattungs- und Erinnerungskultur, die sich entwickelt.

Auch das passte: Martina Mail vom Generationennetz Gelsenkirchen, Moderatorin der zweitägigen Tagung, bat die Versammlung am Samstag vor Beginn der letzten Podiumsdiskussion um eine Schweigeminute für die Opfer des Terroranschlags in Paris. Dem wurde entsprochen.

Viele Teilnehmer wünschten sich eine Fortsetzung der Tagung über Tod und Trauer, die von Evangelischem Kirchenkreis, VHS, Generationennetz Gelsenkirchen. und Friedhofsgärtner Gelsenkirchen durchgeführt wurde.

Kerstin Halstenbach

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Tagung „Gib mir ein bisschen Tod“ bricht Tabus
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2015-11-15 18:53
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