„Tag der interreligiösen Begegnung“ in Gelsenkirchen

Mit den drei Glaubensrichtungen Christentum, Judentum und Islam beschäftigen sich die Schüler des 10. Jahrgangs an der Lessing Realschule in Gelsenkirchen am „Tag der interreligiösen Begegnung“.
Mit den drei Glaubensrichtungen Christentum, Judentum und Islam beschäftigen sich die Schüler des 10. Jahrgangs an der Lessing Realschule in Gelsenkirchen am „Tag der interreligiösen Begegnung“.
Foto: WAZ
Was wir bereits wissen
Die Schüler des 10. Jahrgangs der Lessing-Realschule in Gelsenkirchen beschäftigten sich mit dem Judentum, dem Islam und dem Christentum.

Gelsenkirchen.. „Man beginnt bei den Händen“, erklärt Kaan (16) seinen Mitschülern und reibt seine Hände in geübter Manier. Gebannt sehen sie ihm zu, während er demonstriert, wie die rituelle Waschung vor dem Gebet in der Moschee aussieht. Schritt für Schritt geht er mit ihnen durch das Ritual, beantwortet Fragen und wiederholt seine Bewegungen bei Bedarf. Bevor er die verschiedenen Gebetshaltungen vormacht, zückt er sein Handy: „Um zu sehen, ob der Gebetsteppich auch in die richtige Richtung zeigt.“

Es ist der Tag der interreligiösen Begegnung an der Lessing Realschule, bei denen sich die Schüler der zehnten Klasse einen Tag lang mit drei Weltreligionen beschäftigen. In Gruppen aufgeteilt erkunden sie die Welten des Christentums, Judentums und Islam, am Ende des Tages stellen die Gruppen ihr Wissen den anderen vor und diskutieren miteinander.

60 Prozent Migrationshintergrund

„Wir haben einen sehr hohen Anteil, nämlich 60 Prozent, von Schülern mit Migrationshintergrund“, erklärt Eva Wawro, Projektkoordinatorin und Lehrerin für Religion und Philosophie an der Lessing Realschule. „Wir haben festgestellt, dass wir zwar zusammenleben, aber nicht viel übereinander wissen. Das wollten wir ändern.“

So studieren die Schüler an diesem Tag die heiligen Schriften, Fest- und Feiertage, religiöse Räume und die Religionsstifter. „Es geht darum, miteinander ins Gespräch zu kommen, Wissen über, sowie Toleranz und Respekt vor der jeweils anderen Religion zu vermitteln“, betont Wawro. Das bestätigt auch Halil Aytuna von der Moscheegemeinde Horst: „Die jungen Menschen sollen den friedlichen, brüderlichen und schwesterlichen Umgang lernen, damit wir füreinander, statt nur miteinander, leben.“

Tag findet Anklang bei Jugendlichen

Den Jugendlichen gefällt der Tag sehr gut: „Ich finde das Judentum sehr interessant und war über die vielen Gemeinsamkeiten mit dem Islam erstaunt“, berichtet der 15-jährige Kürhan. Seine Klassenkameradin Defne (15) ist in der Gruppe, die sich mit dem Christentum beschäftigt: „Überraschungen habe ich bisher keine erlebt. Aber ich erfahre viel, was ich vorher nicht wusste und bin schon auf die Ergebnisse der anderen Gruppen gespannt.“

„Wenn wir es schaffen, würden wir dieses Projekt gerne noch einmal mit allen Jahrgangsstufen machen“, begeistert sich Werner Göbelsmann im interkulturellen Arbeitskreis, der bei der Koordinierung half. „Man müsste das auch mit Erwachsenen machen. Solche Aktionen sind die wichtigsten Instrumente, die wir haben, um friedlich miteinander zu leben“, ist sich Göbelsmann sicher.