Tänzer spüren dem Leben einer Malerin nach

Gemeinsame Arbeit am Regiepult im Musiktheater:  Komponistin Michelle Dibucci (l.),  der musikalische Leiter Valtteri Rauhalami und Ballettchefin Bridget Breiner.
Gemeinsame Arbeit am Regiepult im Musiktheater: Komponistin Michelle Dibucci (l.), der musikalische Leiter Valtteri Rauhalami und Ballettchefin Bridget Breiner.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Das außergewöhnliche Ballett „Charlotte Salomon. Der Tod und die Malerin“ feiert am 14. Februar Uraufführung am Musiktheater im Revier.

Gelsenkirchen.. Die Drähte zwischen Gelsenkirchen und New York, zwischen Musiktheater im Revier und der Yuillard School, glühten lange heiß. Seit wenigen Tagen aber ist Michelle DiBucci, US-amerikanische Komponistin und Dozentin an einer der berühmtesten Musikhochschulen der Welt, persönlich zu Gast im Revier, um die Uraufführung des Balletts „Charlotte Salomon. Der Tod und die Malerin“ zu begleiten.

Das Ballett im Revier tanzt nach der Musik von DiBucci, wenn „Charlotte Salomon“ am Samstag, 14. Februar, im Großen Haus erstmals über die Bühne gehen wird. Eine Komposition, die sich mit sehr emotionalen Klängen im Stile der neuen amerikanischen Musik, mit Zitaten aus der Klassik und Text- und Geräuscheinspielungen auf die Spur der jüdischen Künstlerin Charlotte Salomon setzen wird.

Wege hinein ins Innere der Seele

Das Ballett im Revier wird in einem theatralischen Gesamtkunstwerk aus Tanz, Musik, Gesang und Videoprojektionen dem Leben Charlotte Salomons nachspüren, die 1917 in Berlin geboren und 1943 im Konzentrationslager Auschwitz ermordet wurde. „Wir werden nicht einfach die Biografie dieser Frau nacherzählen“, beschreibt Ballettdirektorin Bridget Breiner ihren choreografischen Ansatz, „sondern wir werden eintauchen in ihre Bilderwelt.“

Basis dafür ist der Zyklus „Theater? Oder Leben?“, den Charlotte Salomon von 1941 bis 1942 wie in einem gewaltigen Arbeitsrausch malte und niederschrieb. Der Band enthält allein 769 Bilder. „Heben Sie das gut auf, es ist mein ganzes Leben.“ Mit diesen Worten übergab die deutsch-jüdischen Malerin kurz vor ihrer Deportation ihre Autobiografie einem französischen Arzt.

Ein Weg auch ins Seeleninnere der Künstlerin

Bühnenbildner Jürgen Kirner lässt das Publikum gemeinsam mit Charlotte Salomon in die Malerei eintauchen. Ein kleiner Steg wird auf die Bühne führen, die wie ein gigantischer Bilderrahmen auf einer Staffelei wirkt. Ein Weg auch ins Seeleninnere der Künstlerin.

[kein Linktext vorhanden] Videoprojektionen werden die Werke auf der Bühne sichtbar machen. Breiner setzt mit ihrer Compagnie die Emotionen, Ängste, Sehnsüchte und Hoffnungen einer jungen Frau in tänzerische Bewegung um. Unter der Leitung von Valtteri Rauhalammi musiziert ein 15-köpfiges Kammerorchester der Neuen Philharmonie Westfalen, dazu zeichnen sechs Opernsänger mit ihren Stimmen dem Lebenskosmos und tragischem Schicksal der Figur nach.

Charlotte Salomon wird von Kusha Alexi verkörpert, die als Gast ans Haus zurückkehrt. Den allgegenwärtigen Tod tanzt der Brite Jonathan Ollivier.

Dem drohenden Nervenzusammenbruch entgegen gemalt

Wenn sich ein Ballett mit dem Werk einer Malerin auseinandersetzt, deren Bilder kaum jemand kennt, dann ist es nahezu unerlässlich, dass der Zuschauer auch einen Einblick in diese üppige Malerei bekommt. „Und zwar möglichst im Original“, fand Ballettchefin Bridget Breiner.

In Zusammenarbeit mit dem Kunstmuseum Bochum gelang es ihr, passend zur Uraufführung der Ballett-Produktion nahezu 250 Originalzeichnungen und Gouachen von Charlotte Salomon ausstellen zu können. Charlotte Salomon setzte sich, um einem drohenden Nervenzusammenbruch zu entgehen, malend mit der eigenen Geschichte auseinander. Innerhalb weniger Monate entstanden so über 800 Gouachen, gemalt mit Aquarell- und Ölfarben und Kreiden. Dabei verwandte sie filmische und comicartige Elemente und fügte Musiktitel als Begleitmelodien hinzu.

Die Ausstellung entstand in Kooperation mit dem Jüdischen Historischen Museum in Amsterdam, wo sich das komplette Werk Charlote Salomons befindet. Die Ausstellung im Kunstmuseum Bochum, Kortumstraße 147, wird am 28. Februar um 17 Uhr eröffnet. Das Gelsenkirchener Ballett tanzt im Museum Ausschnitte aus seiner Produktion. Im Musiktheater selbst ist im oberen Foyer eine digitale Ausstellung zu sehen.