Streit um Stolpersteine in Gelsenkirchen
27.05.2010 | 15:49 Uhr 2010-05-27T15:49:00+0200
Gelsenkirchen. Um das Projekt Stolpersteine zur Erinnerung an die NS-Zeit ist in Gelsenkirchen eine Auseinandersetzung entbrannt. Organisator Andreas Jordan wird vorgeworfen, er habe alles „an sich gerissen“. Jordan wirft der Verwaltung mangelndes Engagement vor.
Am 22. Juni werden wieder an verschiedenen Stellen der Stadt Stolpersteine verlegt. Die Realisierung dieses Erinnerungsprojekts geht mittlerweile aber nicht ohne Auseinandersetzungen über die Bühne. Der Inhalt und die Botschaft dieses in ganz Deutschland präsenten und anerkannten Projekts des Künstlers Gunter Demnig – die Erinnerung an Opfer der Nazi-Diktatur – droht in Gelsenkirchen ein wenig in den Hintergrund zu geraten. Im Mittelpunkt steht dabei Andreas Jordan und der von ihm gegründete Verein Gelsenzentrum.
Der Horster und seine Frau Heike sehen sich von mehreren Seiten mit dem Vorwurf konfrontiert, das Projekt komplett an sich gerissen zu haben. Einer der Kritiker ist der frühere Kulturdezernent Peter Rose, der die erste Verlegung von Stolpersteinen mit einem Unterstützerkreis praktisch möglich gemacht hatte (siehe unten: „Vorgeschichte“).
„Ein moralischer Alleinvertretungsanspruch in Sachen Stolpersteine schadet der Sache“, sagt der frühere Kulturdezernent in Richtung Jordan. Er sehe bei diesem die Tendenz, andere ins Unrecht zu setzen. „Das bringt uns aber nicht weiter“, so Peter Rose zur WAZ.
Keine Hilfsbereitschaft
Rose spielt auch darauf an, dass Jordan der Stadt „mangelnde Unterstützung“ vorwirft. Anders „als 95 Prozent aller Städte mit Stolpersteinen“, so Jordans Kritik, sei Gelsenkirchen nicht bereit gewesen, bei der Verlegung am 22. Juni durch Aufnahme des Pflasters zu helfen.
Die Verwaltung weist die Vorwürfe zurück. Aus finanziellen und personellen Gründen könne das Verkehrsreferat nicht begleitend tätig werden. „Wir tun aber grundsätzlich unser Möglichstes, um dieses Projekt zu unterstützen“, betont Stadtsprecher Oliver Schäfer. So sei die Stadt bei der Suche nach geeigneten Verlegungsorten behilflich, beteilige sich regelmäßig durch detaillierte Recherchen des Instituts für Stadtgeschichte und stelle für Stolpersteine-Veranstaltungen Räume zur Verfügung.
Neben Rose üben auch andere frühere Unterstützer bzw. Fürsprecher wie Chajm Guski oder Heinz Niski - via Internet-Blog - Kritik an Jordan. Auch das Tischtuch zwischen dem Internet-Forum Gelsenkirchener Geschichten (GG) und dem einstmals sehr aktiven GGler Jordan ist zerschnitten. Wegen eines Streits um einen satirischen Beitrag eines Dritten hat sich Jordan von dem Internetforum (das eine nicht unwesentliche Rolle bei der Realisierung des Erinnerungsprojekts gespielt hat) verabschiedet. Was ihm den Vorwurf einbrachte, diesen Eklat provoziert und bewusst herbeigeführt zu haben.
„An den Haaren herbeigezogen“
Als „völlig an den Haaren herbeigezogen“ bezeichnet Andreas Jordan auf WAZ-Anfrage diesen und andere gegen ihn gerichteten Vorwürfe. Ihm gehe es allein um die Sache. Diese Botschaft sei ihm wichtig: „Wir werden das Projekt auch künftig gemeinsam mit Gunter Demnig realisieren.“
Am 22. Juni, wenn Gelsenzentrum die wegen des Frosts im Februar ausgefallene Verlegung von neun Stolpersteinen nachholt, wird anstelle Demnigs ein befreundeter Steinmetz die Arbeiten ausführen. Das sei mit Demnig, der am 22. Juni terminlich verhindert sei, so vereinbart worden, sagt Jordan. Bei weiteren Verlegungen werde dann wieder der Kölner Künstler in Gelsenkirchen zum Pflasterhammer greifen.
Die Vorgeschichte
Der Anstoß zur Verlegung von Stolpersteinen ist auf den persönlichen Einsatz von Andreas Jordan und seiner Frau Heike zurückzuführen. Doch wegen der öffentlichen Diskussion um die Vergangenheit Jordans (ihm wird vorgeworfen, früher Kontakte zur rechten Szene gehabt zu haben) drohte die Realisierung des Projekts Stolpersteine in Gelsenkirchen zunächst zu scheitern. Erst die Gründung eines Unterstützerkreises mit u.a. Ex-Kulturdezernent Peter Rose, Bernd Matzkowski (Grüne), Paul Erzkamp (Antifa/Falken) sowie Mitgliedern des Internetforums Gelsenkirchener Geschichten sorgte für den Durchbruch.
Dieser Kreis stellte sich demonstrativ hinter die Sache und trug damit dazu bei, dass Gunter Demnig im Juli 2009 nach umfassender Vorbereitung durch die Jordans bzw. Gelsenzentrum die ersten Steine verlegen konnte.
08:10
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14:59
Ich bin die Hofjüdin bei keinem. Ich schätze die Tätigkeit von Andreas, nicht mehr. Und möchte,dass ihn keiner stört.
Ich finde diesen Artikel nicht gut und sage das direkt und offen. Und die Hintergründe natürlich. Aber ich werde mich nicht damit beschäftigen und klären, wer beeinflusst wen.
Das Leben ist voll von wichtigen Dingen, ich habe keine Zeit und keine Interesse für solche Sachen und für den leeren Wortwechsel.
08:18
@Lena
Im Kern wirfst du der WAZ vor, dass sie KEINE Hofberichterstattung macht.
Im Kern wirfst du Peter Rose, Bernd Matzkowski, Paul Erzkamp, Chajm Guski und Marie Duqulerqc vor, dass sie Intriganten wären.
Im Kern sagst du dem Spender, der nach einer Quittung fragt, er müsse sich wohlgefällig verhalten, um diese zu bekommen.
Ich denke gerade darüber nach, ob du nicht der Hofjude von Andreas bist.
15:50
Von der WAZ finde ich das nicht gut, das Gerede zu verbreiten und eine gute Tat zu kompromittieren. Die Zeitung findet keinen Platz für wichtige Sachen, aber für so was – bitteschön.
Das Projekt läuft. Auch viele andere gute Taten machen die Jordans. Sie sind einzige hier in der Stadt, die z.B. mit alten in Gelsenkirchen geborenen Juden aus der ganzen Welt kommunizieren. Keine etablierte Struktur hier macht sowas. Das Projekt Stolpersteine läuft, und Menschen kontaktieren mit Andreas und Heike problemlos. Durch den jüdischen Verein KINOR kennen schon die Jordans und das Projekt Juden aus anderen Städten. Ein junger Steiner, KINOR- Mitglied, wird professionell bei der Verlegung am 22.06 helfen.
Auch mit dennBescheinigungen von Spenden finde ich persönlich keine Probleme – ich z. B. habe einen Stein spendiert und ohne jegliche Bürokratie die Spendenbescheinigung gekriegt. Wer keine Intrigen macht und einfach einen guten Willen hat, zu helfen oder einfach dabei zu sein, bei dem klappt es.
Ich und meine Kollegen unterstützen nach wie vor das Projekt – ganz leise, man braucht dafür keinen Alarm. Aber gibt es immer diejenigen, die nur durch die Intrigen sich öffentlich zeigen können. Das soll man verstehen und nicht reagieren. Der Mensch, der was positive und konstruktive macht, der was in die Bewegung bringt, ist immer eine Zielscheibe der Intriganten. Das kennen wir ja gut, leider.
Natürlich wäre es besser ohne Skandale, aber wenn doch, dann ist das – wir Russen nennen so was schwarze PR- Kampagne. Das Projekt bekommt mehr Aufmerksamkeit dadurch.
Elena Gubenko
Jüdischer Kulturverein KINOR
13:25
haltlos?
Auf was bezieht sich das? wenn ich mir die Artikel aus den Trackbacks (danke für den Tipp HG) durchlese sehe ich aber nix von haltlos. Bei den vielen Links und Verweisen dauert das eine ganze Weile. Da wird doch genau beschrieben wer wann was gemacht hat.
Bitte fasst doch mal kurz zusammen was da jetzt haltlos ist.
13:15
Wir sehen keinen Streit. Da gibt es nichts zu streiten. Da haben einige ihre persönliche Meinung geäußert und dazu haltlose Vorwürfe gemacht. Nicht mehr. Lasst sie zetern und fabulieren - je bekannter wird das Projekt STOLPERSTEINE in Gelsenkirchen.
Die STOLPERSTEINE des Kölner Künstlers Gunter Demnig sollen ganz still und persönlich vor Ort an die Millionen gedemütigten, gefolterten und ermordeten Juden, Sinti und Roma, Homosexuellen, Zeugen Jehovas, “Euthanasie”-Opfer, politisch Verfolgte und an viele andere von einem perversen Regime Verfolgten erinnern. Für die Fortführung des Projektes STOLPERSTEINE in Gelsenkirchen setzen wir uns ein.
Heike und Andreas Jordan
18:00
@Hermine Brückner
was könnte der Grund für diese Hetzkampagne sein?
14:28
Fragt sich eigentlich Niemand, warum gegen die Jordans diese Hetzkampange gestartet wurde und warum dauernd die Rede davon ist, das Projekt Stolpersteine Gelsenkirchen von einer anderen Gruppierung oder Organisation weiterführen zu lassen ?
Und um wen soll es sich bei diesen Gruppierungen und Organisationen handeln? Und wo waren die vorher? Warum haben die so genannten Unterstützer nicht viel früher reagiert und mit den Jordans eine Einigung gefunden ? Ich frage mich ernsthaft, was dieses plötzliche drauf los Prügeln auf die Jordans für einen Zweck haben soll ? Sie machen Ihre Arbeit gut und kommen mit dem Projekt Stolpersteine für Gelsenkirchen anscheinend gut alleine voran! Sie alle sollten sich was schämen ! Ohne die Jordans hätten wir nicht einen einzigen Stolperstein in unserer Stadt!
13:45
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13:45
@ MichailV: Schau mal bei den Trackbacks!