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Gedenktafeln

Stolpersteine mit Kopf und Herz

28.07.2011 | 09:00 Uhr
Stolpersteine mit Kopf und Herz
2009 verlegte der Kölner Künstler Gunter Demnig erstmals in Gelsenkirchen Gedenksteine zu Ehren jüdischer Opfer des Nationalsozialismus wie hier für Frieda und Simon Neudorf. Foto: Martin Möller

Gelsenkirchen.  Zur Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus verlegt der Künstler Gunter Demnig am 1. und 20. August 22 neue Stolpersteine in Gelsenkirchen.

Ein Stutzen. Was ist das auf dem Bürgersteig? Automatisch richtet sich der Blick nach unten zu den pflastersteingroßen Gedenktafeln . Sie sollen an Opfer des Nationalsozialismus erinnern, an Menschen jüdischer Herkunft, die in den Jahren des Dritten Reiches verfolgt, entrechtet, gedemütigt, in die Flucht getrieben und schlussendlich ermordet wurden.

Im Rahmen des Kunstprojekts „Stolpersteine “ des Kölner Bildhauers Gunter Demnig werden solche Stolpersteine vor den Häusern ins Pflaster der Gehwege eingelassen, in denen die Menschen einst gelebt haben. Die Steine sind mit einer Messingschicht überzogen, in die Name, Jahrgang, Verfolgungsschicksal und Todestag des Verstorbenen eingraviert wird.

Paten finanzieren "Stolpersteine"

„Über die Steine stolpert man aber natürlich nicht wirklich. Vielmehr sollen sie zum nachdenken anregen“, erklärt Andreas Jordan, der sich mit seiner Frau Heike Jordan und der Projektgruppe „Stolpersteine Gelsenkirchen“ seit 2005 ehrenamtlich für die Umsetzung und Realisierung des Stolperstein-Projekts in Gelsenkirchen einsetzt.

Finanziert werden die Stolpersteine über Patenschaften. „Jeder Stein braucht einen Paten. Um das Projekt fortzuführen ist also die Mithilfe vieler Menschen nötig“, sagt Andreas Jordan. Eine Patenschaft kostet 95 Euro und kann von jedem übernommen werden.

2009 wurden die ersten 19 Stolpersteine in Gelsenkirchen verlegt, 22 sollen jetzt dazukommen. Den Großteil - nämlich 18 Steine - wird der Künstler Gunter Demnig am Montag, 1. August, selbst verlegen. Am Samstag, 20. August, verlegt die Projektgruppe vier weitere Stolpersteine. „Der Schwerpunkt der Verlegung findet an der Bismarckstraße statt. Allein hier werden acht Steine in den Gehweg eingelassen“, sagt Andreas Jordan. Hierzu werden Oberbürgermeister Frank Baranowski und die Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde, Judith Neuwald-Tasbach, erwartet.

Projektgruppe recherchiert Verfolgungsschicksale

Unter anderem werden zwei Steine zu Ehren von Moritz und Toni Meyer verlegt. Das Paar zog im Jahr 1900 nach Gelsenkirchen und lebte hier an der Bismarckstraße 158. 1939 flohen sie in die Niederlande. Im Sommer 1942 begann aber auch dort die Deportation der Juden. Am 2. Februar 1943 wurden Moritz und Toni Meyer in das KZ Auschwitz deportiert und dort am 5. Februar 1943 in der Gaskammer ermordet.

Recherchiert werden diese Verfolgungsschicksale von der Projektgruppe. Ebenfalls an der Bismarckstraße lebte die Familie Hirschhorn, der insgesamt fünf Steine gewidmet werden. Schüler der Evangelischen Gesamtschule übernahmen eine Patenschaft für Käthe Hirschhorn, eine Tochter der Familie. Sie wurde zusammen mit ihrer Mutter und ihrer Schwester von der Sicherheitspolizei am 4. August 1944 in das KZ Stutthof bei Danzig eingeliefert. Dort verlieren sich die Spuren. „Für die Schüler ist es eine besondere Aufgabe, sich mit dem tragischen Schicksal des jungen Mädchens Käthe auseinanderzusetzen, die bei ihrer Deportation doch im selben Alter war“, so Andreas Jordan.

Deborah Vogtmann

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Kommentare
28.07.2011
11:03
Stolpersteine mit Kopf und Herz
von MichailV | #2

Ist die jüdische Gemeinde jetzt offiziell eingebunden? Das wundert mich.

28.07.2011
10:39
Stolpersteine mit Kopf und Herz
von Heike.Jordan | #1

Ablaufplanung für die Stolperstein-Verlegungen am 1. August 2011

Alle nachfolgend genannten Zeitangaben sind Richtwerte, planen Sie bitte Abweichungen von ca. /- 15 Minuten ein.

Gunter Demnig, der am 1. August zunächst in Tönisvorst Stolpersteine verlegt, wird um 14 Uhr an der Küppersbuschstrasse 25 den Stolperstein für Oskar Behrendt verlegen. Alexander Behrendt verliest das Verfolgungsschicksal des Widerständlers, Bärbel Beuermann (MdL) wird an die Verfolgung im NS-Staat erinnern. An der Schwanenstrasse 6 erinnert Paul Humann um 14:15 Uhr an Erich Lange. Der Widerständler Erich Lange wurde von den Nazis 1933 auf offener Strasse erschossen.Am Rundhöfchen, dem Ort des Mordes, wird um 14:30 Uhr Lothar Wickermann bei der Verlegung des zweiten Stolpersteins für Erich Lange an die zeithistorischen Hintergründe der Bluttat erinnern. Das Ehepaar Wollenberg wohnte an der Von-der-Recke-Strasse 4, hier wird Ludwig Baum um 14:45 Uhr an das Verfolgungsschicksal der Eheleute erinnern, die im Ghetto Warschau starben. Der Kaufmann Isidor Kahn wohnte Im Lörenkamp 2, bevor er in das Ghetto Riga deportiert wurde. Im Lörenkamp 2 wird der Stolperstein um 15:00 Uhr verlegt. An diesen beiden Verlegeorten wird der Vorbeter der
jüdischen Gemeinde Gelsenkirchen das Totengebet El Male Rachamim für die sechs Millionen jüdischen Opfer des Holocaust beten.

Gegen 15:15 Uhr spricht Karlheinz Rabas an der Liebfrauenstrasse 38 über das Verfolgungs-schicksal von Fritz Rahkob, hier wird der Stolperstein für den Widerständler Rahkob verlegt.

Für den als Zeugen Jehovas verfolgten und ermordeten Friederich Poburski wird um 15:30 Uhr ein Stolperstein an der Vandalenstrasse 14, für Peter Heinen, ebenfalls als Zeuge Jehovas ermordet, um 15:45 Uhr an der Neuhüller Strasse 27 verlegt. An beiden Verlegeorten wird Dr. Michael Krenzer an das Schicksal dieser Männer erinnern. An Paul Kusz, der wegen Fahnenflucht von den Nazis enthauptet wurde, wird der Stolperstein, der gegen 16:00 Uhr an der Hohenzollernstrasse 272 verlegt wird, erinnern.

Ihren Abschluss finden die Stolperstein-Verlegungen an diesem Tag um ca. 16:15 Uhr an der Bismarckstrasse 152, wo Demnig 8 Stolpersteine für NS-Opfer jüdischer Herkunft verlegen wird. Hier werden Oberbürgermeister Frank Baranowski, der die Anwesenden begrüßen wird und auch die Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Gelsenkirchen, Judith Neuwald-Tasbach, erwartet. Der Gelsenkirchener Jazz- und Klezmer-Musiker Norbert Labatzki setzt bei der Verlegung an der Bismarckstrasse musikalische Akzente.

Mark A. Meyer, in New York lebender Enkel der Eheleute Moritz und Toni Meyer, kann leider nicht persönlich teilnehmen. Stellvertretend wird
Projektleiterin Heike Jordan seine Gedanken auf Englisch und Deutsch verlesen. An diesem Ort werden auch Stolpersteine für die Familie Hirschhorn und für Kurt Rosengarten verlegt. Auch an der Bismarckstrasse 152 wird der Vorbeter das El Male Rachamim beten. Die Stolperstein-Patin Regina Hölscher-Christ wird ein Gedicht von Jesse Krauß vortragen. Ein Redebeitrag von Ingrid Remmers (MdB) wird die Verlegungen an diesem Tag abschließen.

Wir laden alle Interessierten herzlich ein, den Verlegungen am 1. August 2011 beizuwohnen, und wünschen uns, dass viele Bürgerinnen und Bürger Gelsenkirchens durch ihre Teilnahme dazu beitragen, die Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus als Mahnung für die Gegenwart und Verpflichtung für die Zukunft wach zu halten.

Informationen zur Verlegung und zum Projekt unter 0209 9994676.

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