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Staubwischen unterm Dach

28.03.2008 | 18:14 Uhr
Staubwischen unterm Dach

Ausnahmsweise dürfen Dortmunder mal den Schalkern aufs Dach steigen. Industriekletterer reinigen derzeit die Dachkonstruktion.

Er vertraut seiner Ausrüstung. Dem Lastseil, das das Gewicht seines Körpers trägt. Dem Sicherungsseil, den vielen Karabinerhaken, den Seilbremsen und den Abfahrgeräten. „Da kann nichts passieren”, sagt Björn Engelberg überzeugt. Der 33-Jährige bleibt auch dort gelassen, wo Menschen mit Höhenangst wohl kaum ein Wort hervorbrächten. 50 Meter sitzt der Industriekletterer über dem Boden der Veltins-Arena. Auf einem der riesigen Stahlträger der Dachkonstruktion, die sich wie ein Spinnennetz über das Spielfeld und die Ränge des Fußballtempels spannt. Wie der Comicheld Spider-Man wirken auch Engelbergs Kollegen. Die Mitarbeiter des Dortmunder Unternehmens ProRope robben auf den Stahlträgern entlang, klettern tollkühn von einer Strebe zur anderen und befreien die Arena von dem Staub, den Stefan Raabs Stock Car Challenge und andere Großveranstaltungen in sieben Jahren hinterlassen haben. Vorsichtig sind die Höhenarbeiter bei jeder Bewegung, konzentriert bei jedem Schritt. „Die Umstiegspunkte sind tückisch. Da muss man einfallsreich sein”, weiß Gregor Spork, stellvertretender Geschäftsführer von ProRope. Noch immer gilt das Industrieklettern als exotische Angelegenheit. Aus praktischen Gründen führten es die Engländer vor knapp 40 Jahren für die Wartungsarbeiten auf Nordsee-Bohrinseln ein, aus materiellen Gründen etablierten es die Arbeiter in der DDR. Gerüste oder Hebebühnen zur Sanierung der Plattenbauten waren damals Mangelware. Heutzutage sind es oft finanzielle Gründe, die den Ausschlag für den Einsatz von Industriekletterern geben. Denn die erreichen nicht nur schnell eher schwer zugängliche Stellen. Meist sind sie auch kostengünstiger als die Kollegen vom Gerüstbau. „Für die Säuberung der Arena-Dachkonstruktion wäre der Aufbau eines Gerüsts wohl mehr als abenteuerlich. Außerdem werden wir mit den Arbeiten bis Juni zu tun haben. Ich bezweifle, dass die Fußballfans sich über ein riesiges Gerüst erfreut zeigen würden.”, so Engelberg Respekt empfinden die Männer immer für die Höhe, in der sie den Handfeger schwingen und mit einem feuchten Tuch nachwischen. Doch sind die 50 Höhenmeter der Arena-Dachkonstruktion fast noch harmlos. Denn bei Reparaturarbeiten an Windrädern, dem Dortmunder Fernsehturm oder bei der Unterstützung des TÜVs beim Achterbahnaufbau befinden sich die Industriekletterer schon einmal bis zu 130 Metern über dem Boden, haben zusätzlich mit den unberechenbaren Kräften des Windes zu kämpfen. „Respekt ist ja auch eine Art Angst”, sagt Gregor Spork. „Aber es hilft, eine Routine und damit Fehler zu vermeiden.” Sollte einer der Männer doch abrutschen, greift die Kurzsicherung. „50 cm, tiefer würde man nicht fallen”, so Engelberg. Doch sind die Mitarbeiter von ProRope (Höhen)-Profis. Quereinsteiger sind sie zwar alle, haben aber die Höhenretterausbildung bei der Berufsfeuerwehr oder den Technischen Hilfswerken absolviert. Engelberg: „Mitarbeiter mit der entsprechenden Ausbildung zu finden, ist in dieser Sparte das größte Problem. Körperlich fit muss man sein. Und selbst dann braucht man nach fünf Tagen Arbeit erst einmal zwei bis drei Tage frei, um sich von den Strapazen zu erholen.” Während dieser Pause gilt für die Industriekletterer dann nur eines: auf dem Boden bleiben. Und das wortwörtlich.

Björn Goldmann

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