Stadt lässt Reiterhof in Gelsenkirchen räumen

Die Stadt hat den Hof Ruppelt am Fersenbruch in Heßler wegen baulicher Mängel geschlossen.
Die Stadt hat den Hof Ruppelt am Fersenbruch in Heßler wegen baulicher Mängel geschlossen.
Foto: Michael Korte
Was wir bereits wissen
Mängel bedeuten Gefahr für Leib und Leben. Stadt lässt daher elf Pferde und zwei Ziegen in der Umgebung unterbringen und verriegelt das Gelände in Gelsenkirchen-Heßler.

Gelsenkirchen.. Der Pächter ist völlig überrascht von der Aktion, die Vertreter des Bauordnungs- und Veterinäramtes in der Sache unerbittlich und der Eigentümer ist arg erzürnt, was ohne sein Wissen gerade auf seinem Gelände passiert. So stellt sich die Situation am Freitag in Heßler dar, als morgens der Reiterhof Ruppelt im Fersenbruch geräumt wird. Elf Pferde und zwei Ziegen werden flugs aufgeladen und abtransportiert, auf Bauernhöfen in der Umgebung untergebracht.

„Gefahr für Leib und Leben“, hat das städtische Referat Bauordnung nach einem Ortstermin in der vergangenen Woche festgestellt, wie Abteilungsleiter Norbert Hoffman erklärt. „Gleich an mehreren Gebäuden drohen Teile des Daches einzustürzen oder sich Dachpfannen zu lösen“, erklärt er. Und weil hier Grillabende stattfänden, Kinder hier spielten und auch in der Scheune übernachteten, sei die Gefahr zu groß, als das man hier Publikumsverkehr erlauben könnte.

Einsturz- und Lebensgefahr

Apropos Nutzung: „Die ist ohnehin illegal und untersagt worden“, fügt Bernd Grabowski, Hoffmanns Stellvertreter, hinzu.

Davon will Pächter und Tierbesitzer Don Ruppelt aber nichts wissen. „Weder wurde mir die Räumung schriftlich angekündigt noch die Nutzung untersagt“, erklärt der 36-Jährige. Seine Ex-Frau Evelina habe wohl solch ein Schreiben bekommen, er als Pächter jedoch nicht. Ruppelt, ein Arbeitsuchender, hat nach eigenen Angaben nur die Ställe, die Scheune und die Außenanlagen, also Koppeln, für sein Hobby nutzt. Er will jetzt gerichtlich gegen die Stadt vorgehen.

Eigentümer Peter Vöcklinghaus ist auch erbost. „Ich verteidige hier meinen Besitz“, sagt der Architekt in Richtung Referat Bauordnung. „Damit kann ich machen, was ich will. Es wäre besser gewesen, wenn man mich über die Maßnahme vorher unterrichtet hätte.“

Nutzung muss vorab genehmigt werden

Die Stadt sieht das anders. „Egal ob Reiterhof oder Privatwohnung – jedwede Nutzung muss vorab genehmigt werden“, erklärt Bernd Grabowski. Und der Eigentümer sei auch nur als unmittelbar beteiligte Person zu verständigen, etwa bei einem Abriss seiner Gebäude. Das sei aber nicht der Fall. Etwas anderes als diese Verfahrensweise sei daher aus datenschutzrechtlichen Gründen nicht erlaubt.

Die Wohngebäude stehen im Übrigen leer, das Areal drumherum, Anbauten und Stallungen, wirken marode. Viel Flickwerk ist zu sehen, schiefe Mauern und Wände, löchrige Dächer und lose Pfannen. Altautos, Sperrmüll und allerlei Gerümpel machen den Eindruck nicht besser. Dass in der Scheune Kinder im Heu übernachten, ist kaum zu glauben, so wie sie aussieht. Verrostete und verbogene Träger und Balken sowie fehlende Ziegel zeichnen von ihr mehr das Bild eines Kartenhauses kurz vor dem Zusammenbruch.

Deshalb versperrt Norbert Hoffmann alle Zugänge mit Ketten, Schlössern und Siegeln. Wer sie bricht, begeht eine Straftat. „Natürlich darf jeder seine persönliche Habe aus den Räumen holen“, sagt der Leiter der Bauordnung. Nach dem Versiegeln aber nur noch nach Absprache – und nur mit amtlicher Begleitung.

Als landwirtschaftlicher Betrieb gemeldet