Staatsanwaltschaft: Faustschlag war Notwehr

In der Jakobstraße im Gelsenkirchener Stadtteil Bismarck ereignete sich am Neujahrs-Nachmittag der Polizeieinsatz mit Todesfolge.
In der Jakobstraße im Gelsenkirchener Stadtteil Bismarck ereignete sich am Neujahrs-Nachmittag der Polizeieinsatz mit Todesfolge.
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Was wir bereits wissen
Die Staatsanwaltschaft Essen hat die Ermittlungen gegen vier Beamte des Polizei­präsidiums Gelsen­kirchen wegen Körperverletzung im Amt mit Todesfolge eingestellt.

Gelsenkirchen..  Die Staatsanwaltschaft Essen hat die Ermittlungen gegen vier Beamte des Polizei­präsidiums Gelsen­kirchen wegen Körperverletzung im Amt mit Todesfolge eingestellt. Nach einem Einsatz an der Jakobstraße in Bismarck am Neujahrstag 2015 war ein mutmaßlicher Brandstifter (44) an den Folgen eines Faustschlags durch einen Polizisten fünf Tage später in einem Essener Kran­kenhaus gestorben.

Feuer in der Wohnung gelegt

Die Beamten waren gegen 15 Uhr gerufen worden. Anlass war ein Fall von häuslicher Gewalt. Während die 57-jährige Frau den Notruf absetzte, soll der Mann ein Feuer in der Wohnung gelegt haben. Bis die Feuerwehr den Brand unter Kontrolle bekam, mussten mehrere ältere Bewohner des Mehrfamilienhauses in Sicherheit gebracht werden.

Zwei der vier Polizeibeamten hatten den Mann damals verfolgt, als er sich vom Tatort entfernen wollte. Der 44-Jährige war durch die Beamten zuvor aufge­fordert worden, stehen zu bleiben.

Als einer der Polizisten ihn fast eingeholt hatte, drehte der Mann sich unerwartet um und nahm mit geballten Fäusten eine An­griffshaltung ein, schildert die Staatsanwaltschaft. Dem unmittelbar zu erwartenden Angriff kam einer der Polizeibeamten mit einem Faustschlag zuvor“, heißt es weiter in der Erklärung der Behörde. Dabei sei der Mann im Bereich von Mund und Nase getroffen worden. Durch den Schlag sei er nach hinten getaumelt und mit dem Hinterkopf auf den Bo­den gestürzt. Noch während der 44-Jährige fiel, habe der Beamte vergeblich versucht, ihn aufzufangen.

Laut Rechtsmedizin sorgte die Kopfverletzung, die durch den Aufprall entstand, für den späteren Tod. Weitere Gewalteinwirkungen der Polizeibeamten seien durch das Ergebnis der Obduktion widerlegt worden.

Keine weitere Misshandlung

Den Faustschlag des Polizeibeamten wertet die Staatsanwaltschaft als Notwehr. Wörtlich: „Es standen dem Beamten in der konkreten Situation keine milderen Mittel zur Verfügung, um sich des zu erwar­tenden rechtswidrigen Angriffes des Verstorbenen zu er­wehren.“ Außerdem hätte nicht festgestellt werden können, dass ihn die übrigen Polizeibeamten misshan­delt oder im Rahmen der Erstversorgung vernachlässigt hätten.

Die Frage, ob die Behandlung des Mannes durch Ärzte eines Essener Kran­kenhauses oder des Justizvollzugskrankenhauses des Landes NRW korrekt verlief, wird noch ermittelt.