Spieloper, mal gar nicht bieder
14.04.2010 | 11:01 Uhr 2010-04-14T11:01:00+0200
Sie wird oft mit Prädikaten wie bieder, muffig oder angestaubt bedacht: Otto Nicolais letzte Oper „Die lustigen Weiber von Windsor“, die am kommenden Samstag, 17. April, im Großen Haus des Musiktheaters im Revier Premiere feiert.
Das Inszenierungsteam um Regisseur David Hermann will dabei unter Beweis stellen, dass das Werk zu Unrecht mit diesen Vorurteilen behaftet ist. „Ein Großteil der Muffigkeit liegt in den Dialogen“, weiß David Herrmann. „Wir haben festgestellt, dass fast alle Handlungsmotive auch allein über die Musik transportiert werden, und die gesprochenen Dialoge komplett gestrichen.“ Um die fehlenden Informationen zu vermitteln, gebe es in dieser Version eine neue Rolle, den Mediator, der von Schauspieler Uwe Schönbeck gespielt wird.
Vitale Musik mit latenter Aggressivität
Otto Nicolais Partitur in Verbindung mit der auf William Shakespeares berühmter Komödie basierenden Handlung habe Hermann besonders fasziniert: „Diese Musik ist so vital und hochromantisch, schildert aber gleichzeitig auch die latente Aggressivität, die in diesen braven Bürgern schlummert. Da sind fast Fassbindersche Verstörungen zu finden.“ Zerrüttete Ehen und unterdrückten Triebstau seien Motive, die hier behandelt werden.
Allzu düster und tiefenpsychologisch möchte der Regisseur die Produktion aber nicht anlegen: „Das Ganze wird sehr leicht und hoffentlich auch zum Lachen. Beim Proben gab es viele Situationen, in denen wir uns köstlich amüsiert haben“, verrät David Hermann. Dabei verlegt er das Stück in eine „50er/60er-Jahre-BRD-Atmosphäre, die aber nur sehr leicht angedeutet wird.“ Generell findet der Regisseur, dass Otto Nicolai zu Unrecht so selten gespielt werde: „Er hat den beißenden Sarkasmus von anderen Romantikern wie Heinrich heine oder E.T.A. Hoffmann.“
Auch der musikalische Leiter Johannes Klumpp bricht eine Lanze für den Komponisten: „Nicolai verbindet in seiner Musik eine gewisse italienische Leichtigkeit mit typisch deutscher Instrumentation. Man hört hier viel Rossini und Bellini, aber auch Mozart oder, gerade, in den Traum- und Feenwelten, Carl Maria von Weber heraus.“ Dabei habe Nicolai aber nicht wild kopiert, sondern durchaus etwas eigenes geschaffen: „Es ist tragisch, dass der Komponist wenige Wochen nach der Premiere der Lustigen Weiber gestorben ist. Er hätte noch viele spannende Werke schreiben können.“
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