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GELSENKIRCHENER APPELL

Soziales Bündnis will die Situation Langzeitarbeitsloser verbessern

06.07.2012 | 17:41 Uhr
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Soziales Bündnis will die Situation Langzeitarbeitsloser verbessern
Schulterschluss für den Gelsenkirchener Appell (v.l.): Jens Schäfer (FDP), Wolfgang Heinberg (CDU) und Lutz Dworzak (SPD). Von der Politik sitzen ferner Grüne und Bürger-Bündnis GE mit im sozialen Boot.Foto: Thomas Schmidtke

Gelsenkirchen.  Ein breites Bündnis aus Politik, Stadt, Wohlfahrtsverbänden, Kirchen und Gewerkschaften übt den Schulterschluss: Im Gelsenkirchener Appell werden Bund und Land aufgefordert, sich an der Finanzierung von bis zu 1000 Arbeitsplätzen für Hartz IV-Empfänger zu beteiligen.

In Gelsenkirchen haben 18 042 Menschen keine Arbeit. Was an sich schon erschreckend genug ist. Aber: Von diesen Frauen und Männern gehören 15 381 zur Gruppe der Langzeitarbeitslosen und beziehen Hartz IV .

Ein deprimierender Zustand für die Menschen, aber auch für die Stadt. Dieser Situation aktiv zu begegnen und bis zu 1000 Langzeitarbeitslosen neue Perspektiven durch noch zu schaffende Arbeitsplätze zu geben, das ist Ziel einer breiten Allianz, die sich aufgestellt und den Gelsenkirchener Appell formuliert hat.

SPD, CDU, Grüne, FDP und Bürger-Bündnis, Awo-Unterbezirk, Caritasverband, Evangelische und Katholische Kirche, Jüdische Gemeinde, der Paritätische, Diakonie, der DGB mit seinen acht Einzelgewerkschaften und die Stadt mit Oberbürgermeister Frank Baranowski an der Spitze stehen hinter dem Appell an Bund und Land, „einen sozial ausgerichteten Arbeitsmarkt für dauerhaft nicht vermittelbare Arbeitslose zusammen mit den örtlichen Akteuren in Gelsenkirchen aufzubauen“.

Bis zu letzt an den Formulierungen gefeilt

Bis zuletzt wurde in der „Keimzelle“ des Bündnisses, im Sozialausschuss, an den Formulierungen des Appells gefeilt. In einer Sondersitzung am Donnerstag wurde man sich einig, gestern Morgen wurde der Gelsenkirchener Appell vorgestellt. Dass der Aufruf zum aktiven Handeln von so vielen Schultern getragen werde, sei gut, sagte OB Baranowski. „Aus der Sicht der betroffenen Menschen ist es immer besser, eine sinnhafte Beschäftigung zu haben als einen unstrukturierten Alltag.“ Die besondere Botschaft der Stadt: „Wir investieren mit.“ So denkt Baranowski daran, Kosten für Unterkunft und Hartz IV in den Finanzierungstopf für soziale Arbeitsplätze zu stecken. „Es ist deutlich teurer, Arbeitslosigkeit zu finanzieren, anstatt Geld in die Hand zu nehmen und in Arbeitsförderung zu investieren“, so der Verwaltungschef.

„Arbeit gibt Würde, Arbeit ist Sinn stiftend, aus Arbeit erwachsen Ansprüche“, betonte der sozialpolitische Sprecher der CDU-Fraktion, Wolfgang Heinberg, der den Anstoß gab, sich intensiv mit der Situation von Langzeitarbeitslosen auseinander zu setzen. Sozialausschuss-Vorsitzender Lutz Dworzak (SPD) sagte, der Appell sei mehr als eine der üblichen Resolutionen, die „irgendwo landen, geknickt, gelocht und abgeheftet werden“. Und nach Worten von Sozialpfarrer Dieter Heisig vom evangelischen Kirchenkreis berge der Appell an alle politisch relevanten Kräfte in Düsseldorf und Berlin noch einen ganz wichtigen Aspekt: „Wir in Gelsenkirchen haben keinen Grund, in Sack und Asche zu gehen. Wir haben Probleme, aber wir finden Auswege. Gelsenkirchen packt’s an.“ Das sei ein positives Signal an die Stadtgesellschaft.

Sozialdezernentin Karin Welge kündigte an: „Wir werden jetzt intensiv daran arbeiten, einen Katalog mit Beschäftigungsmöglichkeiten zu erstellen.“

Caritasverband übernimmt die Federführung

Für die Wohlfahrtsverbände in Gelsenkirchen hat Peter Spannenkrebs vom Caritasverband die Federführung übernommen. Dafür dankte das Bündnis am Freitag ausdrücklich. Soziale arbeitsplätze, die jetzt geschaffen werden sollen, lehnen sich an das Projekt der Bürgerarbeit an. Das heißt, sie werden nicht in Konkurrenz zu Beschäftigungsverhältnissen am ersten Arbeitsmarkt stehen, sondern werden zusätzliche Aufgabenbereiche abdecken. Welche das sind, steht noch nicht fest.

 

Inge Ansahl

Kommentare
07.07.2012
14:44
Soziales Bündnis will die Situation Langzeitarbeitsloser verbessern
von tagesschau | #7

"Ein deprimierender Zustand für die Menschen, aber auch für die Stadt."

Wieso hat sich dann der Sozialausschuss nicht klipp und klar gegen Hartz IV ausgesprochen? Das kann man nur als scheinsozial bezeichnen.
Lulli-Jobs fast ohne Bezahlung, um nur ja die Zeit totzuschlagen, ändern nämlich gar nichts! ... Da wollen sich einige Lokalpolitiker nur profilieren.

07.07.2012
14:39
Neue 1 Euro-Jobs vom Amt! Total sozial:
von tagesschau | #6


Folgende Arbeitsgelegenheiten mit Mehraufwandsentschädigung (MAE) sind in dieser Woche zu besetzen:

1. Rote Autos zählen, 2. grüne Autos zählen, 3. ganz laaangsaham den Hof fegen, 4. ganz laaangsaham den Hof verschmutzen, 5. Maulaffen feilhalten auf dem Hof einer weiterführenden Schule! 6. Drehtür zuschlagen am Rathaus. unter sozialpädagogischer Aufsicht

Wer gelbe Autos zählen will, muss sich dazu das graue Antragsformular 6^1237oha!2315XX08/15 in der Zeit zwischen 11.30-11.32 Uhr montags in acht Tagen in Zimmer 326 abholen und doppelt in DRUCKBUCHSTABEN beschrieben wieder abgeben (gegen Quittung! Bitte gut aufbewahren).

Ansonsten bieten wir noch eine prima Umschulung zum Eintänzer in der Fischbratküche an. Voraussetzung ist der Angelschein.

Bitte sofort melden!



07.07.2012
11:10
Entgeltvariante als Einführung des Sozialen Arbeitsmarktes nutzen
von somjotien | #5

Die Entgeltvariante der Arbeitsgelegenheiten wird leider viel zu oft als Chance übersehen. Eine neue Studie zeigt, was Insider schon lange wissen:

"Generell zeichneten sich die Arbeitsgelegenheiten in der Entgeltvariante durch eine stärkere Nähe zu regulären Jobs aus – was den anschließenden Beschäftigungs-Chancen der Teilnehmer zu Gute kam, aber die Gefahr der Verdrängung regulärer Jobs erhöhte. Gleichzeitig waren auch die Teilnehmer an Arbeitsgelegenheiten in der Entgeltvariante im Durchschnitt von vornherein leichter vermittelbar als die Ein-Euro-Jobber. "

Quelle: http://www.gib.nrw.de/service/newsletter/gib-newsletter/newsletter_archiv/g-i-b-newsletter-nr-251/und_sonst/arbeitsgelegenheiten-erhoehen-die-beschaeftigungs-chancen-von-hartz-iv-empfaengern

07.07.2012
09:51
Zum Nachlesen (pdf): Vom Ein-Euro-Job zum Dritten Arbeitsmarkt (2007)
von somjotien | #4

Stellungnahmen von Ver.di (Jirku) und anderen zum Thema auf dem Dortmunder Kongress der FH Dortmund, Fachbereich 1, CLR Regionalbüro Dortmund in 2007.

Quelle: http://www.harald-thome.de/media/files/Arbeitsmaterialien/Dokumentation_08_09_2007.pdf

07.07.2012
09:40
Der Appell als pdf von der SPD-Webseite
von somjotien | #3

http://www.spd-gelsenkirchen.de/db/docs/doc_40795_201276105940.pdf

07.07.2012
09:34
Wer hats erfunden?
von somjotien | #2

Für Deutschland hat die BA den Dritten (Sozialen) Arbeitsmarkt 2006 vorgestellt. Für Gelsenkirchen hat der ver.di Erwerbslosenausschuss mit seinem Mitglied Franz Schart dies für Gelsenkirchen Mitte 2007 angedacht. Franz Schart hat den Vorschlag danach als Mitglied der Grünen in den Ausschuss eingebracht. Dort hat die Idee nun offenbar Hr. Heinberg aufgegriffen; ich will nicht sagen geklaut. Die diebische Freude, als Urheber für Gelsenkirchen hier genannt zu werden, sei ihm jedoch gegönnt. - Wer sonst nichts hat!

Übrigens: Die Gelsenkirchener Erwerbslosenzeitung (GEZ), 2. Ausg. von Dez. 2006, S. 12, hat zum Vorschlag der BA einer möglichen und notwendigen Einführung des Dritten Arbeitsmarktes - in Abgrenzung zu einem Bonus/Malus-System bei den Ein-Euro-Jobs, erstmals für Gelsenkirchen über das Thema berichtet.

1 Antwort
Soziales Bündnis will die Situation Langzeitarbeitsloser verbessern
von geronimo1 | #2-1

Ja es ist sehr schade das Franz Schart nicht mehr dabei ist. Das war jemand mit viel Sachverstand, scharfer Zunge (was ich mehrmals am eigenen Leib erfahren durfte) und sehr viel Engagement für die sozial schwachen hier.

06.07.2012
23:16
Soziales Bündnis will die Situation Langzeitarbeitsloser verbessern
von AuroraBorealis | #1

"„Aus der Sicht der betroffenen Menschen ist es immer besser, eine sinnhafte Beschäftigung zu haben als einen unstrukturierten Alltag.“", was für eine Aussage!
Zeugt sie doch davon, dass man von den tatsächlichen Problemen der Betroffenen keinen wirklichen Schimmer besitzt. Wie kann man nur wieder alle Betroffenen gleichzeitg über einen Kamm scheren?!
Man kann auch ohne Beschäftigung über einen strukturierten Alltag verfügen. Millionen Rentner und Rentnerinnen, Hausfrauen u. v. a. m. haben ebenfalls keine Beschäftigung, wie sie nun geplant ist. Dann gleich von einem unstrukturiertem Alltag zu sprechen, das ist für die Betroffenen verletzend.
Nichtsdestotrotz ist das gemeinsamen Ansinnen aller Beteiligten ein schon längst überfälliger Schritt in die richtige Richtung.
Erstaunlich ist, dass nicht die SPD (sie will ja die eigentliche SOZIALE Partei sein) auf die Idee gekommen ist.
Andererseits, Hartz IV wurde ja auch unter der SPD/Grünen Bundesregierung über das deutsche Volk verhängt.

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