So reagiert Gelsenkirchen auf den Umzug von Rock im Revier

Fungierte im vergangenen Jahr noch als Zeltplatz und sollte diesmal eigentlich das Zentrum des Geschehens sein: die Trabrennbahn.
Fungierte im vergangenen Jahr noch als Zeltplatz und sollte diesmal eigentlich das Zentrum des Geschehens sein: die Trabrennbahn.
Foto: www.blossey.eu
Wegzug von Rock im Revier nach Dortmund löst unterschiedliche Wut, Bedauern und Enttäuschung aus. War schleppender Vorverkauf wahrer Grund für Umzug?

Gelsenkirchen.. Mit Wut, Bedauern und Enttäuschung reagieren Festivalfans, Stadt und Trabrennbahnbetreiber auf die Nachricht, dass Rock im Revier in diesem Jahr nicht wie angekündigt in Gelsenkirchen stattfinden wird.

Stattdessen zieht das Festival in die Dortmunder Westfalenhalle um. Das teilte der Konzertveranstalter Deag am Donnerstag mit – das Festival sei zu laut für Gelsenkirchen. Was bedeutet das für die Stadt und wie reagieren die Betroffenen auf den Umzug?

Viele vermuten schleppenden Vorverkauf als Grund für Umzug

Während Stadtsprecher Martin Schulmann den Wegzug „natürlich bedauert“, laufen auf der offiziellen Facebook-Seite von Rock im Revier die Kommentare über, ebenso die Emotionen: Hunderte Menschen kommentierten den Wegzug in den vergangenen 24 Stunden, dabei muss der Veranstalter viel Hohn und Spott einstecken. Die Organisation sei amateurhaft und unmöglich, steht dort beispielsweise geschrieben. Viele wollen ihre Tickets nun umtauschen. Außerdem glauben sie, dass der wahre Grund für den Umzug ein schleppender Kartenvorverkauf sei.

„Ich finde den Umzug absolut enttäuschend“, sagt Trabrennbahn-Geschäftsführer Markus Seidl. Sein Gelsentrabpark sollte in diesem Jahr Veranstaltungsort sein. Einen Vertrag jedoch habe es noch nicht gegeben, erklärt Seidl der WAZ auf Anfrage. „Lediglich eine Absichtserklärung.“

50.000 Besucher in Gelsenkirchen, maximal 15.000 in Dortmund

„Ich fühle mich nun aber in meinem schlechten Gefühl bestätigt, das ich immer dann hatte, wenn wieder ein Termin von Herrn Handwerker verschoben wurde.“ Fred Handwerker ist neben der Deag auch Veranstalter des Festivals.

Auf Nachfragen der WAZ will Handwerker sich nicht äußern, verweist stattdessen auf die Deag. Doch auch deren Antworten sind nur spärlich. Man habe sich seit Beginn der Planungen mit der Lärmproblematik auseinander gesetzt. „Nach Gesprächen mit Experten ist deutlich geworden, dass die geplante Festivallautstärke nach dem Bundesimmissionsschutzgesetz nicht für drei Tage garantiert werden kann. Dieses Risiko war uns zu hoch“, sagt Deag-Pressesprecherin Priska Jones.

Zum Vorverkauf „kann die Deag als börsennotiertes Unternehmen keine detaillierten Zahlenangaben veröffentlichen“. Fest steht aber: Auf die Trabrennbahn hätten 50.000 Besucher gepasst, in Dortmund sind es maximal 15.000.

Umzug ist kein Imageschaden für Gelsenkirchen - Kommentar von Anna Katharina Wrobel

Die noch junge Geschichte von Rock im Revier ist voller Irrungen und Wirrungen. Geplant als Nachfolger von Rock am Ring verfielen viele Gelsenkirchener im vergangenen Jahr zuallererst der Euphorie: Ein so großes Festival hier bei uns, Rockgrößen wie Metallica, Kiss und Muse auf einer Bühne . . .

Doch erste Ernüchterung erfolgte schnell: Intransparenz bei der Planung, sehr spät eingereichte Anträge, die nur deshalb noch durchgingen, weil die Stadt bei den Fristen beide Augen zudrückte. Und schlussendlich ein Festival mit vielen leeren Rängen, obwohl die auftretenden Bands große Arenen sonst im Alleingang füllen. Aber der Veranstalter gelobte Besserung: Open Air sollte das Festival in diesem Jahr stattfinden, auf der Trabrennbahn.

Auch wenn das viele Festivalbesucher freute, blieben die Kartenverkäufe weit hinter den Erwartungen zurück. Das Verhalten des Konzertveranstalters wirft viele Fragen auf. Die offizielle Erklärung, das Festival sei zu laut für Gelsenkirchen, erscheint wenig glaubhaft.

Sollte es nicht einer der ersten Schritte sein, zu prüfen, ob eine Location überhaupt geeignet ist? Wieso wussten weder die Stadt noch der Trabrennbahn-Betreiber von Problemen bei der Lautstärke? Sie haben ihre Unterstützung mehrfach signalisiert, haben sich schon im vergangenen Jahr sehr hilfsbereit gezeigt – wieso also werden sie diesmal nicht um Rat gefragt? Ein Weggang des Festivals ist zwar schade, aber kein Imageschaden für die Stadt. Gelsenkirchen hat schon bei vielen anderen Gelegenheiten gezeigt, dass es Feste in dieser Größenordnung stemmen kann.