Erfolg der IG BAU
Signal für die Reinigungsbranche
12.01.2010 | 19:31 Uhr 2010-01-12T19:31:00+0100
Stölting schließt in einer Betriebsvereinbarung für 800 Mitarbeiter befristete Arbeitsverhältnisse aus. Gewerkschaft und Betriebsrat feiern das Ende der „Zitter-Verträge”.
Für die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) ist es ein Signal für die Beschäftigten und die gesamte Gebäudereinigungsbranche bundesweit, das von Gelsenkirchen ausgeht: Bei der Stölting Gruppe mit Sitz in Erle gibt es ab sofort keine befristeten Arbeitsverträge mehr an den Standorten Gelsenkirchen und Düsseldorf.
„Das ist ein Novum. In der Branche ist es üblich, dass immer nur Arbeitsverträge für sechs Monate vergeben werden.” Der Abschied von den sogenannten „Zitterverträgen” in der Gebäudereinigung sei somit einzigartig, sagt Susanne Neumann. Als Bezirksverbandsvorsitzende der Gebäudereiniger-Gewerkschaft IG BAU Emscher-Lippe Aa und Betriebsratsvorsitzende der Firma Stölting hat sie diese Betriebsvereinbarung mit ausgehandelt. Für Neumann steht danach fest: „Wir haben damit die prekäre Beschäftigung zumindest abgemildert.” Bislang waren auch bei Stölting rund 60 % der Reinigungskräfte befristet beschäftigt. In der Branche gilt das noch als niedrige Quote. Die Betriebsvereinbarung gilt nun für zwei Jahre. Befristete Arbeitsverhältnisse werden demnach nicht mehr geschlossen, bestehende werden umgewandelt.
800 Gebäudereiniger und Fensterputzer beschäftigt Stölting, ein Unternehmen mit über 100-jähriger lokaler Firmenhistorie, allein in Gelsenkirchen. 2100 Mitarbeiter hat das Unternehmen bundesweit an acht Niederlassungen. Arbeitsschwerpunkte: Reinigungs-, Sicherheits- und Personaldienste.
Die Vereinbarung erschwert die schnelle Trennung von Arbeitnehmern. „Stölting geht damit erhöhtes Risiko ein. Selbstverständlich muss sich das eine Geschäftsführung gut überlegen”, weiß auch Neumann. Angesichts dieser Ausgangslage sei die Vereinbarung „relativ schnell abgeschlossen worden”.
Durch den Gebäudereiniger-Streik im vergangenen Herbst, glaubt Neumann, „haben die Unternehmen einen unglaublichen Imageschaden erlitten. Durch unsere Aktionen hat die Bevölkerung erst einmal mitbekommen, unter welchen Arbeitsbedingungen die Reinigungskräfte schuften müssen. Stölting habe dagegen ein Zeichen gesetzt. Die Kunden „können sicher sein, dass die Reinigungskräfte zu ordentlichen Bedingungen beschäftigt werden.”
Als solide „Basis für ein gutes Betriebsklima” wertet Jürgen Czech, Regionalleiter der IG BAU Westfalen die Vereinbarung. Es sei „vorbildlich, wie sich die Stölting-Geschäftsführung um ihre Arbeitnehmer” kümmere – „und das vor der Betriebsratswahl 2010.”
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