Siedler in Gelsenkirchen fühlen sich vom Vermieter abgezockt

Über 100 Mietparteien wohnen in der historischen Arbeitersiedlung Flöz Dickebank in Gelsenkirchen.
Über 100 Mietparteien wohnen in der historischen Arbeitersiedlung Flöz Dickebank in Gelsenkirchen.
Foto: Martin Möller
Die Nebenkosten, die ein Vermieter in Rechnung gestellt hat, sind explodiert. Nun legt der Mieterrat der Flöz Dickebank-Siedlung Widerspruch ein.

Gelsenkirchen.. Die unangenehme Überraschung hätte die über 100 Mieter in der Flöz Dickebank-Siedlung nicht passender erreichen können. In der Vorweihnachtszeit lagen die Nebenkostenabrechnungen des Vermieters, der Bochumer Häusser Bau GmbH, für 2013 in ihren Briefkästen. Weniger der Zeitpunkt als vielmehr die Höhe der Nachforderungen und die Kostenbeteiligung für die Leistungen eines Hausmeisters, den es gar nicht gibt, vergrätzen nunmehr die Mieter.

Mieterrat legt Widerspruch ein

Ab Januar 2014 hat die Gesellschaft „ImmRu“, eine Häusser-Bau-Tochter, die Abrechnung für Häusser-Bau-Mieter übernommen. Die Kostenaufstellung für 2013 erfolgte aber noch von der Verwaltungsgesellschaft „SWL Immo Team“. Deren Geschäftsführer Stefan Ludwig hatte auch die Bescheide unterzeichnet. Die Mieter sind sauer. Bei einer Sitzung beschloss der Mieterrat, Widerspruch gegen die Kostenaufstellung einzulegen.

Dessen Sprecher Udo Brückner gibt den Ärger der Bewohner wieder. Sie seien überzeugt, dass sie abgezockt werden sollen. So fielen die Kosten für die Gebäudeversicherung zum Teil um bis zu 100 Prozent höher aus als in den Vorjahren. Dabei seien etliche Mietwohnungen nach der Übernahme durch Häusser-Bau verkauft worden, das Risiko für Versicherer also eher geringer. Und eine Naturkatastrophe, wie in diesem Jahr durch das Sturmtief Ela ausgelöst, hätte die Kassen der Versicherungen in 2013 auch nicht zusätzlich belastet.

Winfried Grupp, Mieter im Haus Flöz Dickebank 12, ärgert sich vor allem über die Kosten für einen Hausmeister. 273,56 Euro soll er anteilig für dessen angebliche Tätigkeit bezahlen. Er taucht zum ersten Mal auf der Abrechnung auf. „Es gibt keinen Hausmeister. ImmRu beschäftigt einen Objektbetreuer, und dessen Kosten können nicht auf die Mieter umgelegt werden“, erklärt Winfried Grupp.

Kostenexplosion von 311,80 auf 543,48 Euro

Überrascht hat den 64-Jährigen auch die Kostenexplosion beim Anteil für die Gebäudeversicherung von 311,80 auf 543,48 Euro. Eine Erhöhung um über 70 Prozent.

Die Kosten für die Müllabfuhr von 603 Euro erscheinen Krupp ebenfalls zu hoch. So zahlten einige Mieter für größere Tonnen, besäßen aber lediglich Behälter mit geringerer Kapazität. Auch beim Wasserverbrauch gehen viele Bewohner davon aus, dass die tatsächlichen Kosten niedriger sind als die in Rechnung gestellten.

Die Bewohner haben Rechtsanwälte eingeschaltet, die dem Unternehmen bis zum 14. Januar Zeit für eine Stellungnahme einräumen. Die Wohnungsgesellschaft ist nicht zu erreichen, bis zum 2. Januar sind alle Mitarbeiter in Betriebsferien. Häusser-Bau-Pressesprecher Ralf Bettges sagte zu, dass die Gesellschaft die Abrechnungen nach den Betriebsferien überprüfen werde.

Udo Brückner versichert, dass auch den Bewohnern, die keine Rechtsschutzversicherung abgeschlossen haben, geholfen werde: „Wir lassen niemanden im Regen stehen.“