Sicherungsverwahrung bleibt Günther O. erspart

Der Mordprozess gegen Günther O., der seine Stieftochter Madeleine aus Gelsenkirchen umgebracht und in seinem Essener Schrebergarten verscharrt haben soll, ist nicht gescheitert. Am 6. Februar soll der 48-Jährige voraussichtlich sein Urteil bekommen.

Aus Sicht des Essener Schwurgerichtes ist Günther O. kein Kandidat für die Sicherungsverwahrung. Hätte das Gericht die Voraussetzungen dafür als erfüllt angesehen, wäre der Prozess geplatzt, damit der Angeklagte seine Verteidigung auf die neue Situation einstellen könnte. Staatsanwältin Birgit Jürgens hatte im November eine Sicherungsverwahrung angeregt.

Richter Andreas Labentz machte klar, dass Günther O. aus Sicht der psychiatrischen Gutachterin und der Kammer kein „Hangtäter“ sei. Dass er „möglicherweise“ künftig erhebliche Straftaten begehen werde, reiche laut Gesetz nicht. Die Vorstrafen des Angeklagten ließen ebenfalls keinen anderen Schluss zu. Sie belegten lediglich „eine intensive Neigung“ zu Straftaten wie Bedrohung, Widerstand, Straßenverkehrsdelikten. Diese Delikte seien aber „nicht erheblich“. Labentz: „Die Sicherungsverwahrung ist auf schwere Fälle beschränkt.“

Familie O. hat mittlerweile auch einen anderen Gerichtszweig genutzt und die Justiz vor Probleme gestellt. Als vor zwei Wochen die Scheidung verhandelt werden sollte, hätte Günther O. unter strenger Bewachung zum Familiengericht in Borbeck ausgeführt werden müssen. Die Richterin verlegte den Termin deshalb in den Vorführtrakt am Landgericht. An diesen Termin wird die junge Richterin sich wohl noch lange erinnern. Denn diese Scheidung war ihre erste als Familienrichterin.