Sechs Monate zu Unrecht in U-Haft gesessen

Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Sexuellen Missbrauch in zwei Fällen hatte die Staatsanwaltschaft dem 46-Jährigen vorgeworfen. Doch zum Schluss beantragte auch sie einen Freispruch.

Gelsenkirchen.. 180 Tage lang hatte der 46-Jährige aus der Innenstadt wegen sexuellen Missbrauchs in Untersuchungshaft gesessen. Zu Unrecht, stellte am Freitag die V. Essener Strafkammer fest und sprach ihn frei. 4500 Euro Haftentschädigung bekommt er dafür.

Nicht gerade viel für sechs Monate in Unfreiheit. Mit 25 Euro bezahlt der Staat jeden dieser Tage. Aber dem Angeklagten wird es eher darauf ankommen, nicht verurteilt worden zu sein.

Seit über 25 Jahren leidet er an psychotischen Störungen, steht unter Betreuung. Zweimal soll er sich laut Anklage schuldig gemacht haben. Am 5. Juni vergangenen Jahres war eine junge Frau nachts um ein Uhr am Musiktheater aus der Straßenbahn gestiegen. Sie wollte nach Hause. Da traf sie den Angeklagten, den sie flüchtig kannte. Er hätte sie gebeten, kurz mit in seine Wohnung zu kommen. Dort soll er sie vergewaltigt haben.

Ereignisse erfunden

Dazu passte die Anzeige einer damals Zwölfjährigen zwei Monate später. Sie gab an, er hätte sie am 7. August aufgefordert, bei ihm gegen Bezahlung zu putzen. Als sie einen Tag später kam, soll er sie aber direkt zu sexuellen Handlungen aufgefordert und sich selbst komplett ausgezogen haben. Schließlich hätte er noch ihre Brust berührt.

Im Prozess blieb von den Vorwürfen wenig übrig. Die Zwölfjährige wurde gar nicht erst eingehend befragt, weil ihre Aussage vor Gericht laut Richterin Luise Nünning komplett von den Angaben bei der Polizei abwich. Und die junge Frau, selbst geistig behindert, lieferte im zweiten Fall keine Aussage für eine Verurteilung. Psychologin Simone Mussavi wies darauf hin, dass die Störung der Frau dazu führen könne, Ereignisse zu erfinden.