Schornsteinfegermeister brauchten Glück in eigener Sache

Gelsenkirchens Schornsteinfeger statten OB Frank Baranowski den traditionellen Neujahrsbesuch ab und überreichen den aktuellen Kalender der Gelsenkirchener Schornsteinfeger.
Gelsenkirchens Schornsteinfeger statten OB Frank Baranowski den traditionellen Neujahrsbesuch ab und überreichen den aktuellen Kalender der Gelsenkirchener Schornsteinfeger.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Beim Neujahrsbesuch im Rathaus erzählten die Kaminkehrer von ihren Sorgen und Problemen. Nach der europaweiten Ausschreibung wurden alle 13 Kehrbezirke mit den bekannten Gelsenkirchener Schornsteinfegermeistern besetzt.

Gelsenkirchen.. Die Gelsenkirchener Glücksbringer konnten im abgelaufenen Jahr Glück in eigener Sache gebrauchen: Das Kehrmonopol ist gefallen und die 13 Kehrbezirke in Gelsenkirchen wurden europaweit ausgeschrieben. Die Schornsteinfegermeister mussten sich bei der Bezirksregierung Münster um einen neuen Bezirk bewerben. Sie überzeugten mit ihrem Fachwissen und der Regierungspräsident bestellte sie für die nächsten sieben Jahre, denn eine Bestellung auf Lebenszeit – auch das war einmal. „Das Verfahren hat den Kollegen schlaflose Nächte beschert“, räumte Hermann Kranefeld, Bezirksschornsteinfegermeister ein. Das Bewerbungsverfahren habe sich vier Monate hingezogen. Gesellenabschlüsse, Zeugnisse und Fortbildungsnachweise mussten vorgelegt werden. Last but least erreichte die Schornsteinfegermeister die Bestellung für 2015 erst zum 22. November 2014.

Kaminkehrer dürfen vom Hausbesitzer ausgewählt werden

Sorgen und Nöte, die Oberbürgermeister Frank Baranowski während des Besuches der Schornsteinfegermeister im Hans-Sachs-Haus erfuhr. Es ist guter Brauch, dass die „schwarzen Männer“ stellvertretend für alle Bürger der Stadt dem Oberbürgermeister Glück und Gesundheit fürs neues Jahr übermitteln. „Glücksbringer sind wir seit dem Mittelalter“, so Kranefeld. „Früher freuten sich die Familien, wenn die Schornsteinfeger den Kamin von Ruß befreiten und wieder gekocht und geheizt werden konnte.“ Heute haben die Schornsteinfeger eher das Problem, dass die Hauseigentümer nicht zu Hause sind und sie zu ausgefallenen Zeiten zum Kehren bestellt werden. „Es gibt zwar noch Nachbarn, die einen Schlüssel haben, aber das ist eher die Ausnahme“, so Bezirksschornsteinfegermeister Hermann Kranefeld.

Seit 2013 können Hauseigentümer ihren Kaminkehrer selbst wählen. Lediglich für die hoheitlichen Aufgaben wie die Abnahme einer Feuerstätte gilt noch die Bezirkspflicht. Von dieser Wechselmöglichkeit haben in Gelsenkirchen nur fünf Prozent der Hausbesitzer Gebrauch gemacht. „Eine Quote, die im Münsterland ähnlich ist“, sagt Schornsteinfegermeister Stephan Planz, der seit dem 1. Januar den Kehrbezirk Horst betreut.

Viele Kohleöfen in Hassel

Die Zahl der Kohleöfen variiert von Stadtteil zu Stadtteil. „Vor allem in Hassel wird noch viel mit Kohle geheizt“, weiß der Bezirksschornsteinfeger. Dort macht die Kohle einen wesentlichen Anteil des Wärmebedarfs aus – sehr zulasten der Ziele des Gelsenkirchener Klimaschutzkonzeptes, wie eine Gruppe von Kölner Stadtplanern 2013 festhielt. Geschuldet ist das der Deputatkohle, die die (ehemaligen) Kumpel noch bis 2021 beziehen. In den so beheizten Häusern gilt viermalige Kehrpflicht im Jahr, also genug Arbeit für die Schornsteinfegerzunft.

Neue Heizungstechnik, wie sie beispielsweise im Hans-Sachs-Haus eingebaut wurde, verlangt keinen Kamin mehr. Arbeitslos werden die Kaminkehrer trotzdem nicht. Nur tauschen sie heutzutage häufiger den Kehrbesen mit dem Laptop, sind Energieberater und Baubiologen. Sie messen Abgaswerte von Heizungen, kontrollieren Schornsteine oder helfen, wenn ein Hausbesitzer eine neue Heizung haben möchte. Glücksbringer bleiben sie trotzdem