Schockstarre bei der CDU Gelsenkirchen - „das ist desaströs“
13.05.2012 | 21:35 Uhr 2012-05-13T21:35:00+0200
Gelsenkirchen. Die Christdemokraten in Gelsenkirchen ließen Pizza und Pasta kalt. Entsetzen und Enttäuschung herrschten in der Rathauskantine. Beim Rücktritt von Norbert Röttgen macht sich Galgenhumor breit.
Schockstarre in der Kantine des Rathauses Buer: Als um 18 Uhr die ersten Prognosen über die Leinwand flimmern, Zahlen von unter 26 Prozent die Runde machen, tritt entsetztes Schweigen bei den Christdemokraten ein. Auch wenn nach und nach wieder Leben in die Bude einkehrt, Wahlparty sieht anders aus. Nur wenige mögen zu Pizza und Pasta greifen angesichts der frühen Hochrechnungen. Auch wenn der ehemalige langjährige CDU-Bundestagsabgeordnete Wolfgang Meckelburg tröstet („Auch da muss man durch“), die Gesichter könnten länger nicht sein.
„Ich bin innerlich total erregt“, gesteht CDU-Fraktionsvorsitzender Werner Wöll. Er sei klar gewesen, dass es schwierig wird, „aber alle schlimmsten Befürchtungen wurden sogar noch getoppt“. Blankes Entsetzen und tiefe Enttäuschung auch bei CDU-Landtagskandidat Frank-Norbert Oehlert: „Das ist desaströs, ein Erdrutsch für die Union. So ein Ergebnis macht betroffen.“ Dass die Wählerstimmung so sei, habe man nicht vorhergesehen: „An den Wahlkämpfern vor Ort hat es nicht gelegen, die haben alles gegeben.“ CDU-Kreisvorsitzender Guido Tann: „Hier war eine große Motivation zu spüren. Aber der Kuschelwahlkampf hat mehr gezogen.“
„Ich gründe demnächst die Partei der Indianer“
Jetzt greifen die ersten doch zur Pizza. Was die meisten ahnten, tritt zeitgleich ein: Röttgen erklärt seinen Rücktritt als Parteivorsitzender. Galgenhumor macht sich breit. „Ich gründe demnächst die Partei der Indianer“, frotzelt einer beim Blick auf die Ergebnisse der Piraten. Oehlert stöhnt beim Blick auf die Zahlen: „Da mag man ja gar nicht mehr hingucken.“ CDU-Kreisgeschäftsführer Ludger Jägers sagt: „Die Stimmung ist einfach gedrückt bei diesen Ergebnissen.“
Für eine Liedlänge lang können die Christdemokraten dann plötzlich doch noch feiern. Es gilt, den 43. Geburtstag von Rainer Heisterkamp zu besingen. Nord-Kandidat Oliver Wittke weilt derweil in Düsseldorf, nennt die Gefühlslage bescheiden, aber, immerhin: „Gelsenkirchen hat wohl einen dritten Landtagsabgeordneten.“ Ob Wittke auch Generalsekretär bleibt, ist offen.
| Erststimme | Mitte | Nord | Süd | Ost | West | Gesamt |
| SPD | 56,8 (53,7) | 54,6 (51,5) | 55,9 (52,8) | 57,6 (53,5) | 58,8 (55,2) | 56,5 (53,2) |
| CDU | 20,0 (24,7) | 23,9 (26,3) | 20,7 (25,3) | 22,1 (25,9) | 21,1 (24,0) | 21,6 (25,3) |
| Grüne | 6,0 (6,3) | 5,8 (6,3) | 6,3 (6,8) | 4,9 (5,9) | 4,5 (5,1) | 5,6 (6,2) |
| FDP | 2,8 (3,3) | 3,9 (4,4) | 3,1 (3,6) | 3,1 (3,0) | 2,1 (2,8) | 3,1 (3,5) |
| Linke | 4,2 (8,2) | 3,0 (6,1) | 4,2 (7,7) | 3,5 (6,6) | 3,6 (6,9) | 3,7 (7,1) |
| Piraten | 10,2 (-) | 8,8 (1,4) | 9,8 (-) | 8,8 (1,5) | 9,9 (1,4) | 9,5 (0,8) |
| Zweitstimme | Mitte | Nord | Süd | Ost | West | Gesamt |
| SPD | 50,0 (47,3) | 49,3 (46,9) | 49,9 (46,8) | 52,5 (49,1) | 53,5 (50,8) | 50,7 (47,9) |
| CDU | 16,8 (23,3) | 19,4 (25,0) | 17,5 (24,2) | 18,0 (24,2) | 17,1 (21,8) | 17,8 (23,8) |
| Grüne | 8,5 (7,4) | 8,7 (8,1) | 8,6 (8,3) | 7,3 (7,1) | 6,5 (6,5) | 8,1 (7,5) |
| FDP | 4,0 (3,4) | 5,3 (4,1) | 4,5 (3,5) | 4,5 (3,5) | 3,5 (3,3) | 4,4 (3,6) |
| Linke | 3,7 (7,9) | 2,5 (6,4) | 3,4 (7,3) | 2,9 (6,9) | 3,2 (7,3) | 3,2 (7,2) |
| Piraten | 9,0 (1,5) | 8,0 (1,5) | 9,0 (1,6) | 7,6 (1,4) | 8,5 (1,5) | 8,4 (1,5) |
09:26
Wenn man den Auftritt des Herrn W. aus GE gestern im Fernsehen erlebt hat, dann weiß man woran es der CDU hapert. Wenn das das Spitzenpersonal ist, dann schnell den Laden zusperren.
22:59
Hochmut kommt vor dem Fall... DAS Desaster war abzusehen. Dazu noch die Halsstarrigkeit und gnadenlose Realitätsferne des Herrn W., die er uns als Landesverkehrsminister drastisch vor Augen führte. Seine Parteifreunde z.B. in Baden-Württemberg waren pfiffiger. Tschüss Oli..
22:40
"Ob Wittke auch Generalsekretär bleibt, ist offen." ...
Die NRW CDU hat das schlechteste Ergebnis eingefahren, seit es dieses Land gibt. Röttgen war der schlechteste Kandidat, den die NRW CDU je hatte, aber diese Klatsche ist auch dem fehlenden Profil geschuldet, welches in den letzten zwei Jahren immer mehr abhanden gekommen ist. Wofür steht die CDU in NRW? Diese Frage zu beantworten, wäre u.a. Aufgabe eines Generalsekretärs. Olliver Wittke hatte zwei Jahre Zeit, die Antwort auf diese Frage auszumodelieren. Das ist ihm nicht gelungen und deshalb sollte er ebenfalls den Hut nehmen. Einen Wahlkampf, wie ihn Christian Lindner geführt hat, hätte man sich als Konservativer von der CDU gewünscht.
Was die CDU in NRW braucht sind nicht nur neue Ideen, sondern auch neue Gesichter. Inhalte müssen wieder den Takt angeben, statt innerparteiliche Machtinteressen. Und vor allem sollten die Christdemokraten jetzt anfangen sich zu reformieren. Wahlen kommen schliesslich schneller, als man denkt