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Nachtwanderung

Ruhrgebietsweites Wander-Event "Haldensaga" lockt 3500 Teilnehmer

24.07.2011 | 16:53 Uhr
Ruhrgebietsweites Wander-Event "Haldensaga" lockt 3500 Teilnehmer
Bei der Nachtwanderung auf der Halde brachen im ganzen Ruhrgebiet 3500 Teilnehmer auf. Foto: Martin Möller

Gelsenkirchen.   Von Halde zu Halde: Zu einer Nachtwanderung der etwas anderen Art brachen am Samstagabend im ganzen Ruhrgebiet 3500 Teilnehmer auf. Aber nur 550 trotzten dem aufkommenden Regen bis zum bitteren Ende.

Das Esoterische ist nicht jedermanns Sache. „Applaudieren Sie dem Untergang der Sonne“, kommt es für sämtliche Teilnehmer der Haldensaga aus den Ohrstöpseln. Nur verhalten kommen die in alle Himmelsrichtungen verstreuten Wanderer auf der Halde Rungenberg der Aufforderung der sonoren Männerstimme nach – wenn überhaupt. „Applaudieren Sie lauter“, fordert der Sprecher nachdrücklich, als würde er seine Zuhörer vom dem wolkenverhangenen Himmel beobachten.

Ulrike Maas (54) und Angelika Kaiser (54) kommen aus Sprockhövel und haben extra geprobt, nachdem sie sich für die 14,5 Kilometer lange Route E2 entschieden hatten: Sonnenuntergang auf Halde Rungenberg , Sonnenaufgang auf Halde Schurenbach. „Unterwegs gibt es Aktionen. Wir lassen uns überraschen“, sagen sie, als ihre Gruppe um 18.30 Uhr von den Sutumer Brücken losstapft.

Volunteers mit Herz bei der Sache

Die Guides der Haldensaga instruieren ihre Gruppen und drücken ihnen UKW-Empfänger in die Hand. Damit sollen sämtliche Teilnehmer – auch die auf den anderen Halden – ab 21 Uhr der Übertragung des Radioballett Ligna lauschen. Einer der freiwilligen Guides ist Michael Richter (49) aus Horst.

Eigentlich wollte er ja als Teilnehmer mitlaufen, aber dann hat er das Volunteer-Inserat gelesen. „Mein Herz hängt daran. Als Hobbyläufer laufe ich alle Halden ab. Jetzt möchte ich sie mal aus einer anderen Perspektive erleben.“ Unterwegs, so Richter, will er seine Gruppe mit Infos über die Schleuse, die Zeche Nordstern und über die Schurenbachhalde versorgen.

Tief Otto und die 550

3500 Teilnehmer machten sich an zehn Startpunkten im Ruhrgebiet auf den Weg. Von dort wanderten sie in etwa 1,5 Stunden zu den Halden Norddeutschland, Rheinpreußen, Haniel, Beckstraße, Rungenberg, Schurenbach, Hoheward und Großes Holz und erahnten dort den Sonnenuntergang. Zum Sonnenaufgang schafften es 550 auf eine Nachbarhalde.

"Gewöhnungsbedürftiges" bei 10°

Dass es eine ungemütliche Nacht wird, ahnen die Wanderer spätestens auf der Halde Rungenberg. Der Wind pfeift und es ist kaum wärmer als zehn Grad. Viele sitzen auf Decken im Gras und beratschlagen, ob sie weitermachen oder aufgeben sollen. So wie die Gruppe aus Dülmen. Auch das Radioballett findet keine Beachtung. „Wir haben uns nicht davon angesprochen gefühlt und uns auf unser Picknick konzentriert.“

Nacht auf zwei Halden

Auch Ulrike Maas findet die 30 Minuten Hörprogramm „gewöhnungsbedürftig“. Das gilt aber auch für den Regen, der ihre Gruppe gegen Mitternacht überrascht, als sie an ihrem Nachtlager Schloss Horst ankommen. Um 2.45 Uhr geht’s zum Sonnenaufgang auf Halde Schurenbach. Auf dem Weg kommen der Gruppe Wanderer entgegen, die aufgeben – wie die meisten. Ulrike Maas und Angelika Kaiser aber halten durch.

Tobias Mühlenschulte

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Kommentare
25.07.2011
15:54
Ruhrgebietsweites Wander-Event Haldensaga lockt 3500 Teilnehmer
von Buergerdilldorf | #1

Ein sehr geschönter Bericht von jemandem, der wohl nicht dabei war. Dass nur ein Teil der Wanderer durchhielt (ich auch, trotz 20km-Strecke) lag nicht in erster Linie am Wetter, sondern an der Missorganisation der Veranstalter!

1. Trotz schlechter Wettervorhersage gab es ein reines Hochsommerprogramm: auf meinen Halden jeweils ein Pfadfinder – und ein Sanitätszelt, d.h. das Gros der Teilnehmer musste peitschenden Regen und starken Wind im freien stehend verbringen. Es gab viel kaltes Wasser (von oben und zu trinken), aber kein warmes Getränk

2. Die 20 km liefen wir zügig ab, dazwischen gab es Geschichtenerzähler, und über rund 7 Stunden war – gar nichts! So sollten wir 3 Stunden auf einem nächtlichen Parkplatz verbringen – ohne Sitz- und Unterstellmöglichkeit, die beiden kleinen Zelte überfüllt, viele Gruppen fanden keinen Platz. Wir haben bei unseren Guides die Pause auf 1 Stunde heruntergehandelt, aber das war immer noch zu lang.

3. Zumindest unsere Guides waren nicht ortskundig und konnten Fragen über das, was man vom Weg aus sehen konnte, nicht beantworten.

4. Das Radioballett lässt sich nur einordnen zwischen Lächerlichkeit und Zumutung. Esoterisches Gefasel. Ich habe mich gefragt, welche Sekte da am Werk war und was man bei diesem Massen-Hype den Leuten noch alles hätte einreden können...

5. Nach 20 km und 10 Stunden bei Nacht, Regen, Kälte und starkem Wind, aber ohne Aussicht auf einen (sichtbaren) Sonnenaufgang, hatten alle Teilnehmer wirklich genug. Wir mussten aber noch die restlichen 2 Stunden in viel zu kleinen Zelten ausharren, durch die der Wind pfiff; durchnässt und frierend, viele stehend, weil der Bus für die Rückfahrt für 6 Uhr bestellt war. Unsere Guides haben wir nicht mehr gesehen, wie auch in allen anderen Pausen nicht.




Fazit: Für das Wetter kann niemand etwas, aber das war lange vorher angekündigt. So kann man nur von einer schlampigen, miserablen Organisation sprechen. Wer – wie ich – trotz des Wetterberichtes zum Treffpunkt kam, ist wohl einiges gewohnt, was Wandern bei Schlechtwetter angeht. Wenn das frühe Ausscheiden vieler Teilnehmer jetzt auf das Wetter geschoben wird, ist das eine Falschdarstellung. Denn so hätte es aussehen können:

1. Durchführung der Aktion Ende Juni, wenn die Nächte kürzer sind und man bei vernünftiger Planung mit 9 Stunden statt 12 hätte auskommen können.

2. Entweder bei schlechtem Wetter absagen oder schlechtes Wetter zur Planungsgrundlage machen – dann kann nichts schief gehen.


3. Die höchste Anzahl von Wanderern annehmen, die gleichzeitig auf der Halde / an den Ruheplätzen sein können und für JEDEN einen Sitzplatz im Trockenen bereit stellen (Zelte haben die Verbände ja reichlich). Je nach Wetter sind warme Getränke notwendig.

4. Co-Operation mit Partnern, die solche Veranstaltungen gewohnt sind (z.B. Malteser u.ä.)

5. Ortskundige Wanderführer, die Auskunft geben können über das, was man vom Weg aus sieht. Die Guides sollten sich um ihre Gruppe auch wirklich kümmern (also auch aus dem Jugendalter heraus sein)

6. Pausen nur als Erholungsphase und für das Nötige, aber nicht zum Absitzen (oder schlimmer, zum Abstehen). Lassen sich längere Pausen nicht vermeiden, müssen sie sinnvoll gefüllt werden.

7. Verzicht auf esoterische Einlagen

Die Haldensaga wurde enorm beworben – alles hörte sich wunderbar an. Leider wurde eine Haldenklage daraus – dank unfähiger Veranstalter!

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