Rosenmontagszug in Gelsenkirchen rollte mit Verspätung

Rund 120 .000 Narren (nach Angabe der Polizei) feiern am Rosenmontag in Gelsenkirchen auf der Cranger Straße den traditionellen Umzug.
Rund 120 .000 Narren (nach Angabe der Polizei) feiern am Rosenmontag in Gelsenkirchen auf der Cranger Straße den traditionellen Umzug.
Foto: Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Der Rosenmontagszug konnte mit einer beträchtlichen Besucherzahl und friedlichem Miteinander trumpfen. Die Verkleidungen sind dürftig ausgefallen.

Gelsenkirchen.. Knapp 120 .000 kamen als Rotkäppchen, Pirat oder übergroßer Minion zum Zug auf die Cranger Straße. Um die 20. 000 mehr als im Jahr zuvor, was wohl auch am sonnigen Wetter lag. „Petrus ist heute auch Jeck“, meinte der Präsident des Gelsenkirchener Karnevalskomitees Gerd Schwenzfeier in bester Jecken-Laune.

„Und das Schöne ist, dass wir ohne Angst hier feiern können. Es gab keinerlei Drohungen. Was in Braunschweig passiert ist, ist einfach traurig. Karneval ist schließlich ein Fest für alle und wir feiern heute auch für Braunschweig mit.“ „Karneval für Jedermann“, unter diesem Motto sollten auch in diesem Jahr wieder Narren aus allen Kulturen zusammenfeiern. „Und schaut man sich um, sieht man auch das es wunderbar funktioniert“, so Schwenzfeier freudig.

Prämierung der schönsten Kostüme

Die Prämierung des schönsten Kostüms sowie der besten Gruppe trübte die Stimmung des Gelsenkirchener Karnevalisten dann jedoch wieder: „Die Verkleidungen sind leider nicht so prickelnd in diesem Jahr, eher dürftig, würde ich sagen. Im Zelt waren auffällige und aufwändige Kostüme dabei, aber zum Zug kommen leider auch sehr viele ohne Kostümierung.“ Ein paar besonders auffällige Jecken ließen sich dann doch finden.

Für die Suche begaben sich Präsident Schwenzfeier und Sitzungspräsident Hans-Georg Schweinsberg, verkleidet als König, in die Menge und fanden schließlich Monika Hinze (46) und Michael Jost (47), die für das schönste Kostüm geehrt wurden. Sie kamen im klassischen Venedig-Karnevalslook, prunkvoll mit Maske. „Wir hätten nie damit gerechnet, dass wir hier gewinnen würden“, freuten sich die Gelsenkirchener. Die beste Gruppe setzte sich aus Jungs der Gelsenkirchen Devils zusammen, sie kamen als übergroßer Minion, Zwerge und Priester. „Um 20 Uhr müssen wir wieder zum Training, aber jetzt wird erstmal richtig Karneval gefeiert“, strahlte Sebastian Busse (28).

Auf der Ehrentribüne wurde währenddessen das Who is Who der Gelsenkirchener Karnevalsszene herzlich empfangen. Neben den Karnevalsgrößen ließen es sich auch bekannte Gesichter aus der Gelsenkirchener Politik, wie etwa CDU-Fraktionsvorsitzender Werner Wöll oder Oberbürgermeister Frank Baranowski, nicht nehmen, einmal im Jahr Jeck zu sein.

Lob: Erle wird immer besser

„Die Narren hier in Gelsenkirchen sind alle verrückt, die Stimmung ist super. Erle wird immer besser“, meint Ilona Goldstein (63), Sängerin der KG Erler Funken. Ob oben auf der Bühne, auf den Wagen oder am Boden, es wurde geschunkelt bis der Arzt kommt. Und der kam in diesem Jahr im wahrsten Sinne des Wortes.

Denn zum ersten Mal war die zahnärztliche Vereinigung mit einem Motivwagen dabei. Doch bis endlich Zahnpasta und Bürsten verteilt wurden, musste bei einem Mix aus Karnevalshits erst einmal geduldig gewartet werden. Da durfte bei viel „Helau“, auch ruhig „Kölle Alaaf“ gespielt werden. „Wir sind heute alle gleich“, riefen die Jecken im Karnevalsrausch.

Der Zug kam mit Verspätung

Nach fast einer Stunde Verspätung kam der erste Wagen des 45. Rosenmontagszuges endlich an der Tribüne vorbei. Der KC Astoria führte den Zug an. Bald folgten die Jecken vom Pütt, einer der jüngsten Karnevalsvereine, dann kamen die KG Piccolo, die KG Erler Funken, die KG Bismarcker Funken, die KG Narrenzunft und zum guten Schluss der KC Grün-Weiß-Resse. Da flogen Kuscheltiere, Bonbons, Popcorn und Bälle durch die Luft.

Vom Boden aus wurden Tulpen, Saft und nochmehr Schnuckerzeug direkt in die vielen mitgebrachten Jutebeutel verteilt. Die Outfit-Trends dieser Session waren auch auf den Wagen vertreten – Ganzkörper-Puschel-Tiere, ein ganzer Zoo. Ein Höhepunkt war auch die Tanzeinlage des Stadtprinzenpaares, auf ihrem Wagen gaben die gekrönten Karnevalisten einen, ihnen würdigen Auftritt zum Besten. Die Tanzgarden am Boden hatten Pech: Wegen einer Technikpanne blieb bei ihren Auftritten die Musik aus und die Funkenmariechen mussten ohne Töne die Hüften schwingen. Dafür bekamen sie dann aber einen besonders lautes, dreifaches „Helau!“.