Roboter für den Ernstfall

Sieht aus wie verspieltes Studium, hat aber einen ernsthaften Nutzungshintergrund: Prof. Dr. Hartmut Surmann (r.) und Masterstudent Christopher Eulering haben an der Fachhochschule Gelsenkirchen einen Einwegroboter für den Einsatz im Katastrophenfall entwickelt. Foto: FH
Sieht aus wie verspieltes Studium, hat aber einen ernsthaften Nutzungshintergrund: Prof. Dr. Hartmut Surmann (r.) und Masterstudent Christopher Eulering haben an der Fachhochschule Gelsenkirchen einen Einwegroboter für den Einsatz im Katastrophenfall entwickelt. Foto: FH
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Der im Studium von Christopher Eulering neu entwickelte „Einwegroboter“ kann andere Robotertypen unterstützen und so vor Verlust schützen. Der günstige Helfer könnte bei Katastrophen zum Einsatz kommen.

Gelsenkirchen.. Was keiner will und doch passiert: ein Brand im Straßentunnel, eine Explosion in der Chemiefabrik, ein Unglück im Stahlwerk. „Dann steht man vor einer Situation, in die man Menschen nicht hineinschicken will, die Helfer haben aber noch gar keinen Überblick, was wie wo und wann möglichst rasch zu tun ist“, erklärt Prof. Dr. Hartmut Surmann (48) die Ausgangssituation für eine Roboterentwicklung.

Gemeinsam mit Masterstudent Christopher Eulering (25) hat er in den letzten Wochen und Monaten an der Fachhochschule Gelsenkirchen im Fachbereich Informatik einen „Einwegroboter“ entwickelt, der die Erkundung in Katastrophensituationen übernehmen soll.

Ein Retter für die Roboter

Auf die Idee kamen Prof. Dr. Hartmut Surmann und Christopher Eulering durch ihre Arbeit an großen, teuren Rettungsrobotern im Rahmen des EU-Projekts NIFTi. „Einen solchen Roboter verliert man ungern“, so die Informatiker. Der neu entwickelte „Einwegroboter“ kann andere Robotertypen unterstützen und so vor Verlust schützen.

Als mobile Basis für den neuen Roboter dient ein Modellauto. Statt der Joystick-Steuerung haben sie jedoch ein großes Lenkrad mit zwei Pedalen für vorwärts und rückwärts an das System gehängt. Eine Kamera ist das Auge des Roboters und überträgt Bilder auf einen Laptop-Bildschirm.

Kein Name - kein eigenes Wesen

Außerdem bekommt das Modellauto noch eine leistungsstarke Router-Antenne, die Anmeldepunkt, Sende- und Empfangsstation ist. Wenn mehrere solcher Einwegroboter mit Router-Antenne losrollen, bilden sie technisch gesehen gemeinsam ein so genanntes „Mesh-Netz“. Auf diese Weise werden Informationen netzgestützt weitergegeben.

Rund 500 Euro kostet ein solcher Einwegroboter. „Das ist absolut aus dem Niedrigpreissektor für Roboter“, so Surmann. Eines wird der Roboter allerdings nicht bekommen: einen Namen. „Mit einem Namen würde ihn der steuernde Mensch zu schnell als eigenes Wesen empfinden“, gibt Christopher Eulering zu bedenken, „und wer schickt ihn dann ins Feuer?“.