Riesige Unterstützung für eine albanische Familie in Gelsenkirchen

Xhemalije Lala (57) mit ihren Söhnen Indrit (31, li.) und Admir (29) aus der Stadt Shkodra in Nordalbanien.
Xhemalije Lala (57) mit ihren Söhnen Indrit (31, li.) und Admir (29) aus der Stadt Shkodra in Nordalbanien.
Foto: Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Bis Dienstagabend haben knapp 60. 000 Menschen eine Online-Petition unterschrieben. Die Familie Lala soll bleiben.

Gelsenkirchen.. Der Freundeskreis von Xhemalije Lala (57) und ihren Söhnen Indrit (31) und Admir (29) wächst. Und unterstützt die Drei aus der Stadt Shkodra in Nordalbanien auch. Sie hoffen auf Bleiberecht, sind aber von Abschiebung bedroht, weil ihre Heimat als sicheres Herkunftsland gilt. Die WAZ berichtete vor einigen Wochen über die ersten Bemühungen von Nachbarn, Freunden, Arbeitskollegen aus dem Liebfrauenstift, Courage-Frauen und Auf Gelsenkirchen.

Die Welle der Unterstützung für die Familie Lala reißt nicht ab – im Gegenteil. Eine Petition an den Landtag, die Astrid Kiepert vom Flüchtlingsbüro auf den Weg gebracht hat, haben bis gestern Abend knapp 60 000 online unterschrieben (change.org/Familie Lala soll bleiben!). Und unter 1800 Kommentaren im Netz gibt es ein (fast) ausschließlich positives Feetback.

Zu den Unterstützern der Familie gehört das Liebfrauenstift, in dem Admir Lala eine Ausbildung beginnen kann. Mit über 70 Teilnehmern war jüngst der Speisesaal des Caritas-Seniorenheims proppenvoll – so groß war das Interesse am Vortrag von Admir Lala über sein Heimatland Albanien. Eingeladen hatte der „Freundeskreis Familie Lala soll bleiben“.

Armut breitet sich aus

Mit wunderschönen Bildern untermalt berichtete Admir Lala über sein Land, dessen wechselvolle Geschichte, über berühmte Menschen, die es hervorgebracht hat, über klare, blaue Strände, wilde Berge und Schluchten, fischreiche Seen und Flüsse ... Ein Paradies, eigentlich. Aber eines, das erhebliche Risse bekommen hat. Heute könne sich in Albanien kaum jemand sicher fühlen, berichtete der 29-Jährige.

Und die Armut breitete sich aus. Die Menschen suchten Einnahmequellen. „Ich bin nicht stolz darauf“, sagte Admir Lala, „aber mein Land war zeitweilig der größte Haschischlieferant der Welt.“ Anderes Beispiel: „In meinem Land sterben so viele Menschen im Straßenverkehr oder werden Opfer von Schießereien, dass man es mit Ländern vergleichen muss, wo Krieg herrscht“. In immer mehr Bereichen habe sich die Korruption ausgebreitet – eine besonders bittere persönliche Erfahrungen machte die Familie Lala mit der Korruption im Gesundheitswesen: „Mein Vater ist daran gestorben. Medizinische Geräte für Untersuchungen gibt es im öffentlichen Gesundheitswesen nicht mehr, nur noch im privaten Sektor und das kostet ungeheuer viel Geld.“

Zum Schluss fragte Admir Lala noch, ob die Zuhörer den Film über eine albanische Hochzeit sehen wollten. Was dann folgte, war alles andere schön: statt fröhlich feiernder Menschen zeigte der Film einen Mann, der mit einer Waffe ziel- und zügellos in die Runde schoss. „Man wird dafür nicht bestraft in Albanien – wer ins Gefängnis kommt, ist nach entsprechenden Schmiergeldzahlungen in einer Woche wieder draußen.“ Admir Lalas abschließende Worte berührten: „Der Mensch muss in Sicherheit leben können, für seine Familie sorgen und eine neue Familie gründen. Deshalb bin ich hier.“