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Arbeitsgericht

Richterin in Gelsenkirchen mag die direkte Art der Menschen

21.01.2015 | 07:00 Uhr
Richterin in Gelsenkirchen mag die direkte Art der Menschen
Ines Koch ist neue Direktorin des Arbeitsgerichts Gelsenkirchen.Foto: Martin Möller

Gelsenkirchen.  Ines Koch ist neue Direktorin des Arbeitsgerichts in Gelsenkirchen. Über 80 Prozent der Fälle werden verglichen. Die Anwälte der streitenden Parteien träten besonnen und gesittet auf.

Ines Koch ist wieder zurück. Die 50-jährige Richterin hatte in Gelsenkirchen von 2002 bis 2014 schon einmal darüber zu urteilen, wer als Sieger den Gerichtssaal verlässt. In der Zwischenzeit hat sie weitere Stufen auf der Erfolgsleiter genommen, ist seit einigen Wochen neue Direktorin des Arbeitsgerichts Gelsenkirchen.

Gelsenkirchen ist schließlich noch eine Nummer größer als Rheine. In der Stadt war Ines Koch sieben Jahre lang Chefin. Hier rückt sie die Frauenpräsenz noch stärker in den Vordergrund. Nachdem sich ihr Vorgänger Johannes Jasper weiter verbessert und zum Landesarbeitsgericht verabschiedet hatte, ist jetzt nur noch eine der fünf Kammern an der Bochumer Straße mit einem Mann besetzt. Ihr erstes Fazit über die Streitkultur in den Verhandlungen klingt positiv. Gerade bei Streitigkeiten zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern kommt es häufiger vor, dass die Rechtsvertreter der Parteien richtig Dampf ablassen und dem Gegner den Marsch blasen. In Gelsenkirchen, so der Eindruck von Ines Koch, träten die Anwälte zwar bestimmt, aber besonnen und gesittet auf.

Kläger äußern sich häufiger direkt

„Ich musste noch nicht eingreifen.“ Der Richterin fällt auf, dass die Kläger sich häufiger direkt äußern und aus ihrer Sicht über den Ärger am Arbeitsplatz berichten. Sie will nicht ausschließen, dass neben einer Verhandlungsstrategie auch die Mentalität der Menschen im Ruhrgebiet dabei eine Rolle spielt, sich stärker gegen vermeintliches Unrecht zur Wehr zu setzen. Auch als Richterin könne man viel lernen und Einblicke gewinnen in Betriebsabläufe und soziale Bindungen. Da müsse man sich auch zurücknehmen können und bei Befragungen behutsam vorgehen und nicht die eigenen Lebensvorstellungen zugrunde legen.

Auch Ines Koch sucht zunächst nach Möglichkeiten, die Konflikte der Parteien einvernehmlich zu lösen. Weit über 80 Prozent der Klageverfahren enden mit einem Vergleich. Eine schnelle Streitbeilegung läge im Interesse beider Parteien. Für Arbeitgeber seien es die unkalkulierbaren Kosten, für Arbeitnehmer die mitunter Monate lange Ungewissheit über die Sicherheit des Arbeitsplatzes. Zusätzlich sieht die 50-Jährige in der Mediation, die von Richterkolleginnen in einem drei- bis sechs Stunden dauernden Gespräch geführt wird, eine Möglichkeit, Streitigkeiten ohne Gerichtsentscheid zu beenden. Die Ergebnisse der Güterichterverfahren sind ebenso bindend wie Urteile. Ines Koch: „Die Erfolgsquote liegt bei nahezu 100 Prozent.“

Täglich ist Ines Koch, die in Greven wohnt, 90 Minuten zu ihrem Arbeitsplatz unterwegs. Im Zug bereitet sie die Sitzungen vor. Mit dem Ruhrgebiet hat sie sich angefreundet. Ines Koch: „Ich mag die Menschen, ihre direkte Art. Ich kann mir gut vorstellen, erstmal ein bisschen hier zu bleiben und auch die Schönheiten wie Theater und Schlösser noch besser kennenzulernen.“

Klaus Johann

Kommentare
22.01.2015
11:35
Richterin in Gelsenkirchen mag die direkte Art der Menschen
von somjotien | #1

Psst...Frau Koch, es wird mal wieder Zeit für einen Friseurtermin....
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2015-01-21 07:00
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