Religionen haben viele Gemeinsamkeiten

Judith Neuwald-Tasbach ist die Vorsitzende der jüdischen Gemeinde in Gelsenklirchen.
Judith Neuwald-Tasbach ist die Vorsitzende der jüdischen Gemeinde in Gelsenklirchen.
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Was wir bereits wissen
Pfingsten ist ein gutes Beispiel dafür, dass Christen und Juden grundsätzlich keinen unterschiedlichen Glauben haben.

Gelsenkirchen.. Pfingsten ist ein gutes Beispiel dafür, dass Christen und Juden grundsätzlich keinen unterschiedlichen Glauben haben. „Das Judentum ist nichts Unbekanntes, nichts Exotisches“, sagt Judith Neuwald-Tasbach, die Vorsitzende der jüdischen Gemeinde Gelsenkirchen. Und das Wochenfest, das Schawuot, eines von drei Pilgerfesten, das in diesem Jahr vom 23. bis 25. Mai gefeiert wird, würde das belegen.

Pfingsten ist ein christliches Fest im besten Sinne des Glaubens. Gefeiert wird die Entsendung des Heiligen Geistes. Dazu wird im Neuen Testament in der Apostelgeschichte erzählt, dass der Heilige Geist auf die Apostel und Jünger herabkam, als sie zum jüdischen Fest Schawuot in Jerusalem versammelt waren.

Das Recht, seine Meinung zu äußern

Warum Neuwald-Tasbach auf diese Gemeinsamkeiten hinweist? Weil sie nach dem Anschlag auf die Neue Synagoge im vergangenen Jahr sehr um Normalität im täglichen Miteinander bemüht ist, trotz aller Sorgen, die bestehen. „Wir glauben ja nicht an andere Dinge, sondern wir leben den Glauben nur anders“, sagt sie. Es würde hebräisch gebetet, in der alten Sprache. Und man nehme und lebe manchen Inhalt einfach wörtlicher.

Der Internetauftritt bietet viele Informationen Judith Neuwald-Tasbach spricht auch über latente Ängste. Warum Juden anders betrachtet oder behandelt würden, das könnten gerade die Kinder in der Gemeinde überhaupt nicht verstehen. „Juden sind Menschen wie du und ich“, sagt sie. Nur die Religion ist anders. Aber die Welt sei bunt und deshalb so lebenswert. „Hitler wollte eine gleichgeschaltete Gesellschaft schaffen. Das wäre doch langweilig. Schön ist die Vielfalt und alle Freiheiten zu haben.“ Etwa das Recht, seine Meinung zu äußern. Etwas anderes würden die 105.000 Juden, die in Deutschland lebten, nicht wollen.

Zwei Bedeutungen

Das Schawuot , erklärt Judith Neuwald-Tasbach, habe eine auf die Natur bezogene und eine historische Bedeutung. „Es ist das Fest, an dem in biblischer Zeit die ersten geernteten Früchte als Dankopfer nach Jerusalem in den Tempel gebracht wurden.“ Noch heute würden Synagogen mit frischem Grün und Blumen geschmückt. Schawuot bedeute „Wochen“. Sieben Wochen lägen zwischen Pessach, dem Beginn der Gerstenernte, und Schawuot, dem Beginn der Weizenernte.

Die wichtigere religiös-historische Bedeutung des Wochenfestes liegt in der Erinnerung an die Offenbarung am Berg Sinai. In der Bibel wird berichtet, dass Moses während der Wanderung des Volkes Israels durch die Wüste am Berg Sinai die zehn bekannten und viele weitere Gebote von Gott erhielt. „Diese Gebote gehörten zu den ersten Sittengesetzen der Menschen“, sagt Neuwald-Tasbach. Auf der Anerkennung dieser Gebote durch die Israeliten beruhe der Bund zwischen Gott und seinem Volk. „Das Volk hat die Verpflichtung übernommen, die Gebote zu befolgen und sie zu verbreiten.“ In diesem Sinne sei die Formulierung „auserwähltes Volk“ zu verstehen. „Sie steht nicht für ein Vorrecht der Juden gegenüber anderen Menschen.“