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Raub-Masche bringt Süchtigen aus Gelsenkirchen ins Gefängnis

06.06.2012 | 17:26 Uhr
Raub-Masche bringt Süchtigen aus Gelsenkirchen ins Gefängnis

Gelsenkirchen.   Ein 30 Jahre alter Gelsenkirchener lenkte das Laden-Personal ab, seine Komplizen machten derweil Kasse. Das Landgericht verurteilte ihn jetzt zu dreieinhalb Jahren Haft und zur Therapie in einer geschlossenen Anstalt.

Die Masche war immer gleich: Vorne lenkte der Angeklagte die Kassiererin ab, hinten räumten Komplizen die Geldschränke leer. Für fünf solcher Taten, jeweils eine in Bottrop und in Gelsenkirchen, muss der Gelsenkirchener Moussa M. (30) jetzt für dreieinhalb Jahre ins Gefängnis. Gleichzeitig wies die XVI. Essener Strafkammer ihn zur Therapie in eine geschlossene Entziehungsanstalt ein.

Schwer drogenabhängig ist der 30-Jährige, der Heroin und Kokain konsumiert. Die Sucht gibt er vor dem Landgericht Essen auch als Motiv der Trickdiebstähle an: „24 Stunden am Tag dreht sich alles um Drogen . Du denkst nur daran, woher das Geld für Drogen kommt.“ Das Gefängnis, in dem er zurzeit sitzt, scheint ihm beim Entzug keine Hilfe zu sein. Jeden Tag komme er auch dort an den Stoff, erzählt er dem Gericht, das sei wirklich kein Problem.

Diebstahlserie in Matratzenladen, Tankstelle und Reisebüro

Die Serie, die ihn vor Gericht brachte, begann schon im Juni 2009 in Wattenscheid. Dort verwickelte er mit einer Komplizin die Verkäuferin eines Matratzengeschäftes in ein Gespräch. Im Büro stahl gleichzeitig ein Komplize Geldbörse, Handy und Brieftasche der Frau. Die nächste Tat im Juni 2010 in Krefeld. In einer Aral-Tankstelle lenkte Moussa M. die Kassiererin ab. Diese Gelegenheit nutzten zwei Komplizen, um aus dem hinteren Teil der Tankstelle Geldkassetten mit insgesamt 1346 Euro Bargeld zu holen.

Zwei Monate später, am 24. September, suchten sie ein Reisebüro mit Lotto-Annahmestelle an der Prosperstraße in Bottrop heim. Die Masche funktionierte wieder gut. Während Moussa M. mit der Kassiererin redete, nahmen die Komplizen 850 Euro aus der Lottokasse mit.

Zur Not Kaffeemaschinen klauen

Nach zwei weiteren Beutezügen in Braunschweig endet die Anklage gegen den 30-Jährigen mit einem schlichten Ladendiebstahl in Gelsenkirchen. Aus der Filiale von „Ihr Platz“ am Bahnhofsvorplatz ließ er Kosmetikartikel im Wert von 65,94 Euro mitgehen. Dem Gericht macht er es nicht schwer. Er gesteht die Fälle, allerdings erinnert er sich nicht an jeden. Der Bottroper Diebstahl wird deshalb eingestellt. Zwar erkennt er sich auf Fotos der Überwachungskamera, aber Details kann er nicht nennen. Angesichts der Vielzahl von Fällen kann das Gericht verzichten.

Haften geblieben ist dem Gelsenkirchener Angeklagten, dass seine Komplizen „mich beschissen haben“ und die Beute viel zu niedrig angaben. „Die linke Ratte“, sagt er über einen. Wenn er aber Stress gemacht und sich beschwert hätte, hätten „die mich nicht mehr mitgenommen“. Dann hätte er Kaffeemaschinen geklaut: „Deren Verkauf bringt immer noch Geld.“

Von Stefan Wette



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