Ratlose Gesichter und blank liegende Nerven am Bahnhof Gelsenkirchen

Am Hauptbahnhof Gelsenkirchen geht wegen des Sturms fast nichts mehr.
Am Hauptbahnhof Gelsenkirchen geht wegen des Sturms fast nichts mehr.
Foto: Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Die Feuerwehr war im Dauerstress, 63 Einsätze bis Abend, zum Glück nichts Dramatisches. Am Hauptbahnhof Gelsenkirchen fuhr bis zum Abend nur noch Abellio und Euregio.

Gelsenkirchen.. 12 Uhr mittags am Bahnhof Gelsenkirchen: Viele ratlose Gesichter, einige blank liegende Nerven, zahllose Handyfotos von der Anzeigentafel, an der hinter fast allen Zügen „fällt aus“ steht.Nur die Linien der Abellio und Euregio fahren noch, nach Hamm und Duisburg. Düsseldorf schafft auch die Euregio nicht mehr anzufahren. Eine S-Bahn sollte eigentlich noch nach Düsseldorf fahren unter Umgehung der normalen Strecke. Der Zug bleibt in Gelsenkirchen. Erst am Abend gegen 19.30 Uhr soll wieder ein IC hier halten. Soll, mit 40 Minuten Verspätung.

Und immer wieder fragen die Kunden auf Bahnsteig 4, wo immerhin ein Bahnmitarbeiter freundlich Auskunft gibt, warum denn die anderen fahren und die Deutsche Bahn nicht. Der Bahnbamte trägt es mit Fassung, erklärt immer wieder geduldig, dass es sich um andere Strecken handelt. Und um ein Privatunternehmen im Gegensatz zur DB. Und dass man nicht wisse, wann es weitergehe. Es hänge vom Sturm ab.

Der Sicherheitsbeamte neben ihm bellt einen fragenden Kunden an: „Haben Sie ein Smartphone? Dann gucken Sie doch mal! Alarmstufe Rot! Unwetterwarnung!“ Der Kunde dreht ab, geht zum Bahnsteig, wo Euregio ihn noch nach Duisburg bringen soll. Andreas Gestwa will zwar eigentlich nach Dinslaken. „Aber vielleicht habe ich Glück und komme von dort weiter.“

Ferienkinder vom Lalok Libre haben Glück, weil Abellio fährt

Im Zwischendeck hockt eine Gruppe mit 23 Kindern. Eine Feriengruppe des Jugendzentrums Lalok Libre. Sie haben Glück. Ihr Ziel ist das Bergbaumuseum in Bochum, Abellio fährt noch, den Rest wird die U-Bahn übernehmen. Die Betreuer sind heilfroh.

Nur ein Schalter im Reisezentrum geöffnet

Unten vor der großen Anzeigentafel stehen Familien mit und ohne Gepäck, Alleinreisende, Gestrandete. Im Reisezentrum ist genau ein Schalter geöffnet, die Schlange ist entsprechend lang. Immerhin gibt es mittlerweile – um 12.20 Uhr – an den Bahnsteigen die Anzeige, dass der Zugverkehr der Deutschen Bahn für heute vollständig eingestellt ist. Und es gibt hin und wieder sogar Durchsagen. Die Gelsenkirchenerin Anneliese Plewka steht mit ihrem Köfferchen verzweifelt am Bahnsteig. Sie wollte nach Dortmund, von da mit dem IC in den Harz, zum Osterbesuch bei der Familie. Daraus wird heute wohl nichts mehr.

Ralf Mues wollte eigentlich nach Recklinghausen, Christopher Loch nach Castrop-Rauxel. Die beiden sind fit am Smartphone und mit dem öffentlichen Nahverkehr, kennen die Schleichwege. Umständlich wird es für sie dennoch,selbst wenn es klappt.

Umständlich wird es für sie dennoch.Sie versuchen es mit Bus und Straßenbahn. Die fahren durchgängig in Gelsenkirchen , ebenso wie die Züge von Abelio und Euregio.

Jemand erzählt etwas von Taxigutscheinen. Aber die Formulare dafür gebe es nur in Essen am Bahnhof, nicht in Gelsenkirchen, habe der Mann im Reisezentrum gesagt. Und in Vorleistung gehen mit der Ungewissheit, ob es im Nachhinein eine Erstattung gibt, muss der Taxinutzer ohnehin.

Die Feuerwehr hat an diesem Sturmtag alle Hände voll zu tun. 63 Einsätze bis zum Abend, 18 umgestürzte Bäume, einer knickte auf einen Drehleiterwagen der Feuerwehr. Der ist deshalb nicht einsatzbereit derzeit. Zu begutachten wie stark die Beschädigung ist, dafür ist an diesem Tag keine Zeit. Fahrbahnen waren überflutet, Kellfer voll gelaufen, an der Münsterstraße hat morgens ein umgestürzter Baum einen Verkehrsunfall verursacht, mit drei Leichtverletzten. Um 17 Uhr beginnt bei den freiwilligen Helfern die zweite Schicht, mit neuen Helfern. .