Raduga sucht noch dringend Gelsenkirchener Gastfamilien

Neun bis 13 Jahre alt sind die Kinder, die Mitte Juni aus Mosyr nach Gelsenkirchen kommen. Für sieben von ihnen fehlen noch Gastfamilien.
Neun bis 13 Jahre alt sind die Kinder, die Mitte Juni aus Mosyr nach Gelsenkirchen kommen. Für sieben von ihnen fehlen noch Gastfamilien.
Foto: WAZ FotoPool
Der Verein holt im Juni Kinder aus der Tschernobyl-Region für vier Wochen nach Gelsenkirchen. Für zwei gehörlose Mädchen wird es medizinische Betreuung geben.

Gelsenkirchen.. Seit 1996 holt der Verein Raduga Kinder aus der strahlenverseuchten Tschernobyl-Region nach Gelsenkirchen, um ihnen hier ein paar unbeschwerte Freizeitwochen zu ermöglichen. Vom 15. Juni bis 14. Juli ist eine 20-köpfige Gruppe mit 14 Mädchen und Jungen im Alter von 9 bis 13 Jahren zu Gast. Was noch kurz vor Toresschluss (wie in der Vergangenheit häufiger) fehlt, sind sieben (!) Gasteltern, die ein Kind oder gerne auch zwei aufnehmen möchten.

Die Situation kennt der Vereinsvorsitzende Ralf Theune. Und er ist auch diesmal wieder optimistisch, dass sich kurzfristig noch Familien finden, die in die Gastelternrolle schlüpfen wollen. Die Kosten für die Reise und für die Unfall-, Haftpflicht- und Krankenversicherung übernimmt der Verein, der wieder ein umfangreiches Freizeitangebot vorbereitet hat. Zweimal die Woche werden die Kinder und ihre Betreuer gemeinsam etwas unternehmen, Freizeitparks, Freibäder oder auch Sehenswürdigkeiten besuchen. „Viele der Kinder lernen Deutsch in der Schule“, zudem können Dolmetscher jederzeit helfen, betont Theune. Sprachbarrieren dürften demnach keine große Hürde sein.

Untersuchungs- und Betreuungstermine in der Uni-Klinik vereinbart

Theune und seine Lebenspartnerin nehmen selbst Polina und Sophia, zwei anderthalb und zweieinhalb Jahre alte Kleinkinder auf, die beide gehörlos sind. „Die Folgen der Reaktorkatastrophe werden gerne verharmlost“, meint Theune, „aber auch und gerade die zweite Generation von Kindern, die nach dem Gau geboren wurden, hat unter der andauernden Strahlenbelastung zu leiden. Neben der Zahl der Fehlgeburten nehmen auch Herz-Kreislauferkrankungen und Behinderungen zu“, ist Theune überzeugt, der zuletzt im Februar in der weißrussischen Region Mosyr war, von wo die Besuchergruppe kommt.

Für Polina und Sophia, die beide im letzten Jahr ein – für Erwachsene dimensioniertes – Hörgeräteimplantat erhielten, hat der Verein Untersuchungs- und Betreuungstermine in der Uni-Klinik vereinbart. „Die Kinder sollen hier therapiert werden“, so Theune. Im Rahmen der Krombacher Spendenaktion wird der Verein (als einer von 100) dieses Jahr mit 2500 Euro bedacht. Das Geld hilft, den Besuch zu finanzieren. Weitere Spenden werden für die Arbeit und die medizinische Betreuung der beiden behinderten Kinder nötig. Spenden-Konto : Raduga, Sparkasse Gelsenkirchen, IBAN DE17420500010127011455.

Info und Kontakt für Gasteltern: Ralf Theune, T. 0173 282 41 95.