Professionelle Pflege braucht mehr Wertschätzung

„Einlaufen“ nannte Uwe Jesiorkowski dieses Bild, das die neuen Pflegeschülerinnen zeigt. Die Bilder hängen im Gang neben der Cafeteria und sind somit für jeden zugänglich.
„Einlaufen“ nannte Uwe Jesiorkowski dieses Bild, das die neuen Pflegeschülerinnen zeigt. Die Bilder hängen im Gang neben der Cafeteria und sind somit für jeden zugänglich.
Foto: Michael Korte
Was wir bereits wissen
Fürsorge, Sachkenntnis, Belastungsfähigkeit, Flexibilität: Der Pflegeberuf ist ebenso komplex wie schlecht bezahlt und gering geschätzt. Eine Ausstellung in den Evangelischen Kliniken in Gelsenkirchen rückt die größte Mitarbeitergruppe in Krankenhäusern in den Fokus. Mit prominenter Unterstützung

Gelsenkirchen.. Sie sind die größte Mitarbeitergruppe in Krankenhäusern. 500.000 professionelle Pflegekräfte arbeiten in deutschen Kliniken, ebenso viele sind in der Altenpflege tätig. Ihre Bezahlung und ihre Arbeitsbedingungen allerdings sind mehr als verbesserungsfähig. Die Arbeit und Rolle der Pflegenden in den Mittelpunkt rückt nun eine Fotoausstellung, die die Evangelischen Kliniken an der Munckelstraße in Auftrag gegeben haben. Bis Juni ist sie hier im Erdgeschoss zu sehen, danach soll sie durch die Republik wandern.

Der Fotograf Uwe Jesiorkowski, der auch die Gelsenkirchener Gesichter bereits fotografierte für das neuen Hans-Sachs-Haus, hat dafür 40 Momentaufnahmen aus dem Alltag der 350 Pflegenden ausgewählt, die in den Evangelischen Kliniken arbeiten. „Who Cares?“ lautet der zweideutige Titel: übersetzt „Wer kümmert sich“ (um die Kranken) oder „Wen kümmert’s“. Kein zufälliger Titel, denn die Missachtung der professionellen Pflegeleistung ist weit verbreitet. Pflegedirektor Ulrich Deutsch will mit dem Projekt, das auch von verstärkten Weiterbildungen für Mitarbeiter begleitet wird, nicht nur Außenstehende aufmerksam machen, sondern auch die Pflegenden selbst stärken

Related content Uwe Jesorkiowski hat den Auftrag in starke Bilder umgesetzt. Bilder, die den täglichen Wettlauf der Pflegenden mit der Zeit, ebenso in den Fokus nehmen wie die psychologischen und physischen Herausforderungen professioneller Pflege. Die Schwester mit der „Meisterschale“ – einer Bettpfanne, dem Symbol, auf das viele sich reduziert fühlen —, beim Händchenhalten mit einer alten Dame, die beatmet wird, beim Trösten, medizinischer Versorgung, OP-Assistenz, beim verzweifelten Luftholen bzw. Rückenstrecken, damit Körper und Seele wieder funktionieren.

Die beste Medizintechnik, die innovativsten Pharmatherapien

Die Eröffnung der Ausstellung übernahm Karl-Josef Laumann (CDU), Beauftragter der Bundesregierung für Patientenbelange und Pflegebevollmächtigter. Pflegende in Deutschland müssten deutlich stärker wertgeschätzt werden, betonte er. „Wir haben die beste Medizintechnik, die innovativsten Pharmatherapien – das lassen wir uns SEHR viel kosten. Auch die angestellten Ärzte haben zuletzt mit viel Selbstbewusstsein viele Forderungen durchgesetzt. Vieles davon wird quasi bezahlt von den Pflegenden,“ resümierte Laumann. Diese müssten ein stärkeres Selbstbewusstsein entwickeln, um ihre berechtigten und in der Bevölkerung längst akzeptierten Forderungen durchzusetzen.

Related content Die Einnahmen durch die Anhebung der Pflegeversicherung müssten nun auch wirklich den Pflegenden zugute kommen. Zudem gelte es, den Arbeitsalltag so zu verändern, dass der Beruf auch ein Berufsleben lang ausgeübt werden könne, Pflegekräfte nicht nach 20 Jahren körperlich und psychisch ausgebrannt sind.