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Drogenschnelltest

Polizei bittet um eine Urinprobe - Vater verliert Fassung

14.06.2012 | 13:23 Uhr
Polizei bittet um eine Urinprobe - Vater verliert Fassung
So sieht der "alte" Schnelltest, der "Drug Wipe" aus.Foto: Bettina Engel

Gelsenkirchen/Marl.  Wenn die Polizei Sie auffordert, mal die Hose zu öffnen und in aller Öffentlichkeit zu pinkeln – verlieren Sie nicht die Fassung. Alles in Ordnung. Es ist eine neue Form des Drogentests, der „Drug Wipe 5“. Einem Gelsenkirchener Familienvater war die Situation so unangenehm, dass er nun einen Anwalt eingeschaltet hat.

Nikolaus Müller (Name von der Redaktion geändert) verlor die Fassung. Der Gelsenkirchener (35) wurde jüngst in der Unterführung der Bergstraße am Einkaufszentrum Marler Stern angehalten. Die Polizei wollte einen Drogentest. Wenn es schnell gehen solle, dann könne er rübergehen zu den Containern, dort in einen Becher pinkeln. Zwei Minuten später könnten die Beamten an einem Teststreifen ablesen, ob er Drogen genommen habe.

Nikolaus Müller war das Gespräch höchst unangenehm, sagt sein Rechtsanwalt Dirk Rütten (33). Denn im Auto saßen seine zwei Kinder (sechs und neun Jahre alt), die hörten mit. Die könnten das Gespräch falsch verstehen, sorgte sich ihr Vater. Möglicherweise würden sie das Erlebnis weitererzählen und damit höchste Verwirrung auslösen.

Die Kinder hörten mit

Die Sorge ist durchaus berechtigt. Denn der neue Drogen-Schnelltest hört sich nicht nur unglaublich an, er ist auch noch weitestgehend unbekannt. Anwalt Rütten mochte die Geschichte seines Mandanten zunächst gar nicht glauben. Und eine Nachfrage der WAZ im Polizeipräsidium in Recklinghausen ergab, dass auch dort das neue Verfahren noch nicht allgemein bekannt ist.

Üblich ist bislang der Schnelltest „Drug Wipe“. Dabei wird mit einem Streifen Papier Schweiß von der Handinnenfläche aufgenommen (es darf auch Spucke sein). Nach 20 Minuten zeigt die Verfärbung an, ob es Anhaltspunkte für Betäubungsmittel gibt. Dann folgt eine Blutprobe auf dem Revier und gegebenenfalls eine Anzeige. Seit Ende letzten Jahres bietet das Präsidium einen anderen Schnelltest an: „Drug Wipe 5“ zeigt schon nach zwei Minuten an, ob der Urinlasser Drogen genommen hat.

Das werde inzwischen häufiger gemacht, erläuterte die Pressestelle des Polizeipräsidiums. Eine Verpflichtung bestehe nicht. Man habe Verständnis, dass nicht jeder „auf Anhieb“ Wasser lassen könne. Andere versagten unter dem öffentlichen Druck. Denn was üblicherweise strengstens untersagt ist, öffentliches Urinieren, das wird bei diesem Drogen-Schnelltest ausdrücklich gewünscht. Eine Erleichterung in Form eines Sichtschutzes bietet die Polizei nicht. Um eine Abgeschiedenheit muss sich der Betroffene selber kümmern – oder auf diese Testversion verzichten.

Container als Sichtschutz

Dem Gelsenkirchener Familienvater bot die Polizei die Container als Sichtschutz an. Doch das behagte dem gar nicht. Die Polizei habe auf einem Urintest bestanden, berichtet der Anwalt. Und gedroht, er werde in Handschellen auf die Wache gebracht. Einen Schweiß- oder Speicheltest habe man ihm nicht ermöglicht. Der Gelsenkirchener ist über das Verhalten der Polizei aufgebracht. Anwalt Rütten kündigte eine Dienstaufsichtsbeschwerde an.

Gert Eiben



Kommentare
18.06.2012
10:40
NRW-Regierung stellt richtig
von somjotien | #56

siehe hier

http://www.derwesten.de/region/alkohol-und-drogentest-was-darf-die-polizei-verlangen-id6769992.html

17.06.2012
20:28
Polizei bittet um eine Urinprobe - Vater verliert Fassung
von Malonis | #55

Ach wo, von wegen peinlich, Männern ist das Draussen- und in Rudelpinkeln nur zu gut vertraut. Und die Beamten haben ihn mit Sicherheit ein bisschen Abseits pinkeln lassen.

17.06.2012
19:40
Polizei bittet um eine Urinprobe - Vater verliert Fassung
von siddartha | #54

@ pucky2

Lass dich nicht reinlegen von JollyGreenGiant /#52.

Wenn man genau liest, bestätigt er dich ja letztendlich. Viele haben sich bei der Polizei schon um Kopf unfd Kragen geredet weil sie sich irgendwie entlasten wollen. Die Polizei ist nur daran interessiert, Beweise gegen dich zu sammeln. Umso mehr du dort erzählst, umso mehr kann verdreht werden. Entscheidend ist letztendlich nur was du später beim Richter oder Staatsanwalt von dir gibst, möglichst natürlich unter fachlicher Beratung.

16.06.2012
19:07
Polizei bittet um eine Urinprobe - Vater verliert Fassung
von silera | #53

Man sollte sich das mal vorstellen ,die Polizei fährt mit einem Anhänger auf dem ein Dixiklo installiert ist für eventuelle Drogentests, Ha.

16.06.2012
14:49
Polizei bittet um eine Urinprobe - Vater verliert Fassung
von JollyGreenGiant | #52

Nun Pucky2 das mit dem ich habe mal gehört ist so eine Sache, die einem viel Ärger einbringen kann. Es heißt nicht umsonst, daß Halbwissen gefährlich ist. Das, was der Bruder des Arbeitskollegen meiner Schwägerin mal erzählt hat, dürfte kaum zitierfähig sein. Tatsächlich braucht niemand im strafrechtlichen Ermittlungsverfahren aktiv mitarbeiten (bis auf wenige Ausnahmen, staatsanwaltliche Vorladungen u.ä.), hat allerdings Duldungspflichten. Die Anordnungskompetenzen sind gesetzlich in den Eingriffsnormen selbst geregelt, alles im Internet nachzulesen. Niemand muß sich durch aktive Handlungen selbst belasten, es erscheint mir allerdings dumm, entlastende Handlungen zu verweigern. Generell bleibt festzustellen, das man sich besser fundiert informieren sollte, bevor man sich durch schleche Ratschläge zusätzlich Ärger einhandelt.

16.06.2012
07:57
Polizei bittet um eine Urinprobe - Vater verliert Fassung
von Pucky2 | #51

Also ich habe mal gehört, dass der Beschuldigte überhaupt nichts zur Aufklärung beisteuern muss, da es die Unschuldsvermutung gibt und die Polizei einem die strafbare Handlung beweisen muss.

Ich bin nicht verpflichtet mich zu entlasten, die Polizei ist verpflichtet mir gerichtsverwertbar eine Gesetzesübertretung nachzuweisen. Sie sind auch ohne meine Mithilfe verpflichtet entlastende Anhaltspunkte zu prüfen. So gesehen kann ich sie vollkommen ignorieren.... Nur ein Staatsanwalt kann mich zur "Mitarbeit im Verfahren " zwingen.

16.06.2012
01:26
Polizei bittet um eine Stuhlprobe - Vater verliert Fassung
von nothdurft | #50

Zu Recht ! Denn demnächts kommt die Stuhlprobe, denn Drogen sind Ballaststoffe und werden als Ballast abgeworfen, und dann hat die Polizeikontrolle ein Dixi-- Kloh dabei. Dann heißt die Drogenuntersuchung " Abortkontrolle "

15.06.2012
14:48
Polizei bittet um eine Urinprobe - Vater verliert Fassung
von JollyGreenGiant | #49

#siddartha
Auch wenn es jetzt in deinen Augen abgehoben klingt: Es ist nicht meine Aufgabe, Nachhilfe in Sachen Recht zu geben. Einiges kann man im Internet nachlesen, Gesetzestexte sind beispielsweise frei verfügbar. darüber hinaus möchte ich nicht auch noch den Unterschied zwischen haftbar und strafbar erklären. Zudem habe ich niemals behauptet, Polizist zu sein und auch niemals Anwälte als albern bezeichnet. Von daher tauge ich wenig als Beispiel für die angesprochene Berufsgruppe. Offensichtlich ist dein Kommentar genau so unpräzise, wie den Rechtswissen und dein Wissen um die Rechtsstellung eines Anwaltes. Die Drohung mit dem Anwalt selbst empfinde ich allerdings als völlig albern. "Ich rufe jetzt meinen Anwalt an!" " Boah, ich auch meinen!" und dann? Es entscheidet im deutschen und auch internationalem Recht kein Anwalt über irgend etwas. Über das argumentationsbefreit lächle ich dann doch mit begründeter Überheblichkeit hinweg.

15.06.2012
13:46
Anwälte sind albern und lösen ein Gähnen aus?
von siddartha | #48

@€von JollyGreenGiant | #47

Zumindest zeigen ihre Kommentare dem Leser das Beispiel des abgehobenen Polizisten, der argumentationsbefreit meint, bei dieser Diskussion über Bürgerrechte mit einem leicht überheblichen Unterton hinweglächeln zu können. Gott sei Dank sind nicht alle Kollegen so.
Der Polizist ist als "Angestellter" der Bürger lediglich ausführender Hilfsbeamter der Richter oder Staatsanwälte. Er hat auch sicherlich nicht das juristische Urteilsvermögen eines promovierten Anwaltes. Vergessen sie das nicht.

In Vorkommentaren schreiben sie das es den Drugwipetest nicht mehr gibt, die Anzahl der negativen Blutentnahmen im Promillbereich liegt, und drohen damit, das sich Kommentatoren hier im Sinne des Rechtsberatungsgesetzes haftbar für irgendetwas machen. Können sie das begründen oder irgendwie belegen?

15.06.2012
12:49
Polizei bittet um eine Urinprobe - Vater verliert Fassung
von JollyGreenGiant | #47

Ach siddartha ich verliere allmählich die Hoffnung in die Vernunft der Menschen. Wer mit einem Video von 2006 ankommt, welches von der technischen und rechtlichen Entwicklung lange überholt ist, ist offensichtlich im Jetzt noch nicht angekommen oder ein Realitätsverweigerer. Auch der ständige Hinweis andere Kommentatoren auf einen Anwalt ist für den Rechtskundigen völlig albern. was bitte soll ein Anwalt in der konkreten Situation wohl ausrichten? Hat ein Anwalt irgendwelchen übergeordnete Befugnisse, die in der Strafprozessordnung nicht genannt sind? Auch die Drohung mit einem solchen löst mittlerweile höchstens noch ein gelangweiltes Gähnen aus. Der Drengler sollte vielleicht den Begriff "Rechtsstaat" noch mal googeln und für alle anderen, die sich noch nicht über den Ablauf Gedanken gemacht haben: Es wird in einen Becher gepinkelt, nicht in die Landschaft, auch nicht vor aller Augen. Darauf kann man aber kommen, wenn nur mal logisch nachdenkt. Und bei der Polizei gibts auch Frauen.

2 Antworten
Polizei bittet um eine Urinprobe - Vater verliert Fassung
von Dr.Seltsam | #47-1

Es wird in einen Becher gepinkelt, nicht in die Landschaft
Stellen Sie dann nach 200 ml ab und packen wieder ein?
Der "Rest" wird wohl in die Landschaft gehen müssen..

Aber auch das sehe ich nicht so sehr als Problem, solange es freiwillig ist.
In diesem Fall wird ja unterstellt, dass es keine Rechtsbelehrung durch die Beamten gegeben hätte.
Im Gegenteil, es soll mit Verhaftung gedroht worden sein, sollte man diesem Test nicht zustimmen.
Ich bin kein Jurist und kenne die möglichen Rechtsmittel nicht.
Würde mir so etwas passieren, ich würde mir wohl auch Rat bei einem Anwalt suchen.

Polizei bittet um eine Urinprobe - Vater verliert Fassung
von JollyGreenGiant | #47-2

Ich weiß, daß die überwiegende Anzahl solcher Pinkeltest entweder auf Polizeidienststellen selbst oder in anderen Toiletten durchgeführt werden und nur in Einzelfällen im Freien stattfinden. Das eine Urinanbgabe nicht erzwungen werden kann versteht sich von selbst. Dies ist praktisch und auch rechtlich nicht möglich. Was einige als Drohung empfinden ist eigentlich die rechtlich notwendige Belehrung über die Freiwilligkeit und die weiteren, an geltendem Recht orientierten Konsequenzen einer Weigerung. Letztlich entscheidet im Falle einer Weigerung ohnehin ein Richter über eine Blutentnahme, wobei diese nach Anordnung, wie alle strafprozessualen Maßnahmen, mit Zwang durchgesetzt werden kann. Das verhindert auch kein Anwalt. Mir ist auch noch nicht zu Ohren gekommen, das die Polizei grund- und wahllos das Land mit Drogenvortest überzieht.

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