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Briefmarkengroßtauschtag

Philatelisten auf der Suche nach Marken in Gelsenkirchen

28.02.2016 | 18:25 Uhr
Philatelisten auf der Suche nach Marken in Gelsenkirchen
Jung sind die Jungen Briefmarkenfreunde Gelsenkirchen nicht mehr. Rund 25 von ihnen kamen am Sonntag zu ihrem traditionellen Großtauschtag im Lutherhaus an der Pothmannstraße.Foto: Martin Möller / FUNKE Foto Services

Gelsenkirchen.   Am Sonntag trafen sich die Jungen Briefmarkenfreunde Gelsenkirchen im Lutherhaus – ein spannender Ritt durch die Geschichte.

Vornübergebeugt sitzen sie an langen Tischreihen vor dicken Alben. Mit der Lupe begutachten sie die kleineren und größeren Schätze, die in ihnen beherbergt sind. Viele sind es nicht an diesem Sonntagvormittag, vielleicht 25. Und jung sind sie auch nicht. Doch. Einer. Denis Machein ist 36 und gebürtiger Gelsenkirchener.

Jetzt lebt er in Rastatt. Ins Revier zurückgekommen ist er, weil heute Großtauschtag ist. Und: Für einen Freund sucht er Frauen. Marlene Dietrich, Annette von Droste-Hülshoff. Mal sehen. Denn im Bereich Briefmarken kann man alles Mögliche sammeln. Am besten, man spezialisiert sich. Aber nicht nur zum Beispiel auf Tiere. Da muss man sich schon fokussieren. Auf Erdmännchen. Oder flugunfähige Vögel. Viele sammeln Länder.

Dennis Machein selbst sammelt Eishockey. Und stellt mit Verwunderung fest: „Den Erich Kühnhackl gibt’s noch nicht.“ Zum Donnerwetter! Das ist der Horst Hrubesch des Kufensports, nicht auf 27 mal 29 Millimeter verewigt. Er nennt andere Themen, die sammelbar sind: Autos, Motive, Kartoffeln.

Kartoffeln? „Das ist bei weitem nicht so schräg, wie das klingt“, schaltet sich Jochen Rausch ein. Das sieht man ein. Die Welt der Kartoffeln ist bunt; sie stammen aus Peru. Der 75-Jährige hat als Kraftwerkbauer die Welt bereist, vier Jahre in China gelebt – und gesammelt. Er zählt auf: „Italien, Luxemburg, Liechtenstein, Vatikan, die Bundesrepublik bis 2013, das Deutsche Reich 1918 bis 1945, einige Variationen für Fortgeschrittene und Abarten. Die DDR habe ich vollständig.“ Er hat auch die Päpste, inklusive des aktuellen. Der sei aber nicht vom Vatikan herausgegeben worden, sondern von einem südamerikanischen Land. Welches, weiß er gerade nicht.

Vollständigkeit ist die Ausnahme

Dass Jochen Rausch die DDR „erledigt“ hat, ist eher die Ausnahme in der Briefmarkensammlerszene, liegt in diesem Fall aber in der Natur der Sache. „Eine Sammlung lebt“, erklärt Friedrich Braun, erster Vorsitzender der Jungen Briefmarkenfreunde. „Jedes Jahr kommen neue Marken heraus.“ Einsteigern rät er zu den Färöer. Die autonome dänische Inselgruppe produziert erst seit 1975 eigene Marken. „Da gibt es noch relativ wenig. Und sie sind erschwinglich.“

Gegen 13 Uhr packt Rausch so langsam seine Sachen. „Für mich gibt’s hier nichts“, sagt er, aber das klingt keineswegs resigniert. Eine Börse ist auch ein Treffen mit alten Bekannten. Dann schlägt er doch noch eines seiner Alben auf und zeigt auf eine Marke, die die Nationalsozialisten während der Besetzung von Teilen der Sowjetunion gedruckt haben. „So etwas interessiert mich gewaltig“, sagt er. Genauso wie eine, die einen Tag vor dem amerikanischen Einmarsch in Wuppertal gestempelt wurde.

35 Mitglieder zählt der Dachverband Gelsenkirchener Briefmarkenfreunde, zehn davon sind in der „jungen“ Gruppe. „In allen Jugendverbänden ringt man um Nachwuchs“, erklärt Friedrich Braun. Der 51-Jährige sieht bei den Briefmarkensammlern allerdings einen konkreten Grund für die geringe Zahl: bei den E-Mails, die heute statt Briefen geschrieben werden.

Das ist schade, denn, so Jochen Rausch: „Briefmarken erzählen viele Geschichten.“

Marcus Römer

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Philatelisten auf der Suche nach Marken in Gelsenkirchen
Philatelisten auf der Suche nach Marken in Gelsenkirchen
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2016-02-28 18:25
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