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Kunst

Performance 2.0

24.03.2009 | 18:51 Uhr

Christian Nienhaus kommunzierte für sein Kunstwerk mit der Welt. Inspiration aus Japan, Russland, China . . .

Buer, es ist kurz nach 18 Uhr. Christian Nienhaus trifft letzte Vorbereitungen. Pinsel, Farbe, Stifte, Kreide, alles muss bereit stehen. Nur noch 60 Minuten, dann kommuniziert der Künstler mit der Welt. Zumindest mit dem Teil, der dabei sein will, bei der Kunst-Performance „Inspire Me”. Denn eingeladen zum Mitmachen ist jeder. Und herum gesprochen hat sich die Kunstaktion, die durch die Möglichkeiten des Web 2.0 erst möglich wurde, rund um die Welt.

„Von einem japanischen Radiosender angerufen zu werden, der auch noch meint, ich spreche japanisch, das ist schon witzig”, lässt Nienhaus die letzten Tage Revue passieren. Ein bisschen sieht er aus wie ein Sanitäter in seiner weißen Arbeitskleidung. Kurz kann er noch mal entspannen, auf dem abgewetzten Ledersofa im Atelier. Doch so ganz will die Anspannung nicht weichen. „Ich habe natürlich darüber nachgedacht, was jetzt passiert. Was mich erwartet, weiß ich aber nicht. Aber ich weiß, ich habe jetzt gleich die schönste Zeit meines Lebens.”

19 Uhr. Der Raum ist abgedunkelt. Kerzen liefern schummriges Licht. Aus den Lautsprechern tönt „Also sprach Zarathustra”. Passend, für diesen historischen Moment. Denn eine solche Kunstaktion gab es noch nie. Das recherchierten Mitarbeiter des Guinness Buch der Rekorde, die ein Auge auf die Performance geworfen haben.

Begleitet von der Anmoderation von Maik Breilmann erscheint der Künstler aus dem Off. Breilmann plante die Performance mit und ist heute quasi Mädchen für alles Technische. Er sortiert die Zuschriften aus aller Welt, die Nienhaus inspirieren wollen.

Nur kurz steht der Künstler vor der weißen Leinwand. Dann wird gleich das erste Bild darauf projeziert. „Left, left”, dirigiert Nienhaus die Projektion, bis sie ihm passend erscheint. Dann geht es los. Auf Bilder folgen Texte, Musikstücke, Grüße, Fotos.

19.34 Uhr. Es wird international. Die erste Mail aus Russland ist eingetroffen. „Inspiration from Russia”, moderiert Maik Breilmann. Hier findet nicht nur eine Kunst-Performance statt, sondern auch eine technische Höchstleistung. Alle Medien stehen den Menschen offen. Da bimmelt das Telefon und eine SMS trifft ein. Dann kommt ein Foto per Mail. Es zeigt einen Mann, der sich ein Bild von Hulk vor das Gesicht hält. Das Grün inspiriert den Künstler. Er nimmt einen Farbtopf in die Hand, wirft Farbe auf die Leinwand.

19.35 Uhr. „Inspiration from China”. Ein kleines Wunder, denn dort unterliegt das Internet einer harten Kontrolle. Mittlerweile sind alle Flächen gefüllt. Doch das hält Nienhaus nicht ab. „Übermalungen sind das, was ich täglich mache”, hatte er eingangs erklärt. Und übermalen tut er auch jetzt. Irgendwann wird der Moment kommen, an dem das Bild fertig ist. „Und dann ist die Sache auch zu Ende.”

23 Uhr. Es ist soweit. Die Performance ist zu Ende. Der Künstler ist fertig, nicht nur mit seiner Arbeit. Aber die hat sich gelohnt. Später will er das Bild an Museen oder Kunstvereinen ausleihen. „Es wird der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt. Vielleicht mit einer Videoinstallation die zeigt, wie die Arbeit entstanden ist.”

Kira Schmidt

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Kommentare
28.03.2009
13:53
Performance 2.0
von Anja Rother | #7

Als ich davon erfuhr, war ich sofort begeistert und fieberte dem Livestream entgegen. An jenem Abend, schnell noch meine Kleine Prinzessin ins Bett gebracht, vorher schonmal den PC gestartet, Glas Rotwein bereit gestellt, ließ mich der Livestream nicht mehr los. Coole Ideen, sehr unterhaltsam und am Ende ein tolles Kunstwerk! Bitte nur weiter so lieber Christian Nienhaus!

26.03.2009
22:44
Performance 2.0
von K. Krämer | #6

-- Nachtrag: Dem obigen Artikel fehlt ein Link auf die Seite des Künstlers:

http://christian-nienhaus.de/

Vielleicht könnte man den ja mal nachtragen...

26.03.2009
22:41
Performance 2.0
von K. Krämer | #5

Wir haben Herrn Nienhaus eine paar Tage vorher per Zufall entdeckt. Schon von der Idee waren wir so überzeugt, dass wir ihn direkt auf unserem Firmenblog gebloggt haben - als Avantgardisten moderner, crowd-gesourcter Kreativ- und Kommunikationsprozesse.
http://tinyurl.com/clfymj

Der Abend im Netz (anstatt Tatort) bestätigte dann auch die Erwartungen. Es war wirklich sehr unterhaltsam. Die einzigartige Spannung, die dadurch die Beobachtung des Kommunikationsverhältnis zwischen den Einsendern und dem Künstler entstand (was wird er bloss daraus machen?), kennt man sonst nur aus dem Improvisationstheater.

26.03.2009
15:45
Performance 2.0
von Petra Küppers | #4

Ich war sehr gespannt auf die Performance und war von der Präsentation und dem Ergebnis sehr beeindruckt. Es war einfach Klasse!

25.03.2009
23:37
Performance 2.0
von Jack Brookcase | #3

Ich habe es per Zufall auf dem US Airways-Flug von Charlotte, Douglas nach Frankfurt gesehen. Mein Sitznachbar hatte einen Laptop dabei und schaute sich diese Performance an. Ich habe zuerst nicht verstanden warum er sich so aufregte das sein E-Mail Verteiler nicht funktionierte. Doch dann berichtete er mir von dieser Kunst und das er ein Foto in das Atelier des Künstlers senden möchte, damit er es als Inspiration in sein Bild einfließen lässt. Da versuchten wir beide irgendwie eine Nachricht zur Erde zu senden...vergebens. Doch wir verfolgten das Spektakel und waren absolut beeindruckt, wie dieser Mann es immer wieder schaffte in solch kurzer Zeit die Leinwand komplett zu verändern. Mein Arbeitsbereich liegt im Content Management und mein Kunstverständnis ist sehr rar - doch diese Vernetzung war beeindruckend und ich hatte mit meinem Flugpartner sehr viel Spaß. Das waren vom Zeitgefühl meine kürzesten 9 Stunden Flug. Vielen Dank

25.03.2009
10:52
Performance 2.0
von Ursula Westermann | #2

Ich gehörte zu den wenigen, die die Chance hatten, im Atelier direkt dabei sein zu können. Es war einfach nur phantastisch. Das Atelier selbst zeigt ja schon das Leben des Künstlers und war daher für sich eine Umgebung, die innehalten ließ. Das Kerzenlicht und die Musik brachten eine Stimmung, die kaum zu beschreiben war. Es knisterte vor Spannung. Die jeweiligen Inspirationen, ob Bild, Text, per Mail, SMS u.s.w. Kamen schlag auf schlag und wurden von Maik Breilmann weitergeleitet, wann immer Christian dazu bereit war. Einfach ein herrlicher Abend, der mich noch lange nicht einschlafen ließ.
Danke dafür
Ulla W.

25.03.2009
09:14
Performance 2.0
von MalteT | #1

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http://hometown-glory.de/2009/03/24/inspire-me-performance/

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