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Blues-Konzert

Ozzy Ostermann „entknebelt“ in der Kaue Gelsenkirchen

28.02.2016 | 18:48 Uhr
Ozzy Ostermann „entknebelt“ in der Kaue Gelsenkirchen
Ozzy Ostermann bestritt am Freitag ein Konzert in der ausverkauften Kaue. Auch dabei: Der Saxofonist Lothar van Staa.Foto: Martin Möller / FUNKE Foto Services

Gelsenkirchen.   Herbert Knebels Gitarrist beeindruckte am Freitag sein Publikum mit Blues und Jazz in der Gelsenkirchener Kaue. Ein geschmackssicherer Lordsiegelbewahrer authentischer, zeitloser Musik.

„Ohne Perücke“ wolle er spielen, begrüßte Ozzy Ostermann seine Gäste in der ausverkauften Kaue, „ein Programm bunt und quer durch den Garten“. Mit Eigenkompositionen und dem, woran sein Herz hänge. Und das trägt Georg Göbel-Jakobi, wie er mit bürgerlichem Namen heißt, am rechten Fleck, sein Geschmack kann sich hören lassen.

„Wer spielt denn da die zweite Gitarre?“ fragte Blues-Neuling Keith Richards Anfang der 1960er-Jahre den Veteranen Brian Jones beim Hören einer Platte aus den 1930ern. „Niemand“, erwiderte der Blondschopf. „Das macht Robert Johnson ganz alleine.“ Da war er baff, der Keith.

Auf Robert Johnson berufen sich die ganz Großen; Eric Clapton ist nur einer von ihnen. Seine Musik und die seiner Zeitgenossen droht, in Vergessenheit zu geraten. Dieser staubige, knochig-knorrige Country-Blues aus dem tiefen Süden der USA scheint out. Blues heißt bei vielen heute (immer noch): bulliger Chicago-Style à la B.B. King. Auch nicht übel, aber ganz anders.

An den übergroßen Johnson fühlte man sich bei diesem Konzert doch nur oberthematisch erinnert. Eben, weil kaum noch jemand dieses Fingerpicking beherrscht. Und: Der Ozzy spielt die Lap-Steel, eine Hawaiigitarre mit Stahlsaiten, die auf dem Schoß gehalten wird. Er spielte sie – solo oder mit Unterstützung seiner kleinen Band – sowohl akustisch wie auch elektrisch verstärkt. Ozzy beherrscht das Instrument virtuos, dann doch wieder ein bisschen Johnson; er nennt es seine „Lachgitarre“. Doch eigentlich heult es eher.

Einzeln, Duo oder als Quartett

„Rescue Rag“, „Black Jack“, „CBT Blues“ oder – als „Hommage“ an Silvio Berlusconi – „Bunga Bunga“ – so hießen einige der Stücke aus eigener Feder, die Ostermann zum Besten gab. Vor fast jedem Song musste er eine neue Gitarre stimmen und beschimpfte zärtlich die teuren Stimmgeräte, bei denen der Vorgang ewig dauert. Diese kurzen Pausen gereichten Lachern.

Einen Teil des Abends gestaltete Ostermann allein, „entknebelt“ vom Frondienst für seinen Arbeitgeber. Obwohl ihm der Job für den Herbert natürlich auch Spaß macht. Diese selbst komponierten Solo-Nummern waren klasse – Country-Blues, wie man ihn nur noch hört, wenn die eigene Plattensammlung ihn hergibt.

Doch auch das Zusammenspiel mit dem Saxofonisten Lothar van Staa als Duo und Peter Deinum (Bass) und Jan Rohlfing (Drums) als Quartett hatte hohe Hörwerte. Mensch, der Ozzy: ein geschmackssicherer Lordsiegelbewahrer authentischer, zeitloser Musik.

Marcus Römer

Kommentare
28.02.2016
19:01
Ozzy Ostermann „entknebelt“ in der Kaue Gelsenkirchen
von gerdg | #1

Herbert Knebel ohne Ozzy geht nicht,aber Ozzy alleine mit seinen Freunde ist ehrlich eine Bereicherung und Wohltat.Ich würde mich sehr freuen wenn ich...
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2016-02-28 18:48
Gelsenkirchen, Ozzy Ostermann, Kaue, Saxofonist,
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