Ohne politische Umwege in die erste Reihe

Seit September 2013 ist die Grünen-Politikerin Irene Mihalic (38) Bundestagsabgeordnete. Die Verbindung zu Gelsenkirchen und den lokalen Grünen blieb naheliegend eng – allein schon, weil ihr Mann Dennis Melerski Grüner Stadtverordneter ist. Insgesamt, findet Mihalic, sei die Ratsfraktion gut aufgestellt. „Alle haben ihre Schwerpunkte gut besetzt.“ Auch zu Joachim Poß, SPD-„Dino“ unter den Bundestagsabgeordneten, und zu MdB Oliver Wittke, seinem und ihrem CDU-Gegenspieler in Berlin, gibt es enge Kontakte, wenn es um die Sache geht. In diesem Fall: der Gelsenkirchener Appell und das Bemühen um einen sozialen Arbeitsmarkt. „Auch wenn es sicher verschiedene Positionen in den Fraktionen gibt, habe ich das Gefühl, dass wir alle das gleiche Ziel haben“, betont Mihalic, die in Berlin nicht die Hinterbänkler-Ochsentour durchstehen musste. Als Obfrau im Edathy-Untersuchungsausschuss und Sprecherin für innere Sicherheit hat sie unerwartet hohe mediale Präsenz bekommen – und sie wird gehört.

Die Abgeordnete hegt große Zweifel an der Glaubwürdigkeit des Zeugen Michael Hartmann. Der SPD-Abgeordnete Hartmann hatte zuletzt Sebastian Edathy widersprochen. Letztlich geht es darum, ob Edathy vor den Kinderporno-Ermittlungen gegen seine Person gewarnt wurde. Und wenn ja, wann und von wem. „Nur einer von beiden kann die Wahrheit sagen. Die SPD ist da natürlich extrem unter Druck“, sagt Mihalic. „Nächste Woche hören wir weitere Zeugen. Ich bin zuversichtlich, dass wir das zumindest klären können. Anfangs hätte ich so eine Dynamik im Ausschuss nicht erwartet.“ Die Debatte führt für sie über den Ausschuss hinaus. Es geht ihr um den Politik-Stil insgesamt. „Da gehen Vertrauen und Glaubwürdigkeit verloren. Wir dürfen uns nicht dem Verdacht aussetzen, dass wir uns im Bundestag gegenseitig schützen. Wir müssen klar sagen, was gewesen ist.“