Offene Ganztagsschule in Gelsenkirchen laut Eltern wenig flexibel
30.03.2011 | 16:34 Uhr 2011-03-30T16:34:00+0200
Gelsenkirchen. Das Projekt Offener Ganztag wird von der Stadt gelobt. Die Redaktion hat nachgehakt: Nicht alle Eltern halten die OGS für einen Bestseller. Eine Mutter aus Gelsenkirchen-Buer übt vor allem Kritik an den unflexiblen Betreuungszeiten.
Das Projekt der offenen Ganztagsschule (OGS) in Gelsenkirchen – Oberbürgermeister Frank Baranowski präsentierte es gerade als „Erfolgsgeschichte“ . Viele betroffene Eltern sprechen der OGS die Bestseller-Qualitäten jedoch ab: zu starr, zu wenig familienfreundlich seien die Strukturen, zu rar die Plätze.
Stadtweit werden derzeit 2400 Kinder in 100 OGS-Gruppen von 8 bis 15 bzw. 16 Uhr betreut, darunter auch die zwei Töchter (7 und 9) von Anna Hering aus Buer (Name von der Redaktion geändert). Einerseits ist die 46-Jährige, mit einer vollen Stelle im öffentlichen Dienst tätig, „heilfroh und dankbar“ , die Plätze an der Urbanusschule ergattert zu haben, „denn sonst hätte mein Mann oder ich den Job aufgeben müssen.“
Andererseits ärgert sie sich über die Unflexibilität des Systems OGS: „Laut Vertrag muss ich meine Töchter an jedem Schultag in die OGS schicken, auch wenn ich die Betreuung nur an zwei oder drei Tagen in der Woche benötige. Begründet wird dies mit der Kontinuität der pädagogischen Arbeit, aber damit nimmt man mir die Möglichkeit, mit den Kindern zu essen und Hausaufgaben zu machen. Das ist eine Fremdbestimmung, die ich als untragbar empfinde, erst recht wenn Lehrer negativ über die Eltern reden, die ihre Kinder in der OGS ,parken’, wie es heißt.“
Lange Warteliste für Anmeldung
Diese Kritik laut und mit ihrem Namen zu äußern, wagt die 46-Jährige nicht aus Sorge, die OGS-Plätze zu verlieren. Schließlich gebe es eine lange Warteliste, längst nicht alle Eltern kämen zum Zuge. „So bleibt mir nur, mich zu fügen und darauf zu hoffen, dass die ansonsten sehr engagierten Betreuerinnen ein Auge zudrücken, wenn ich alle paar Wochen einen Arzttermin vorschiebe, damit ich einen Nachmittag mit den Kindern verbringen kann.“
Die Bueranerin Lisa Müller (Name von der Redaktion geändert) hat ihre Kinder aus den gleichen Gründen gar nicht erst bei der OGS Urbanusschule angemeldet. „Ich will mir doch nicht die Zeit vorschreiben lassen, die ich mit meiner Tochter verbringe“, sagt Lisa Müller (32). Die verheiratete Mutter einer Erstklässlerin (6) und eines Vierjährigen arbeitet im Schichtdienst „nur“ als Teilzeitkraft, „gerade weil ich meine Kinder noch selbst betreuen möchte; aber genau dafür werde ich letztlich bestraft, wenn die OGS starre Abholzeiten um 15 bzw. 16 Uhr vorschreibt.“
Familienfreundlicher sei es, einzelne Tage buchen, OGS-Plätze teilen zu können und eine Betreuung über 16 Uhr hinaus anzubieten. Die jetzigen Betreuungszeiten trügen weder dem Bedarf von Teilzeit- noch Vollzeitkräften Rechnung.
Stadt fühlt sich nicht zuständig
So bucht sie je nach Wechselschicht Freundinnen oder mal die eine, mal die andere Oma/Opa-Seite, um die Sechsjährige pünktlich um 13.15 Uhr von der Verlässlichen Schule abzuholen und zu betreuen. „Wie lange das der Gesundheitszustand der Großeltern noch zulässt, weiß ich nicht.“
Die Stadt wollte sich auf WAZ-Anfrage zu der Kritik nicht äußern, da sie nicht zuständig sei. Bernd Zenker-Broekmann vom Kommunalen Bildungsbüro erklärte, die Stadt habe keinen Einfluss auf die Bring- und Abholzeiten, weil diese im Erlass des Schulministeriums zur Ganztagsbetreuung vorgeschrieben seien.
„Der Erlass regelt auch, dass die Schüler die OGS täglich besuchen müssen, aber für Kinder, die Musik- oder Sportkurse besuchen oder zu Omas Geburtstag wollen, sind Ausnahmen möglich.“ Dass einige Eltern eine Verlängerung der Betreuungszeit über 16 Uhr hinaus wünschen, überrascht Zenker-Broekmann. „Bisher gibt es dazu wenige Anfragen.“
21:54
@#Telgter: Das ist schön, dass sie so ein einfaches, um nicht zu sagen primitives Weltbild haben. Nur entspricht es leider nicht der tatsächlichen Wirklichkeit, ist nur eine Zusammenraffung von Vorurteilen und Unwahrheiten. Und zu ihrer damals-Theorie: auffällige Kinder wurden sofort in eine Sonderschule oder ein geschlossenes Heim überstellt und jeglicher Zukunftchancen beraubt, Eigeninitiative und Phantasie wurden massiv mit Schlägen und seelischen Misshandlungen, gerade bei unseren kirchlichen Einrichtungen, unterbunden.
19:45
Wofür zeugtihr überhaupt Kinder, wenn ihr sie nur sehen wollt, wenn es euch in den Kram passt? Die beste Ganztagsschule kann die Erziehung zu Hause nicht ersetzen. Wofür gehen die meisten denn doppelt arbeiten? Auto, Urlaub ... Antwort auf die Frage, wo Armut beginnt: Wenn ich nicht mehr in den Urlaub fahren kann! Welch ein Schwachsinn. Fragt eure Eltern und Großeltern, die ihre Kinder ohne diese ganzen Mätzchen an Hilfen erzogen haben. Damals musste auch kaum ein Kind wegen Überforderung oder aus Verlustängsten zum Seelenklempner. Weiter so!!!
11:55
Ehrlich gesagt hab ich mich über den Artikel, in dem sich unser Bürgermeister auf die Schulterklopfen läßt, sehr geärgert. Ich versuche seit November einen OGS-Platz für meine Tochter zu bekommen. Anträge sind gestellt und auf Nachfrage bei der Grundschule erhält man die Auskunft: Die Sachen werden geprüft und nach Bedürftigkeitskriterien vergeben. Toll, ich arbeite in Teilzeit und bin verheiratet und unser Familienleben ist normal. D. h. im Klartext meine Chancen auf einen Platz gehen geben NULL. Die Vergabe geht nämlich nach dieser Prioritätenliste: 1) Das Jugendamt interveniert
2) Alleinerziehend
3) beide Elternteile voll berufstätig
So und wenn man normal ist hat man leider die A-Karte. Die Schulleiterin gab mir den Tipp, meine Tochter doch an eine andere Schule anzumelden. Super!
Wenn man die Zahl von 2400 betreuten Kinder auf die 100 OGS-Schulen runter bricht, dann sind das 24 Kinder pro Schule. Und das ist wirklich ein Erfolg??? Und wenn ich höre das das Schulamt völlig überrascht über die Wünsche nach längeren Betreuungszeiten ist, dann frag ich mich in welcher Parallelwelt die leben. Bei einer Betreuungszeit von max. 08:00 - 16:00 Uhr ist eine Vollbeschäftigung wohl kaum möglich. Eine Frechheit sind solche Aussagen. In der Politik wird um Frauenquoten gestritten - vielleicht sollte man erst einmal die Grundlagen für eine berufliche Karriere schaffen und dann über Quoten streiten. Es müssen einfach mehr OGS-Plätze her und diese dem Berfusleben der Eltern angepaßt. Lieber Herr Oberbürgermeister, auch wenn Sie der falsche Ansprechpartner sind, vielleicht nehmen Sie sich ja der Sorgen Ihrer Wähler an und bringen das Thema mal auf die Tagesordnung der VERANTWORTLICHEN.
P.S. Starten Sie doch einfach mal aus Spaß eine aktuelle Umfrage in den Kitas Grundschulen nach dem Bedarf und der Zufriedenheit - Sie werden sich wundern ...
09:25
Auch mich hatten die doch sehr starren Abholzeiten in der OGS gestört, als meine Kinder noch in die Grundschule gingen. Außerdem das ständige Auffordern, Drängen oder befehlen, dass man sein Kind doch jeden Tag zu bringen habe. Und möglichst bis zum Ende der Betreuungszeit. Ich habe die Zeiten gebraucht, weil ich im Schichtdienst arbeite, aber eben nicht jeden Tag nachmittags abwesend bin. Und da freue ich mich, meine Kinder zu sehen und sie selbst zu erziehen. Ich bezahlte gerne den vollen Betrag für die OGS, nur ließ ich meine Kinder nicht nicht gerne komplett fremderziehen. Mir kam die ganze Sache eher so vor, dass die OGS die Kinder die komplette Zeit am Ort behalten wollte, um Anspruch auf Zusatzpersonal zu bekommen. Außerdem ist mir aufgefallen, dass bei unserem Ältesten die Noten während des 3. Schuljahres deutlich abgesunken sind, und er im 4. Schuljahr, als er auf eigenen Wunsch nicht mehr in die OGS wollte und seine Hausaufgaben wieder zu Hause machte, der Schnitt wieder besser wurde.
Grundsätzlich bin ich für die OGS, aber nicht in der jetzt ausgeführten Form. Sie ist zu starr und zu unflexibel, und zu sehr auf das Personal ausgerichtet. Dabei bezahlen die Eltern, d.h. die OGS ist Dienstleister und hat sich am Bedarf des Kunden/Kindes/der Eltern zu orientieren. Nicht jedes Kind, das die OGS besucht ist ein Kind mit erhöhtem Förderbedarf, ein Großteil der Kinder ist dort wegen der nicht anpassbaren Arbeitszeiten der Eltern. Und dass heißt einfach manchmal, dass um 14.00 Uhr Feierabend eines Elternteils ist, und dieses dann erst um 14.20 Uhr zu Hause ist. Nur wegen dieser Zeit das Kind dazu verdonnern, bis 15.00 oder 16.00 Uhr in der OGS zu bleiben, das ist ein Unding. Hier ist noch sehr großer Handlungsbedarf, um die OGS familiengerechter zu machen. Ich sehe da auch gute Möglichkeiten, da ja hauptsächlich pädagogische Fachkräfte eingestellt sind, die diese Aufgaben stemmen können, allein durch ihre Qualifikation!