Nur Hochzeitsgäste bleiben Hotelbetten treu
11.08.2009 | 17:54 Uhr 2009-08-11T17:54:00+0200
Dagegen spüren die Gelsenkirchener Hotels zum Teil Einbrüche bei den Business-Gästen. Manche locken mit Sonderpreisen
Die Wirtschaftskrise macht auch vor der Hotelbranche nicht Halt. Vor allem die ausländischen Touristen kehrten Deutschland den Rücken. Auch Gelsenkirchen bleibt nicht verschont, stellten wir bei einer Hotelumfrage fest.
„Wir merken die Krise natürlich wie alle anderen auch,” bekannte Walter Chytra, Hotelmanager im Maritim. Das 400-Betten-Hotel am Stadtgarten hatte sechseinhalb Prozent weniger Gäste als im Vorjahreszeitraum. Speziell im Business-Bereich wäre der Einbruch auffallend. Ein Rezept dagegen? „Es gibt keins”, so Chytra, der zumindest sagen kann, dass die Frühbucher-Rabatte gut angenommen werden. Und die großen Events in der Arena helfen allen Hotels weiter: „Wenn U2 hier spielt, davon profitieren alle”, weiß der Hotelmanager.
Exakt ein Zehntel der Bettenanzahl hat das Hotel Monopol in der Springestraße in Buer, aber ähnliche Sorgen. Heinz Früsener, Vater der Inhaberin Nadja de Manna und „Hausmeister” im Familienbetrieb, kann ein Klagelied singen: „Jede Firma versucht hier die Preise zu drücken, was natürlich Einfluss auf die Preisgestaltung hat.” Und die Auslastung zum Vorjahr? „Wenn man das Spiel mitmacht, bleiben die Belegungszahlen konstant”, so Früsener, der von Preisabschlägen bis zu 20 Prozent spricht.
Den beiden Mitstreitern widerspricht Thomas Gladigau vom Marriott-Hotel neben der Schalker Arena entschieden: „Die Wirtschaftskrise merken wir nicht, wohl aber, dass die großen Messen in Düsseldorf oder Essen dieses Jahr nicht stattfinden.” So wären Zahlenvergleiche mit dem Vorjahr eher verfälschend, wenn die nur alle vier Jahre stattfindende Drupa-Messe in Düsseldorf einberechnet sei, die allen Hotels in Gelsenkirchen zwei Wochen das Haus fülle. Ähnliches vermeldet der Hotelmanager auch von den Arena-Veranstaltungen. Interessant zu beobachten sei aber eine Änderung im Buchungsverhalten: Spontaner und kurzfristiger laufen nun die verbindlichen Buchungen ein. „Aber Schnäppchen-Jäger sind bei uns fehl am Platze, wir machen keine Dumping-Preise”, meint Gladigau.
Von „erheblichen Verlusten” spricht auch Andrea Schmidt vom Ibis-Hotel am Bahnhof. Mit Sonder-Aktionen wie „drei Nächte wohnen - zwei bezahlen”, versucht die Hoteldirektorin das Schlimmste abzufedern. Nur bei Arena-Events könnte sie die 170 Betten doppelt verkaufen, „aber das rettet uns nicht übers Jahr”, so Schmidt.
Das Hotel Schloss Berge hat keinen Grund zu großer Klage, das kleine Hotel mit nur elf Zimmern merkt allenfalls einen Rückgang bei den Tagungsgästen. „Es fing mit den zurückgehenden Weihnachtsfeiern an und setzte sich im Laufe des Jahres fort”, berichtete Jörg Belge. Eine „Sonder-Konjunktur” hat das Hotel aber bei Hochzeitsgästen, die gleich die Übernachtung mit buchen. „Da sind wir recht krisensicher, geheiratet wird schließlich immer”, meint der Direktions-Assistent.
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