„Nur gut muss es sein“
20.02.2010 | 13:00 Uhr 2010-02-20T13:00:00+0100
2006, zum 100. Geburtstag von Anton Stankowski, richtete die Staatsgalerie Stuttgart eine umfassende Retrospektive aus. Gelsenkirchens Museumschefin Leane Schäfer entschied sich im Kulturhauptstadtjahr deshalb gegen eine neuerliche Werkschau und entwickelte mit der Stuttgarter Stankowski-Stiftung ein Konzept mit gänzlich anderem Schwerpunkt.
Die große Ausstellung „Der Kreis um Anton Stankowski“, die am Sonntag (11.30 Uhr) im Kunstmuseum an der Horster Straße eröffnet wird, stellt den aus Gelsenkirchen stammenden Grafiker, Maler und Fotografen in den Kreis seiner Freunde.
„Ob Kunst oder Design ist egal - nur gut muss es sein.“ Das geflügelte Wort von Anton Stankowski (1906 - 1998) ist nicht nur Namensgeber der Ausstellung, es liefert auch die inhaltliche Leitlinie. Für den aus Gelsenkirchen stammenden Grafiker, Maler, Fotografen – ohne dessen Arbeit viele Weltunternehmen, nicht nur die Deutsche Bank mit ihrem Stankowski-Balken, ein anderes „Corporate Design“ hätten – bestand kein Unterschied zwischen „freier“ und angewandter Kunst. Viele in der Ausstellung vertretenen Künstlerfreunde empfanden sichtbar ähnlich, und wo doch einmal eine Arbeit das Selbstverständnis ihres Schöpfers als „richtiger“ Künstler erahnen lässt, wird das vermeintlich Trennende prompt durch eine Zeichnung, eine Fotografie, ein Plakat Stankowskis überspielt.
35 Freunde sind im Museum versammelt, 35 von fast 150 Künstlern, mit denen der Pionier des Grafik-Designs in sieben Schaffensjahrzehnten engen Kontakt pflegte und unter denen Leane Schäfer eine Auswahl zu treffen hatte. Die Ausstellung mit ihren 195 Exponaten ist in chronologisch geordnete Blöcke unterteilt, in die wiederum Anton Stankowski nur als einer von vielen integriert ist.
Das führt zu einem ungewöhnlichen Effekt: Wann zuletzt bereitete eine hochkarätige Kunstausstellung solch intellektuelles oder/und ästhetisches Vergnügen, dass man eigentlich von einem riesigen „Spaßfaktor“ reden möchte? Man muss den „eingekreisten“ Stankowski schon suchen, und diese Suche ist oft geradezu abenteuerlich. Was da hängt, und wie es gehängt ist, im Verhältnis zueinander und im zeitlichen Kontext – das erinnert über weite Strecken an das, was man aus dem Jazz als „Call & Response“ kennt, als Ruf und Antwort, als Folge von inspirierender Aktion, lustvoller Reaktion, fr eundschaftlicher Gegenreaktion. . . Da ist etwa der experimentelle Fotograf Stankowski, dessen Fotomontage aus den 20ern so eindeutig wie eigenständig Bezung nimmt auf das Foto „Lotte Auge“ seines Folkwang-Professors Max Burchartz (mit dem er, für das Hans-Sachs-Haus in Gelsenkirchen, das erste Farb-Leitsystem Deutschlands entwarf). Da ist der Maler Stankowski, dessen Temperabild „Zwei gestufte Quadratzentren“ aus seiner Stuttgarter Zeit (50er, 60er Jahre) fast noch „quadratischer“ erscheint als ein 12 Jahre älteres Quadrat von Josef Albers. Oder der mit Typogrammen spielende Grafiker Stankowski, der in den 80er Jahren die konkrete Poesie seines Freundes Helmut Heißenbüttel aufgreift, dabei aber sein eigenes gestalterisches Spiel mit semantischer Bedeutung treibt. Selbst bei den selbstgebastelten Grußpostkarten, die sich die Freunde manchmal zuschickten, gilt das Leitmotiv: Was immer sie auch sein mögen – sie sind einfach gut.
Kunstmuseum, Horster Straße 5-7. Geöffnet vom 21. Februar bis zum 18. April täglich außer montags von 11 bis 18 Uhr. Der Eintritt ist frei. Der Katalog kostet 20 Euro. Infos Tel. 169 4361
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