NPW brilliert in Gelsenkirchen mit Hommage an Shakespeare

Eine Konzertimpression der Neuen Philharmonie Westfalen –  im Bild: Flötist Vukan Milin.
Eine Konzertimpression der Neuen Philharmonie Westfalen – im Bild: Flötist Vukan Milin.
Foto: Michael Korte
Was wir bereits wissen
Die Bühne des Musiktheaters ist am Montagabend bereitet für den „Sommernachtstraum“ von Felix Mendelssohn-Bartholdy, op.61 – grandios.

Gelsenkirchen.. Drei schwebende Flötenakkorde heben den imaginären Vorhang, flirrende Streicher, die sich huschenden Waldbewohnern gleich im Schwarm erheben und senken, gesellen sich hinzu – die Bühne des Musiktheaters ist am Montagabend bereitet für den „Sommernachtstraum“ von Felix Mendelssohn-Bartholdy, op.61. GMD Rasmus Baumann treibt die Neue Philharmonie in rauschende „crescendi“, dann ein Paukenschlag, die Lichtung ist frei für das Theaterspektakel.

Schauspieler Sebastian Schwab schlüpft in die Rolle des Puck, „der Geist, der alles wandelt“ – Hofnarr, Kobold und Unruhestifter zugleich. Der Monolog aus der Feder des österreichischen Schriftstellers Franzobel fasst William Shakespeares Komödie brillant zusammen, gespickt mit Originalzitaten, angereichert mit zweideutigen Bezügen in moderner Sprache, die dem englischen Meister gefallen hätten.

Duell und Tod des tragischen Helden

Das Zusammenspiel von Redner und Orchester ist fantastisch, perfekte Einsätze nach Scherzo und Elfenmarsch, wunderschöner Sprechgesang „Bunte Schlangen fort von hier“ auf dem zarten Spiel des großen Orchesters. „O Nacht, O Hand“, das bizarre Schauspiel im Schauspiel der Rüpeltruppe um Zettel entlockt dem ausverkauften Haus ebenso viele Lacher, wie die Verabschiedung Schwabs mit Currywurst und Tschüssikowski – sein Gruß an das Ruhrgebiet (Franzobel spricht im Original von Zwetschgendatschi und Burgtheater). Über allem die elfenhafte Musik Mendelssohns, die in eine Zauberwelt entführt. Nach der Pause ein weiterer Paukenschlag, diesmal als Beginn markerschütternder Dramatik. „Hamlet f-moll“ von Peter Iljitsch Tschaikowsky lässt Bratschen, Celli und Kontrabässe in verzweifelten chromatischen Abwärtsbewegungen taumeln, Trompetentöne fallen wie Peitschenhiebe, kurze atemlose Stille, dann erhebt sich erneut das düstere Thema. Nahtlos schließt sich der Monolog „Sein oder Nichtsein“ aus Shakespeares Werk an. Schlicht und gerade deshalb gehaltvoll kommen die gewichtigen Worte des dänischen Prinzen über die Lippen von Sebastian Schwab. Duell und Tod des tragischen Helden stehen am Ende der Suite, das Orchester schwingt sich auf zu einem gewaltigen Klang, entrückte Streicher, entfesselte Bläser, Schlagwerker im Rausch: grandioser Schlusspunkt eines hochemotionalen Abends – und der Spielzeit.