Neues Schließsystem macht Tigergehege im Zoom Gelsenkirchen sicherer

In der Zoom Erlebniswelt in Gelsenkirchen wurde nach einem tödlichen Tigerangriff auf eine Tierpflegerin in Köln ein neues Sicherheitssystem im Tigergehege installiert.
In der Zoom Erlebniswelt in Gelsenkirchen wurde nach einem tödlichen Tigerangriff auf eine Tierpflegerin in Köln ein neues Sicherheitssystem im Tigergehege installiert.
Foto: Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Nach den tödlichen Attacken auf Pfleger in den Zoos von Köln und Münster rüstete die Zoom Erlebniswelt mit einem ausgeklügelten Schließsystem nach.

Gelsenkirchen.. Manu und Thrax, die beiden eleganten sibirischen Tiger, räkeln sich faul in der Sonne, gähnen gelangweilt und schnurren wie die Kätzchen. Dabei gelten die vier Jahre alten Brüder als die gefährlichsten Raubtiere, die zurzeit im Gelsenkirchener Zoo zu Hause sind. Kein Wunder, dass die Tiger in einem Hochsicherheitstrakt leben. Der wurde vor wenigen Tagen noch einmal aufwendig nachgerüstet mit einem ausgeklügelten, mechanischen Sicherheitssystem.

Der Grund ist ein tragischer: Im September 2013 kam im Allwetterzoo in Münster ein 57-jähriger Pfleger nach einer Tigerattacke ums Leben. Kurz zuvor hatte es einen ähnlichen Unfall in Köln gegeben. Beide Zoo-Mitarbeiter hatten vergessen, eine Schiebertür zu schließen, als sie das Reich der Tiger betraten. Nach diesen schrecklichen Ereignissen müssen nun Zoos auf Anweisung der Behörden nachrüsten und die Sicherheitssysteme für gefährliche Raubtiere optimieren.

Die Höhle des Löwen

„Eine direkte Begegnung mit einem Tiger würde kein Mensch überleben“, weiß auch Tierärztin Dr. Pia Krawinkel. Und sie ist sicher: „Es gibt für einen Tierpfleger nichts Tödlicheres als die Routine.“ Kurz mit den Gedanken woanders, einmal nur für Sekunden abgelenkt, schon kann es passiert sein. Um das zu verhindern, entwickelte die Vredener Firma Haake, die eigentlich Sicherheitssysteme für Großmaschinen konzipiert, einen ausgeklügelten Schließmechanismus. Nur wenn dabei ein Rädchen ins andere greift, können die Schieber zwischen Außengehege und den Schleuse geöffnet werden.

„Achtung Gefahrenbereich“, warnt ein Schild an der Stahltür. Dahinter noch eine zweite, dann geht’s endgültig in die Höhle des Löwen. Nur ein einziger Schlüssel existiert für diese Schleuse, damit sie nicht zufällig ein zweiter Pfleger betreten kann. Zwei Spiegel leuchten tote Winkel aus. Kein Tier, das durch den Raum tigert? Also rein. Das Gefühl – mulmig. Wie sicher ist sicher? Nein, Angst kenne sie nicht, sagt Ärztin Krawinkel, „aber Respekt.“ Derweil dösen die Großkatzen im Außengehege.

Löwen, Hyänen, Menschenaffen und Bären

Jede der fünf Tigerboxen ist standardmäßig mit zwei Schlössern ausgerüstet. Neu ist ein System aus Stahlschlüsseln Schlüsseln, die von den Türen abgezogen und in einen Sicherungskasten gesteckt werden müssen. Erst wenn alle stecken, kann der sogenannte Tigerschlüssel abgezogen und benutzt werden. Wie eine Art Riesenpuzzle: „Fehlt nur ein Teil, ist keine Tür zu öffnen“, sagt Zoom-Sprecherin Sabine Haas. Das neue System, das nun auch in den Gehegen der Löwen, Hyänen, Menschenaffen und Bären installiert wird, kostet den Zoo einen sechsstelligen Betrag im unteren Bereich. Eine Investition ins Leben.