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Nazis holten 13-Jährigen aus dem Schulunterricht

09.10.2012 | 21:00 Uhr
Nazis holten 13-Jährigen aus dem Schulunterricht

Gelsenkirchen.  Es war der 28. Oktober 1938, als Nazi-Schergen den 13-jährigen Hermann Neudorf aus dem Schulunterricht am Realgymnasium in Horst (heute Gesamtschule) holten. Ein Leidensweg begann...

Gemeinsam mit seiner Mutter Frieda wurde Hermann Neudorf nach Polen ausgewiesen, wo die beiden bereits einen Tag später eintrafen. Es war der Beginn eines langen Leidensweges. Hermann Neudorf, einziges Kind von Simon Arie und Frieda, sollte den Holocaust als einziger der dreiköpfigen jüdischen Familie überleben ...

Es war eine bewegte Zeit zwischen Ausweisung und Kriegsende. Lebensgefahr war ständiger Begleiter des Jungen, der am Ende Buchenwald-Häftling Nr. 82609 war.

Mit letzter Kraft begab sich Neudorf auf den von der SS angeordneten „Todesmarsch“ von Weimar nach Dachau, als amerikanische Soldaten ihn und seine Mithäftlinge unweit von Jena befreiten. In seinen Aufzeichnungen über diese Zeit schrieb er: „Ich werde diesen 14. April 1945, den Tag meiner Befreiung, nie vergessen.“ Zum ersten Mal wieder wie ein Mensch in einem Bett schlafen ...

Vater Simon Neudorf wurde 1941 ermordet

Hermann Neudorf, knapp 20 Jahre alt, war allerdings auch allein. Seine Mutter Frieda wurde am 28. Juli 1944 bei der Auflösung des Konzentrationslagers Kaiserwald von den Nazis erschossen. Vater Simon Neudorf, nach dem Überfall der Deutschen auf Polen ins KZ Sachsenhausen verschleppt, wurde dort am 14. März 1941 ermordet. Die Urne mit seinen sterblichen Überresten wurde der Familie gegen Gebühr zugestellt; die Beisetzung erfolgte am 16. April 1941 auf dem jüdischen Friedhof in Ückendorf . Möglich war das, weil Hermann und Frieda Neudorf die Flucht aus dem Ghetto in Lodz gelungen war und sie im Juni 1940 nach Gelsenkirchen zurück kehren konnten.

Der Leidensweg von Mutter und Sohn ging weiter – mit der ersten Aufforderung für die Deportation. In seinen Erinnerungen, die Hermann Neudorf niedergeschrieben hat, steht es so nachzulesen: „Am 20. Dezember 1941 erhielten wir von der Gestapo, Staatspolizeistelle Gelsenkirchen, die erste Aufforderung: ,Sie haben sich auf einen Transport zum Arbeitseinsatz nach dem Osten vorzubereiten. An Gepäck darf 10 RM mitgenommen werden. Die Fahrtkosten sind selbst zu entrichten.’ Also alles das, was wir nach den Judenpogromen des 9. November 1938 wieder mühsam angeschafft hatten, sollte zurückgelassen und den raubgierigen Nazis preisgegeben werden!“

Trost bei Holocaust-Überlebenden

Weiter schrieb Neudorf: „Meine Mutter lag krank darnieder. Die Nerven der schwergeprüften Frau versagten. Es war zu viel, seit dem furchtbaren 9. November ... Täglich neue Qualen. Über Nacht arm, Hab und Gut zerstört oder geraubt.

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2012-10-09 21:00
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