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Nachfrage nach Waffenschein in Gelsenkirchen gestiegen

08.01.2016 | 17:11 Uhr
Nachfrage nach Waffenschein in Gelsenkirchen gestiegen
Mit solchen Gas- und Schreckschusspistolen wollen sich offenbar immer mehr Menschen schützen.Foto: Kerstin Bögeholz

Gelsenkirchen.  Die Anträge für den „kleinen Waffenschein“ sind in Gelsenkirchen gestiegen. Allein von Oktober bis Dezember 2015 gab es 56 neue Gesuche.

Es gibt immer mehr Gelsenkirchener, die sich offenbar nicht mehr sicher fühlen. Im letzten Drittel des vergangenen Jahres gab es eine starke Erhöhung der Anträge auf Erteilung eines kleinen Waffenscheins. Das berichtete der Gelsenkirchener Polizeisprecher Torsten Sziesze dieser Redaktion auf Anfrage.

Dieses amtliche Dokument berechtigt den Inhaber zum Führen von Gas- und Schreckschusswaffen außerhalb der eigenen Wohnung und von Geschäftsräumen. Von Oktober bis Dezember gab es 56 neue Anträge. Insgesamt sind in der Stadt laut einer Erhebung aus dem Vorjahr 996 Menschen im Besitz eines kleinen Waffenscheins. „Die Tendenz ist auf jeden Fall steigend“, so Sziesze.

Info
Zuverlässigkeitsprüfung

Um den kleinen Waffenschein zu bekommen, muss man einen schriftlichen Antrag bei der Polizei stellen und außerdem mindestens 18 Jahre alt sein.

Voraussetzung ist es, einen festen Wohnsitz in Deutschland zu haben. Der Antrag wird genehmigt, wenn eine Zuverlässigkeitsprüfung durchgeführt worden ist: Der Antragsteller muss einen körperlichen und geistigen Eignungstest bestehen, darf keine Vorstrafen vorweisen und nicht drogen- oder alkoholabhängig sein.

Die Motive für den Besitz eines kleinen Waffenscheins sind unterschiedlich und vom Einzelfall abhängig. „Es könnte gut sein, dass das Sicherheitsbedürfnis in letzter Zeit gestiegen ist. Gründe dafür können aber auch Sammelleidenschaft oder der Hang zum Statussymbol sein“, erklärt der Polizeisprecher.

Zweijährige Mitgliedschaft muss nachgewiesen werden

„Im vergangenen Jahr ist der Verkauf von zulässigen Verteidigungsmitteln um ungefähr 50 bis 60 Prozent gestiegen.“ Das sagte ein in Gelsenkirchen ansässiger Händler, der Messer verkauft. Er will namentlich nicht genannt werden, um nicht die falsche Kundschaft anzulocken. Er weist auch daraufhin, dass das nicht unbedingt etwas mit einem größeren Angstempfinden zu tun haben müsse. Auch er spricht von Sammelliebhabern und dem Gebrauch im Outdoorbereich.

Das Interesse nach Abenteuerurlauben in der freien Natur mit möglichst wenig Gegenständen sei beliebter geworden und ein Messer dabei ein wichtiges Hilfsmittel. Einige Kunden, wie Handwerker oder Polizisten, bestellten aber auch berufsbedingt Waren. Zulässige Verteidigungsmittel, die er über seinen Onlineshop vertreibt, sind unter anderem auch „Tactical Pens“, Kugelschreiber mit verstärktem Metallschaft, die als Nervenpresse eingesetzt werden können.

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„Seit einem halben Jahr bekomme ich so viele Anfragen für eine Mitgliedschaft, wie in den letzten vier Jahren insgesamt“, erklärt Herbert Balzer, Vorsitzender des Sportschützenvereins SSG 99. „Viele denken, wenn sie in einen Verein eintreten, würden sie nach drei Monaten eine Schusswaffe bekommen. Das ist falsch.“ Es müsse der Nachweis eines gesetzlich festgelegten Bedürfnisses erbracht werden. Darunter fallen etwa Jäger, Sportschützen, Waffen- und Munitionssachverständige sowie Waffenhersteller oder -händler.

„Als Sportschütze muss man zudem eine mindestens zweijährige Mitgliedschaft vorweisen können und im zuständigen Landesverband gemeldet sein“, erläutert Balzer. In den Anfragen, sagt der Sportschütze, würde er häufig als Begründung ein unbestimmtes Angstgefühl feststellen. Letztlich aber würden dann doch fast 80 Prozent der Antragsteller wieder abspringen.

Maria Eckardt

Kommentare
10.01.2016
17:33
Nachfrage nach Waffenschein in Gelsenkirchen gestiegen
von Moderation | #15

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2016-01-08 17:11
Gelsenkirchen, Waffen, Waffenschein, Kriminalität, Gewalt
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