Musischen Wurzeln auf der Spur

Die Brasilianerin Rosani Reis präsentiert erstmalig  ihr neues Album.
Die Brasilianerin Rosani Reis präsentiert erstmalig ihr neues Album.
Foto: Miguel Aun
Was wir bereits wissen
Rosani Reis aus Gelsenkirchen stellt ihr drittes Soloalbum im stadt.bau.raum vor. „De onde vem o tambor“ widmet sich der brasilianischen Heimat der Musikerin.

Gelsenkirchen.. „De onde vem o tambor“ („Woher kommen die Trommeln“) heißt Rosani Reis’ drittes Soloalbum. Eine Produktion, die der aus Brasilien stammenden Gelsenkirchenerin sehr am Herzen liegt. „Das Album ist eine Hommage an meine Heimat. Die Notwendigkeit mit meinen musikalischen Wurzeln in Kontakt zu sein, wurde mit den Jahren immer größer. Wie bei einem Baum, dessen Wurzeln mit der Zeit stärker werden und sich immer tiefer eingraben.“

Alle Stücke kommen daher von Komponisten aus Minas Gerais, der Region, in der auch Rosani Reis (51) aufgewachsen ist. „In den Texten geht es um meinen Ursprung, die verschiedenen Ethnien, die auch in mir stecken.“

Reis’ Heimat Minas Gerais

Die Region Minas Gerais sei fern der Küste, geprägt von Bergen und tiefen Tälern. „Dort war es zur Zeit der Eroberung besonders schlimm. Es gab viel Gold und die Zwangsarbeit hat sich extrem lange gehalten. Um nicht vollends zu verzweifeln, haben die Ureinwohner musiziert. Bis heute sind ihre Sounds in der Musik von Minas Gerais verwurzelt. Die afrikanische Kultur ist stark spürbar. Es gibt Rhythmen, die es nur dort gibt, da sie durch den bergischen Kessel nicht gestreut sind. Diese präsentiere ich auch auf meiner Platte. Wer die Musik hört, fühlt sich in meine Heimat versetzt. Das hoffe ich zumindest. Ich tue es, wenn ich die Lieder singe“, sagt die Musikerin gerührt.

Für Rosani Reis vereint Musik Geist und Körper. „Die Ratio verhindert es heute oft, dass der Körper mit in die Musik einfließt. In Minar Gerais muss Fleisch und Blut mitgehen, um die Lieder überhaupt entstehen zu lassen.“

Die Tradition der Trommel

Eine besonders wichtige Rolle spiele in der musikalischen Tradition des Ortes die Trommel (Caixa de folia). In vielen brasilianischen Urvölkern habe sie eine spirituelle Bedeutung.

„Die Trommel fungiert als Verlängerung des Selbst. Jeder baut sie eigenhändig, das habe ich auch gemacht. Sie kommt in meinen Konzerten stets zum Einsatz. Und darum auch der Titel des Albums.“

Daneben nutzt sie zwei weitere selbst gebaute Instrumente, die aus ihrer ehemaligen Heimat stammen. Eines besteht aus kleinen Rasseln, die sie sich an die Knöchel bindet, das andere erinnert an ein geschlossenes Tamburin, das mit Kernen gefüllt ist.

„Die Menschen machten mit ihren Fußfesseln und den Sieben für die Goldsuche Musik, so haben sich diese Instrumente entwickelt“, erklärt die Afro-Brasilianerin, die seit knapp 25 Jahren in Deutschland lebt.

Am 3. Juni präsentiert sie ihr neues Album zum ersten Mal bei einem Konzert im stadt.bau.raum. „Die Besucher dürfen sich auch auf einen besonderen Überraschungsgast freuen“, macht Rosani Reis abschließend noch etwas neugieriger auf die Veranstaltung.