Musiker treffen den richtigen Musical-Ton

In der Veranstaltungsreihe Melange präsentierten die Musiker Martin Brödemann am Klavier und Holger Ries (Gesang) im Hotel Maritim vor rund achtzig Zuhörern Songs aus Broadway-Musicals.
In der Veranstaltungsreihe Melange präsentierten die Musiker Martin Brödemann am Klavier und Holger Ries (Gesang) im Hotel Maritim vor rund achtzig Zuhörern Songs aus Broadway-Musicals.
Foto: Martin Möller
Was wir bereits wissen
Der Literaturverein Melange lud im Gelsenkirchener Hotel Maritim zu einem Broadway-Abend ein.

Gelsenkirchen.. Das Beste zuletzt: Als Tenor Holger Ries am Montagabend „Ich war noch niemals in New York“ von Udo Jürgens anstimmte, konnten sich die Zuhörer nicht mehr bremsen. Sie sangen und summten die bekannte und beliebte Melodie mit. Martin Brödemann griff beherzt in die Tasten und führte den Broadway-Abend mit vielen Songs aus legendären Musicals zu einem glanzvollen Ende. Dann hieß es im Maritim Zu-ga-be, Zu-ga-be... Die gab es mit „Tonight“ aus der Westside Story von Leonard Bernstein.

Der Verein Melange hatte zum Abend eingeladen und den Nerv des Publikums getroffen. „Ausverkauft“ hieß es, 80 Besucher freuten sich auf einen herrlichen musikalischen Abend. 18 Lieder standen auf dem Programm, unter anderem aus den Musicals Evita, Cats, König der Löwen, Anatevka und My fair Lady.

Ries taktete den unterhaltsamen Abend sehr gut. Er gab zu jedem Song eine kurze Beschreibung und ging von den 60er Jahren aus chronologisch bis in die 90er Jahre des letzten Jahrhunderts. Einige Sätze zum Inhalt und wann das jeweilige Werk den Weg zur Geburtsstätte des Musicals, dem New Yorker Broadway, fand.

„Entstanden ist das Musical in den 1920er Jahren als neue Gattung des Musiktheaters. Es setzt Geschichten des wahren Lebens, fantastische und historische Stoffe in Szene – als Symbiose aus Schauspiel, Musik, Tanz und Gesang, verbunden mit einem durchgängigen Handlungsrahmen“, schreibt Melange.

Dass die Verbindung nur zwischen Gesang und Klavier auch hervorragend klappt, setzten die beiden Musiker unter Beweis. Martin Brödemann, der an dem Abend zwei Soli mit eigenen Arrangements spielte, studierte Klavier an der Musikhochschule Köln, Abteilung Wuppertal. Er arbeitet als Organist in Hagen sowie als Dozent für Klavier an der Universität Dortmund und an der Hochschule für Musik der Fachhochschule Osnabrück. Als Komponist, Arrangeur und Liedbegleiter gestaltete er auch zahlreiche Kabarett- und Gesangsprogramme.

Und was hat ein selbstständiger Betriebswirt im Vertrieb eines zahnmedizinischen Herstellers mit einem Tenor zu tun? Viel, denn diese Symbiose verkörpert Holger Ries in einer Person. Der Spieltenor hat einen verrückten beruflichen Lebensweg hinter sich. Er studierte nach dem Abitur Betriebswirtschaft und leitete parallel einen Supermarkt. Mit dem Geld finanzierte er seine Ausbildung zum Sänger, nahm über sieben Jahre bei bekannten Kammersängern Unterricht. Davor hatte er sich als Rocksänger versucht, was aber für seine Stimme das absolut Falsche war.

Der 45-Jährige, der in der Nähe von Heilbronn wohnt, war an vielen deutschen Bühnen beschäftigt, arbeitete einige Zeit auch am Musiktheater im Revier. „Infiziert hat mich vor Jahren das Musical Miss Saigon, das in Stuttgart aufgeführt worden war. Da wusste ich, wohin ich beruflich will“, sagt er. Im Jahr 2001 debütierte er bei den Schlossfestspielen Zwingenberg als Kilian (der Freischütz).

So ein Abend macht nicht nur die Zuschauer glücklich, sondern auch die Musiker. „Mir macht das absoluten Spaß, wenn ich den Besuchern einen schönen Abend bieten kann“, sagt Ries. Mit Martin Brödemann arbeitet er viel zusammen. Die Besucher konnten sich davon überzeugen, dass die beiden ein eingespieltes Team sind.

Die Reihe, die die Agentur Melange im Maritim anbietet, kommt bei den Besuchern gut an. Melange, das ist die „Literarische Gesellschaft zur Förderung der Kaffeehauskultur e.V.“. Und Kaffeehaus-Atmosphäre war am Montagabend tatsächlich zu spüren.


Am Montag, 14. November 2016, geht es in eine weitere Kulturrunde im Hotel Maritim am Stadtgarten. Da heißt es „Bergmanns Bräute: Das Bergwerk von Falun“ mit Caroline Keufen. Am 5. Dezember gibt’s „Da hat’s an der Tür gepocht“, Heiteres zum Advent mit Peter Schütze.