Das aktuelle Wetter Gelsenkirchen 16°C
Nachruf

Mit Many Szejstecki starb der Vater der „werkstatt“

26.01.2016 | 18:00 Uhr
Mit Many Szejstecki starb der Vater der „werkstatt“
Many Szejstecki verstarb im Alter von 84 Jahren.Foto: Thomas Schmidtke

Gelsenkirchen.  Der Künstler widmete sich den großen Bergbaupanoramen und der Struktur des Reviers.

Many Szejstecki ist tot. Der leidenschaftliche Künstler, Urgestein der Gelsenkirchener und regionalen Kunstszene und „Vater“ der Galerie „werkstatt“ in Buer, starb am Sonntag im Alter von 84 Jahren nach längerer Krankheit. Der Maler, Zeichner und Grafiker wurde bekannt mit seinen filigranen, oft großformatigen Untertage-Bildern aus dem Bauch des Reviers.

Many Szejsteckis Werk ist untrennbar mit der Region verbunden. 1931 in Breslau geboren, kam er 1947 ins Ruhrgebiet, wo er bis 1983 als Steiger und Bergingenieur unter Tage arbeitete. Diese Zeit prägte auch nachdrücklich sein künstlerisches Schaffen, das er 1965 als Autodidakt aufnahm. Zunächst widmete er sich vor allem Landschaftsszenen und Aktzeichnungen, skizzierte später an seinem Arbeitsplatz Kumpel vor Ort.

Meister der Perspektive

Seit er sich Anfang der 70er verstärkt mit der Druckgrafik auseinandersetzte, entwickelte sich Szejstecki zum Meister der Perspektive, wenn er ganze Bergbaupanoramen entwarf, Strukturen und Schichten wie ein Geologe nachspürte. Seine Werke legen mit ihren Netzstrukturen, Liniengeflechten und wellenförmigen Bewegungen eine sonst unsichtbare Welt faszinierend fürs Auge offen. Dabei öffnete der Künstler immer wieder den Blick für vom Bergbau geschaffene Wege, Schächte, Strecken. Auch Spiegelobjekte konstruierte er. Sein künstlerisches Zuhause aber war die „werkstatt“, deren Ehrenvorsitzender er war.

Vereinsvorsitzender Wolfgang Ullrich erinnert sich: „Über 30 Jahre war Many Szejstecki das Herz und der Kopf des Ausstellungsraums, den er durch seinen unermüdlichen Einsatz zu einer Institution weit über die Grenzen von Gelsenkirchen hinaus machte. In unzähligen Ausstellungen präsentierten er und seine Mitstreiter zeitgenössische Kunst.“

Viele Schulklassen zu Besuch

Viele Schulklassen und Kindergartengruppen haben ihn regelmäßig besucht. Auch kunstfernen Menschen den Zugang zur Kunst zu erleichtern, war ihm stets ein Anliegen. Stundenweise war er bis zuletzt präsent in den kleinen Räumen, war Ansprechpartner, machte den Ort zu einem wahren Treffpunkt.

Das Deutsche Museum München zeigte 2004 die Ausstellung „Many Szejstecki - Ein Künstler aus dem Ruhrgebiet“. In der Gelsenkirchener U-Bahn-Station Trinenkamp hat er sich mit seiner Wandgestaltung ein Denkmal gesetzt.

Die Trauerfeier findet am Samstag, 30. Januar, um 9.30 Uhr in der Trauerhalle des Hauptfriedhofs in Buer, Ortbeckstraße, statt.

Elisabeth Höving

Kommentare
Funktionen
Fotos und Videos
Sonntag mit Hindernissen
Bildgalerie
Xletix Challenge
100000 beim Familientag
Bildgalerie
FC Schalke 04
Arbeiten im Gefängnis
Video
Extreme Jobs
article
11498501
Mit Many Szejstecki starb der Vater der „werkstatt“
Mit Many Szejstecki starb der Vater der „werkstatt“
$description$
http://www.derwesten.de/staedte/gelsenkirchen/mit-many-szejstecki-starb-der-vater-der-werkstatt-id11498501.html
2016-01-26 18:00
Szejstecki,Kunst,"werkstatt",Kunst,Gelsenkirchen
Gelsenkirchen