MiR tut gut
15.12.2009 | 22:59 Uhr 2009-12-15T22:59:00+0100
„Vorhang auf” für das neue, alte Musiktheater im Revier. Mit einem mehrstündigen Gala-Marathon sind das Ensemble und die MiR-Gemeinschaft am Dienstagabend in das technisch, optisch und akustisch ertüchtigte Große Haus zurückgekehrt – das Finale zum 50. Geburtstag nach achtmonatiger Umbauzeit.
Wagners „Lohengrin” eröffnete die Gala, die GMD Heiko Mathias Förster und Chef-Dirigent Rasmus Baumann einen langen Abend von Strauß über Verdi bis Gershwin am Pult vor den Philharmonikern bescheren sollte. Lohengrin: das war 1959 die erste Oper am MiR. Rückblick auf 50 Jahre „Gesamtkunstwerk Musiktheater” hielt auch Oberbürgermeister Frank Baranowski: Es gehörte damals „Mut” dazu, das Theater zu wollen. „Mut zu absoluter Kreativität”, das zeichne auch heute das MiR aus. „Das Theater hat der Stadt gut getan. Und es tut ihr weiter gut”, so der OB und erinnerte daran, dass das MiR keine Entscheidung einiger „Kulturbeflissener” gewesen sei, sondern Bürgern das Erlebnis Theater bieten sollte. „Kompliment”, sagte NRW-Kulturstaatssekretär Heinrich Grosse-Brockhoff an die Stadtadresse. Sie habe „jetzt erst recht in diesen schweren Zeiten” mit dem MiR und den aktuellen Investitionen Maßstäbe gesetzt: „Gelsenkirchen hat Theatergeschichte geschrieben.” Auch in der Theaterarchitektur und in der „vorbildlichen künstlerischen Arbeit” des Hauses.
Bis auf den letzten Platz gefüllt waren die Reihen mit den 1000 neu gepolsterten Sesseln unter dem neuen Sternenhimmel, einige hundert weitere Gäste verfolgten die Gala per Videoübertragung im Kleinen Haus. Lang war die Einladungsliste. Kultur, Wirtschaft, Politik, man wollte sehen und vor allem hören, was die knapp sieben Millionen Euro teure Frischzellenkur für die Theaterdame möglich macht.
Auch 2010-Chef Fritz Pleitgen sah sich um, sendet das ZDF doch im Januar von hier die TV-Gala zur Kulturhauptstadt. Zu den geladenen ehemaligen Intendanten zählte auch Peter Theiler, der aus Nürnberg anreiste, um seine „alte Stätte” zu begutachten. Natürlich, auch Architekt Werner Ruhnau, war geladen und wurde außerordentlich überrascht: Das Musiktheater ehrte ihn mit der höchst raren Ehrenmitgliedschaft.
Andere Gäste fanden sich auf der Bühne wieder; wie der in Gelsenkirchen aufgewachsene Kammersänger Oskar Hillebrandt, der als gefragter Wagner-Sänger den konzertanten Abend mit dem „fliegenden Holländer” stimmlich eröffnete. Oder Günter Papendell und Burkhard Fritz, die für „Geburtstagsständchen” aus der Feder Mozarts und Puccinis ans Haus zurückkehrten.
Als „selbstbewussten Akt”, hatte MiR-Intendant Michael Schulz zur Begrüßung die Entscheidung der Gründungsväter gelobt. Zuversichtlich auch sein Blick in die Zukunft: In der Pause des langen MiR-Abends bat er „zum Anstoßen auf die nächsten 50 Jahre”.
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